„Liederkranz first!“ Kostümfest der sangesfreudigen Karnevalisten aus Haste

Von Markus Strothmann


Osnabrück. Der MGV Liederkranz Haste hat im Kaffeehaus Osterhaus seine traditionelle Kostümsitzung abgehalten. Zusätzlicher Grund zum Feiern: das 125-jährige Bestehen des Vereins, der sich 1893 gegründet hat.

„Ein tolles Bild, das kann ich sagen – so können wir die Sitzung wagen“, kommentierte Sitzungspräsident Ulrich „Grappo“ Tiemann zu Beginn den fast voll besetzten, mit Luftballons geschmückten Saal. Zum gegebenen Anlass hatten sich die allermeisten Gäste in Schale geworfen, nur ganz wenige liefen unverkleidet auf. Besonders schöne Kostümideen: Freiheitsstatue, Kuh und Himmel (mit Wolkenbluse und Sonnenhaube).

Die „Prinzensänger“ des MGV sangen in Clownstracht „Macho, Macho“ – es handelt sich zwar um einen Männergesangverein, aber dass ohne Chorleiterin Anke Mewis nichts geht, ist den Herren durchaus klar. Diese bekam denn auch ein ausdrückliches Lob von Grappo Tiemann.

Der MGV-Vorsitzende Rainer Wappler erklärte mit Narrenlogik, warum der Liederkranz Haste viel besser ist als Donald Trump und die USA: „Wir brauchen den direkten Vergleich mit dem mächtigen Mann nicht zu scheuen!“ Sozialer, innovativer und länger im Dienst sei man und habe eigentlich auf jedem Sektor die Nase vorn: „Darum: Liederkranz first!“

Die Maxi-Nettegirls holten sich mit ihrer Tanzeinlage einen Riesenapplaus ab und wurden nicht aus dem Saal gelassen ohne eine Zugabe zum „Cliff und Rexonah“-Song „Ich fand das ganz große Glück mit dir im Zug nach Osnabrück“. Grappo Tiemann fand großes Lob für die Girls in Rot-Weiß: „Die beste Tanzgarde von Osnabrück kommt aus Haste!“

Mit Klaus Perovec ging ein Bayer in die Bütt, um den Haster Narren den „Fasching“ zu erklären, wie der Karneval dort heißt. Das gelang leider nur bedingt, denn die Gags zündeten nicht. Klaus wurde mit höflichem Applaus entlassen. „Vielleicht hätte es mit Übersetzer besser funktioniert“, mutmaßte der Sitzungspräsident angesichts des Vortrags im Dialekt.

Die Showeinlage der Liederkranz-Frauen schlug wieder gut ein: Die Damen simulierten einen „echten Männerabend“ und fabulierten darüber, was noch alles 125 Jahre alt ist neben dem MGV. Unter anderem seien das Zentis-Marmelade, die mitteleuropäische Zeit (MEZ) und Klattes Speisekammer.

Nach den Frauen übernahm die Band Waschbrettbauch die Bühne und nahm diese für geraume Zeit in Beschlag, zur Freude der meisten Gäste. Beim alten Klopper „In einen Harung jung und schlank“ ging es richtig ab. Bereitwillig ließ sich das Publikum zweiteilen und sprang auf die Füße beim jeweiligen Einsatz: „Ssst tata – tirallala!“

Komiker/Sänger Sven Bensmann und Pianist Jan Niermann aus Hagen waren schon in Holzhausen und Bad Iburg gewesen, bevor sie im Kaffeehaus auf die Bühne stiegen. Das Duo war also schon aufgewärmt, und Bensmann hatte den Saal im Handumdrehen im Griff. Bei seinen prägnanten Imitationen der „größten Stimmen der Welt“ mussten die Gäste nicht lange raten, wessen Stimme da gerade erklang. Louis Armstrong, Michael Jackson, Herbert Grönemeyer – von leicht bis stark verballhornt, aber auch in albernen Momenten klasse gesungen: lustig und zugleich sehr gut.

Eine Besucherin namens Marion diente Bensmann als Zielscheibe für die diversen Liebeslieder (You Are So Beautiful) und fühlte sich dabei etwas unwohl. Aber der Entertainer ließ nichts durchgehen: „Siehst du mich bitte an, Marion?“

Das Narrenvolk johlte und wollte das Duo aus Hagen gar nicht mehr gehen lassen. Als aber die „LKH-Boys“ in Freddie-Mercury-Optik den Saal stürmten, waren nicht nur die Damen begeistert. Die groß angelegte Showeinlage entpuppte sich als ein spätes Stimmungshighlight des Programms.