Auffangen – informieren – begleiten Frauenselbsthilfe nach Krebs in Osnabrück

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Dass die Selbsthilfegruppe „Frauen nach Krebs“ schon vielen Betroffenen neuen Mut gegeben hat, davon sind Lore Bressem (links) und Birgitt Hunfeld überzeugt. Foto: Petra PieperDass die Selbsthilfegruppe „Frauen nach Krebs“ schon vielen Betroffenen neuen Mut gegeben hat, davon sind Lore Bressem (links) und Birgitt Hunfeld überzeugt. Foto: Petra Pieper

Osnabrück. „Als ich neu in die Selbsthilfegruppe kam, war ich ganz erleichtert, dass viele der anwesenden Frauen ihre Krebserkrankung schon vor langer Zeit hatten, sie also überlebt hatten. Ganz offensichtlich war die Diagnose ,Krebs‘ nicht gleichbedeutend mit einem Todesurteil“, berichtet Lore Bressem, die vor elf Jahren in die Gruppe „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ kam und dort Zuspruch und Unterstützung fand.

Ähnlich erging es vor fünf Jahren Birgitt Hunfeld, die heute die Gruppe leitet: „Ich habe Frauen mit einem vergleichbaren Schicksal gesucht, um meine Fragen und Ängste mit ihnen zu besprechen, denn ich hatte viel Gesprächsbedarf, wollte aber meine Familie nicht über Gebühr belasten.“ Und es habe sie sehr beruhigt, dass die Überlebensraten bei Krebs in den letzten Jahren ständig höher und die Lebensspannen länger geworden sind.

Nach wie vor ein Schock

Für die meisten Menschen ist die Diagnose ‚Krebs‘ nach wie vor ein Schock; sie fühlen sich ohnmächtig und hilflos angesichts der Bedrohung des eigenen Lebens. „Der Weg, der jetzt vor einem liegt, erscheint steinig und unüberwindbar“, heißt es in der Broschüre, die vom Bundesverband „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ (FSH) herausgegeben wird.

In der Selbsthilfegruppe finden Betroffene Menschen, die Ähnliches erlebt haben, Ängste und Gefühle in der ersten Zeit nach der Diagnose kennen. Die emotionale und körperliche Durststrecken während der Behandlung selbst erlebt haben, Sorgen um die Wiedererlangung der Gesundheit oder Probleme in Familie und Beruf. Menschen, die deshalb andere seelisch auffangen können.

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Hinweis in der Klinik

Viele Erkrankte werden bereits in der Klinik auf die Selbsthilfegruppen hingewiesen, die es auch an anderen größeren Orten wie Quakenbrück, Ankum oder Melle gibt. „Wir sind auch für Männer und für Familienangehörige offen, aber in der Regel kommen betroffene Frauen ab etwa 40 Jahren aufwärts zu uns“, berichten die beiden Gruppenleiterinnen. Jüngere Frauen würden wohl seltener erkranken und heute auch eher die Möglichkeit nutzen, sich über das Internet auszutauschen, zum Beispiel über www.netzwerkstattkrebs.de, meint Birgitt Hunfeld.

Die Osnabrücker Selbsthilfegruppe gehört dem 1976 gegründeten Bundesverband, einer der ältesten und größten Selbsthilfeorganisationen in Deutschland, seit 40 Jahren an; am 14. Mai dieses Jahres können die Osnabrücker runden Geburtstag feiern. Die FSH wird durch die Deutsche Krebshilfe finanziell unterstützt.

Austausch und Information

In der Gruppe geht es um persönlichen Austausch und um Information. Das Ziel ist, die Angst vor weiteren Untersuchungen und Behandlungen zu überwinden und die eigenen Kräfte (wieder) zu entdecken und zu nutzen, auch, damit man als mündiger Patient den Ärzten gegenübertreten und bewusst Entscheidungen treffen kann. „Wir wollen unseren Heilungsprozess nach Möglichkeit aktiv mitgestalten“, unterstreichen Hunfeld und Bressem. Denn die Frauen haben die Erfahrung gemacht, dass es beruhigend ist, wenn man über Behandlungsabläufe informiert ist, Therapien und gegebenenfalls Alternativen kennt. Deshalb laden sie auch immer wieder einmal Experten in die Gruppe ein, die über die medizinische Entwicklung referieren oder Hilfestellung in der Bewältigung der psychischen Folgen anbieten. Auch Fragen der gesundheitlichen Nachsorge und die Beantragung von sozialen Leistungen werden besprochen. Eine nicht geringe Rolle spielen auch Kreativität und Geselligkeit – kurzum: alles, was die Lebensqualität verbessern hilft.

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Man trifft sich an jedem letzten Montag im Monat um 15.30 Uhr in Osnabrück an der Bramstraße 105. Die Gruppe kann den Gemeinderaum der Pfarrgemeinde Christus König im Johannes-Prassek-Haus nutzen und lädt ihre Mitglieder dort zu einer gemütlichen Kaffeerunde ein. „Kommen Sie vorbei oder rufen Sie an, es ist alles freiwillig, unverbindlich und ohne Mitgliedsbeitrag“, raten Birgitt Hunfeld (Tel. 05466/926463) und Lore Bressem (05402/5142).

Biographischer Roman

Infos gibt es im Internet unter www.frauenselbsthilfe.de/osnabrueck.html.

Etwas Besonderes ist für das Gruppentreffen am 26. März vorgesehen: eine Autorenlesung. Claudia Lauer aus Recklinghausen liest aus ihrem biographischen Roman „Achterbahn ins Leben“, in dem es um „Brustkrebs, das Leben und Ich“ geht. Die Lesung ist öffentlich und die Gruppenleiterinnen laden alle Interessierten dazu ein.


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