Erste Protected Bike Lane Geschützter Radweg statt Parkplätzen am Osnabrücker Heger-Tor-Wall?

Von Jörg Sanders


Osnabrück. Bekommt die Stadt Osnabrück in diesem Jahr ihre erste sogenannte Protected Bike Lane – eine „geschützte Fahrradspur“? Am Donnerstag entscheidet der Stadtentwicklungsausschuss über einen solchen breiten und baulich abgetrennten Radweg. Parkplätze würden wegfallen. Der Bund der Osnabrücker Bürger hat Bedenken.

In den Sommerferien soll die Fahrbahn des Heger-Tor-Walls zwischen Dielinger- und Katharinenstraße in Richtung Schlosswall saniert werden. Die Verwaltung will gleichzeitig eine Protected Bike Lane einrichten und rechnet mit Baukosten von 275.000 Euro zusätzlich zur Deckensanierung.

„Erstmalige Chance“

Im September 2017 hatte der Rat der Stadt den Radverkehrsplan 2030 beschlossen. Darin hielt die Stadt eine Mindestbreite von – sofern möglich – zwei Metern plus Markierung für neue Radwege fest („ERA+“). Protected Bike Lanes sollen für verkehrlich hoch belastete Bereiche geprüft werden. Die CDU wollte diesen Punkt streichen lassen, scheiterte aber mit dem Antrag. Am Heger-Tor-Wall gebe es nun „erstmalig die Chance, diese Ansätze planerisch am Wallring zu entwickeln und in die Realität umzusetzen“, heißt es in der Beschlussvorlage der Verwaltung.

Situation momentan „potenziell gefährlich“

Momentan steht Radfahrern im besagten Abschnitt ein weniger als anderthalb Meter breiter und huckeliger Radweg zur Verfügung, der erst vor der Fußgängerampel an der Einfahrt zur Katharinenstraße auf einen Radfahrstreifen an der Fahrbahn führt. Radler geraten erst spät ins Blickfeld des rechts abbiegenden Verkehrs. Das ist der Verwaltung zufolge „potenziell gefährlich“.

Parkplätze fallen ersatzlos weg

Wie sähe die Protected Bike Lane aus? Mit 3 bis 3,25 Metern wäre sie ausgesprochen breit. Asphalt soll sie besonders langlebig machen. Wegen der baulichen Abtrennung würden sieben Parkplätze ersatzlos wegfallen. Poller würden entfernt und Straßenleuchten versetzt werden. Die Bäume wiederum blieben erhalten.

Für die Fahrbahnen bliebe das Regelmaß von 3,25 Metern Breite. Der Fußweg würde mit zweieinhalb Metern breiter ausfallen als derzeit. Die Abtrennung der Protected Bike Lane wäre dem Entwurf zufolge noch zu bestimmen; denkbar wären Bordsteine, die den Radweg baulich von der Fahrbahn und vom Gehweg trennen und absichern.

Zweite Variante günstiger

Die zweite von der Verwaltung entwickelte Variante sieht einen zwei Meter breiten Radweg und Radfahrstreifen und einen 50 Zentimeter breiten Sicherheitsstreifen zu den Fahrbahnen vor. Diese Variante ist mit zusätzlichen Baukosten in Höhe von 180.000 Euro deutlich günstiger, zudem blieben vor dem Gebäude der Polizeidirektion fünf Parkplätze erhalten.

Trotz der höheren Kosten spricht sich die Verwaltung für die Protected Bike Lane aus. Solche Radwege seien „objektiv verkehrssicher und werden subjektiv als besonders sicher empfunden“, heißt es in der Vorlage. Auch Fußgänger würden von der Protected Bike Lane profitieren.

BOB hat Bedenken

Der Bund der Osnabrücker Bürger (BOB) hat Bedenken bezüglich des Umbaus der Straße. Er will am Donnerstag von der Verwaltung wissen, inwieweit die Bildung einer Rettungsgasse nach dem Umbau des Straßenabschnitts möglich ist und wie sich der Umbau auf die Grünflächen und Bäume auswirkt.

Oben: der Entwurf des Fachbereichs Städtebau für eine Protected Bike Lane am Heger-Tor-Wall zwischen Dielinger- und Katharinenstraße (oben). Unten: Variante zwei mit einem Radweg. Grafiken: Stadt Osnabrück

Die ersten Protected Bike Lanes in Deutschland führte Berlin ein, in den USA sind sie schon vielfach zu sehen.


Die Entwürfe

Die beiden Entwürfe – Protected Bike Lane und ERA+ – sind im Ratsinformationssystem der Stadt im Internet zu finden. Alternativ können Sie sie hier herunterladen:

Variante Protected Bike Lane (PDF)

Variante Radweg ERA+ (PDF)