Musik und Delikatessen Frauen dominieren türkische Konzerte am Wochenende

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Die Musik- und Kunstschule sowie die Lagerhalle wurden am Sonntag zu Schauplätzen ganz besonderer Konzerte: Hier zeigte ein mit weiblichen Mitgliedern besetztes Saz-Ensemble, was es gelernt hat, dort trug der von Frauen dominierte Harmonie Chor türkische Volkslieder und klassisches Liedgut vor.

Haben Frauen mit türkischen Wurzeln mehr Zeit als Männer oder trauen sie sich eher, sich in der Öffentlichkeit künstlerisch zu äußern? Musiklehrer Ismail Türker meint mit einem Lächeln: „Ich glaube, dass die Männer die Aufgaben der Frauen zuhause übernehmen müssen, während diese hier musizieren. Vielen Dank dafür.“

Im Veranstaltungssaal der städtischen Musik- und Kunstschule waren im Rahmen der Konzertreihe „SonnTAKTE“ neun Frauen aufgetreten, die traditionelle türkische Lieder sangen und sich mit der Langhalslaute Bağlama begleiteten. Am Nachmittag desselben Tages waren es in der Lagerhalle gleich 24 Frauen, die als Harmoni Korusu, als Harmonie Chor auftraten. Beim „2. Traditionskonzert“ trugen sie, begleitet von einer Instrumentalband, türkische Volkslieder und klassische türkische Lieder vor.

Inwiefern es Unterschiede zwischen diesen beiden Genres gibt, erschließt sich erst im Vergleich. Die klassischen Lieder sind abwechslungsreicher und differenzierter intoniert, die Volkslieder einfacher und direkt zum mitsingen gedacht. Instrumente wie die Trapezzither Kanun und die arabische Laute Oud bekommen im klassischen Teil mehr Platz für Soli eingeräumt. Höhepunkte des in festlichem Rahmen unter den Flaggen der Türkei und Deutschlands gestalteten Programms bildeten die Solodarbietungen von Sängerinnen, die unter der Leitung von Aysun Sertoğlu voller Inbrunst von Liebe, von Sehnsucht und Heimat singen.

Im Zusammenspiel zeigte sich, dass sich die gemeinsame Fahrt mit einem Bus zur Probe nach Frankfurt gelohnt hat. Der Grund für den Aufwand: Die Begleitband lebt in der Mainmetropole und hatte keine Zeit, um im Januar zu den Proben im Saal des Atatürk Kultur- und Bildungsverein in Osnabrück zu reisen. Also fuhr der Frauenchor mit den zwei männlichen Mitgliedern für einen Probentag kurzerhand nach Frankfurt.

In den Räumen des alevitischen Kulturvereins Osnabrück unterrichtet Ismail Türker seine erwachsenen Schülerinnen. Vor einem Jahr hat er das Ensemble gegründet. Bağlama wird die türkische Langhalslaute genannt, die jetzt von den Frauen als Begleitung türkischer Volkslieder gespielt wird. Auch hier wird in den Liedtexten von Liebe, Sehnsucht, von Heimat und Gleichheit der Menschen gesungen. Und auch hier wird betont, dass die meisten Musikerinnen schon so lange in Deutschland leben, dass Osnabrück zu ihrer Heimat wurde.

Außerdem gibt es offenbar kein türkisches Konzert, ohne in den Genuss kulinarischer Köstlichkeiten zu kommen. Sowohl in der Lagerhalle als auch in der Musik- und Kunstschule lockte nach dem Konzert ein türkisches Büfett.