Neue Osnabrücker Hofkapelle spielt in ausverkaufter Schlossaula Bach’sches Familienporträt

Von Jan Kampmeier

Überzeugte:  Die Neue Hofkapelle Osnabrück spielte unter dem Motto „Die Familie Bach“. Foto: David EbenerÜberzeugte: Die Neue Hofkapelle Osnabrück spielte unter dem Motto „Die Familie Bach“. Foto: David Ebener

Osnabrück. Vier Vertreter der weitverzweigten Musikerfamilie Bach standen beim dritten Konzert der Neuen Osnabrücker Hofkapelle in der Schlossaula auf dem Programm.

Der Name Bach sorgte bei der Neuen Osnabrücker Hofkapelle für eine restlos ausverkaufte Schlossaula, Johann Sebastian aber gab es, abgesehen von der Zugabe, trotzdem nicht. Stattdessen drei seiner Söhne sowie den Vetter zweiten Grades Johann Bernhard.

Mehrere Solisten traten bei diesem Familienporträt in Erscheinung, ganz zuletzt etwa die Traversflötistin Daniela Lieb. Ihr Instrument klingt ungemein weich und zart, und da ist Carl Philipp Emanuel Bachs Konzert d-Moll schon eine Überraschung, denn das ist im ersten und vor allem im dritten Satz ausgesprochen energisch. Das Orchester spielt kräftige und forsch interpretierte Tuttipassagen, die eigentlich gar nicht zum leisen und intimen Klang der Traversflöte passen, und tatsächlich handelt es sich, wie das Programmheft informiert, um die Bearbeitung eines Cembalokonzerts.

Doch wenn Daniela Lieb ihre Soli spielt, tritt das Orchester vorbildlich zurück, lässt ihr Platz, ganz kurze Motive werden hauchzart herumgereicht, und diese starken Kontraste sind dann sogar ausgesprochen eindrucksvoll. Ebenso die Solistin selbst, die in den Ecksätzen bei größter Geläufigkeit hervorragend artikuliert und im langsamen Satz den zarten Charakter betörend umsetzt.

Ähnlich hatte es zuvor an seinem Instrument, dem Cembalo, bereits Christian Joppich getan. Das Solokonzert in f-Moll, das Johann Christian Bach, später ein Vorbild Mozarts, mit nur 15 bis 19 Jahren schrieb, entpuppt sich als abwechslungsreiches und spannendes Werk. Auch ein Cembalo kann singen, der langsame Satz hat, so gespielt, etwas von einer ruhigen Arie, während die Ecksätze motorisch geprägt sind und vom Orchester zuweilen recht harsche Akkorde kommen. Dennoch klingt die Neue Osnabrücker Hofkapelle insgesamt nicht so ruppig oder zornig, wie es bei einigen Ensembles für Alte Musik der Fall ist. Der Zugriff meistens nicht ganz so rasant und draufgängerisch, wohl aber akzentuiert und frisch.

Das zeigt sich zum Beispiel auch in den klaren, übersichtlichen Strukturen der Suite Nr. 1 in g-Moll von Johann Bernhard Bach, die das Konzert eröffnet. Christian Heinecke spielt darin die Solostimme, doch immer wieder wird unterwegs auch in kleinen kammermusikalisch besetzten Ensembles überzeugend gestaltet.