Osnabrück, Emsland, Grafschaft Bentheim Polizei twitterte eine Nacht lang aus der Leitstelle

Von Arne Köhler

Lena Krüger, Social-Media-Managerin der Osnabrücker Polizei, bei der Arbeit in der Einsatzleitstelle. Foto: Polizei OsnabrückLena Krüger, Social-Media-Managerin der Osnabrücker Polizei, bei der Arbeit in der Einsatzleitstelle. Foto: Polizei Osnabrück

Osnabrück. Die Polizeidirektion Osnabrück ist in der Nacht zu Samstag in die Twitter-Offensive gegangen: Zwischen 17 und 2 Uhr veröffentlichte das Social-Media-Team der Polizei nach eigener Zählung mehr als 125 Tweets zu Einsätzen in Stadt und Landkreis Osnabrück sowie in den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim.

Normalerweise informiert die Osnabrücker Polizei die Öffentlichkeit vor allem dann über das Einsatzgeschehen, wenn sie sich von der Veröffentlichung wertvolle Zeugenhinweise für eine laufende Ermittlung erhofft. Die von der Pressestelle verbreiteten Meldungen drehen sich dementsprechend besonders häufig um die Delikte Einbruch und Unfallflucht. Wer in der Nacht zu Samstag die über den offiziellen Twitter-Account der Ordnungshüter abgesetzten Kurztexte verfolgte, bekam ein wesentlich breiteres Spektrum geboten. „Täglich erreichen die Leitstelle etwa 400 Einsätze über die 110. Worum es bei den Notrufen geht, erfahrt ihr am kommenden Freitag“, hieß es bereits in der Ankündigung der bislang einmaligen Aktion.

Um Punkt 17 Uhr startete die „Livebegleitung in der Einsatzleitstelle“, und nur fünf Minuten später setzte das Social-Media-Team den ersten Einsatz-Tweet mit dem Hashtag #110live ab: „Handtaschendiebstahl in Osnabrücker Drogeriemarkt. Geschädigt ist eine ältere Dame.“

Polizeialltag oft unspektakulär

Was in den kommenden Stunden folgte, dürfte den typischen Polizeialltag widerspiegeln: Verkehrsunfall in Papenburg und wenig später auf der A1 bei Bramsche, piepende Alarmanlage im Osnabrücker Stadtteil Nahne, versuchter Einbruch in Osnabrück-Haste, Ladendiebstahl in Osnabrück, Ladendiebstahl in Dissen (Täter festgenommen), Fehlalarm in Neuenkirchen…

(Weiterlesen: Einsatz auf Facebook: Lena Krüger postet für die Osnabrücker Polizei)

Wer wollte, konnte sich nicht nur einen Überblick über das Einsatzgeschehen verschaffen, sondern auch Rückschlüsse auf ein unterschiedliches Sicherheitsgefühl in der Großstadt und eher ländlichen Regionen ziehen. So twitterten die Beamten um 17.34 Uhr: „Über Notruf wird eine größere Gruppe Jugendlicher in #Bad Essen gemeldet, die Alkohol und Zigaretten konsumieren soll.“

Beamten verraten nicht alles

Die Neugierde der Nutzer konnte allerdings nicht in jedem Fall befriedigt werden. Als die Beamten um 1.35 Uhr meldeten, dass es in einem Osnabrücker Nachtclub zu einer Auseinandersetzung zwischen einem Gast und dem Sicherheitspersonal gekommen ist, die ein Nachspiel in Form eines Ermittlungsverfahrens wegen Körperverletzung haben wird, fragte ein Follower nach dem Namen der Diskothek und erhielt prompt eine Abfuhr: „Genauere Angaben zur Örtlichkeit geben wir nicht.“ – „Dürft ihr das nicht?“, lautete die Nachfrage, die mit „Sorry, das würde zu weit gehen“ beantwortet wurde.

Den wohl spektakulärsten Einsatz dieser Nacht konnten die Nutzer ab 21.42 Uhr verfolgen: „Raub auf Osnabrücker Tankstelle. Maskierte Täter fußläufig flüchtig.“ Um 22.07 Uhr dann: „Täter sind auf ein Fahrzeug umgestiegen und Richtung Autobahn unterwegs.“ Und schließlich um 2.01 Uhr im letzten Tweet des Abends: „Fahndungserfolg: Durch umfangreiche Ermittlungs-und Fahndungsmaßnahmen konnten zwei Tatverdächtige vorläufig festgenommen werden.“

Entlaufener Hund

Es gab aber auch gute Nachrichten in dieser Nacht – und leicht skurrile, und zwar immer dann, wenn Hunde ins Spiel kamen: „9 Wochen alter Welpe in #Quakenbrück entlaufen“, hieß es um 19.43 Uhr, und rund eine Dreiviertelstunde später: „Der Welpe ist wieder da! Er hatte einen Ausflug zum Nachbarn gemacht...“. Und um 22.49 Uhr: Kurios: „Besitzer meldet den Diebstahl seiner zwei Chihuahuas aus PKW in #Fürstenau. Später fiel ihm ein: Er hatte die Hunde zu Hause vergessen bzw. gar nicht mitgenommen!“

Und auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von deutschen und niederländischen Polizisten wurde zum Thema: „Anrufer erkennt sein 2016 im Bereich #Emlichheim gestohlenes Boot in einer Kleinanzeige in den Niederlanden (#Coevorden) wieder. Kontaktaufnahme mit @PolitieOost_NL zwecks weiterer Maßnahmen.“

Zufriedene Bilanz

„Wir haben unser Ziel, der Bevölkerung einen Einblick in die tägliche Arbeit der Polizei zu geben, erreicht“, bilanzierte Polizeipressesprecher Marco Ellermann am nächsten Morgen – dieses Mal wieder in einer herkömmlichen, per E-Mail verbreiteten Pressemitteilung, „die Aktion kam bei den Usern sehr gut an und stieß auf großes Interesse“. Dafür spricht auch der Nutzer-Zuwachs, über den sich die Polizei etwa zur Halbzeit der Aktion freuen konnte: „Danke für 4000 Follower!“

Komplex und vielschichtig ist die Arbeit in einer Einsatzleitstelle. Foto: Polizei Osnabrück