Astrid zweimal operiert Orang-Utan Damai neuer Hoffnungsträger im Zoo Osnabrück

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Osnabrück. Auf dem jungen Damai lastet große Verantwortung. Als Europas Zuchtmännchen Nummer eins soll er im Zoo Osnabrück dazu beitragen, Borneo-Orangs vor dem Aussterben zu bewahren. Denn mit Altstar Buschi und der kränklichen Astrid ist bei den Menschenaffen kein Staat zu machen.

Es hat ein Weilchen gedauert, bis Damai, der im November zu Paarungszwecken aus einem Zoo in Ungarn an den Schölerberg gekommen war, mit seiner neuen Umgebung warm wurde. Doch ganz allmählich taut das zottelige Urwaldwesen auf. Immer häufiger verlässt es inzwischen sein Versteck – einen sorgsam aufgetürmten Berg aus Holzwolle und Papierschnitzeln in der hintersten Ecke seines Innengeheges. Turnt, spielt, holt Futter. Oder erkundet neugierig den prächtigen Orang-Utan-Palast, um sich dann wieder, mitunter auch für längere Zeit, in seine Höhle zurück- und die Kuscheldecke über den Kopf zu ziehen.

Vom Aussterben bedroht

„Orang-Utans brauchen viel Zeit zur Eingewöhnung“, weiß Zoodirektor Michael Böer. Tierpfleger wie Besucher müssen also weiterhin Geduld haben mit dem Neuankömmling, auf dem so viele Hoffnungen ruhen. Doch das Warten sollte sich lohnen. Wenn alles läuft wie geplant, wird Damai dem Zoo Osnabrück bereits in wenigen Jahren ein erstes Orang-Utan-Baby bescheren. Mit 14 Jahren gilt der Menschenaffe als geschlechtsreif, und ein zur Verpaarung geeignetes Weibchen hat der zuständige Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms ja längst auserkoren: Es heißt Dayang, ist zwölf Jahre alt und wird voraussichtlich im späten Frühjahr aus dem niederländischen Zoo Apeldoorn dazustoßen. Momentan darf es dort noch die Aufzucht eines anderen Jungtiers in ihrer Gruppe miterleben. „Eine sehr wertvolle Erfahrung“, wie Böer betont.

Nur alle paar Jahre ein Junges

Denn mit der Vermehrung bei Orang-Utans ist das so eine Sache. In der Wildbahn, genauer gesagt auf den Inseln Sumatra und Borneo in Südostasien, klappt das fast überhaupt nicht mehr. Unter anderem, weil Orang-Utan-Weibchen grundsätzlich nur alle vier, fünf Jahre ein Junges zur Welt bringen können. Vor allem aber, weil der Mensch ohne Unterlass den Regenwald abholzt und den Primaten so ihren natürlichen Lebensraum nimmt. Folge: Auf Sumatra gibt es schätzungsweise nur noch 7000 Orangs, auf Borneo höchstens 35.000. Beide Arten gelten damit offiziell als vom Aussterben bedroht. „Wenn diese Entwicklung anhält, sind sie spätestens 2050 ausgerottet“, erklärt EEP-Koordinator Clemens Becker vom Zoo Karlsruhe.

Buschi und Astrid nicht zuchtfähig

Weltweit versuchen deshalb Zoos seit 30 Jahren, durch gezieltes Management ihrer Populationen dem Orang-Utan das Überleben zu sichern. Mit dem designierten Zuchtpaar Damai/Dayang kann sich der Zoo Osnabrück nun aktiv daran beteiligen – anders als mit seinen beiden Platzhirschen im Menschenaffenhaus, Buschi und Astrid. Er, 1971 am Schölerberg geboren und damit ein „Methusalem“ unter den Orang-Utans, taugt nämlich ebenso wenig zur arterhaltenden Fortpflanzung wie seine 35 Jahre alte Partnerin: Buschi ist ein sogenannter Hybride, also ein Mischling aus Borneo- und Sumatra-Orang –mit diesen Tieren darf im EEP nicht gezüchtet werden. Und Borneo-Weibchen Astrid wurde sterilisiert, bevor sie einst aus Antwerpen nach Osnabrück kam.

Astrid zweimal operiert

Wie am Freitag bekannt wurde, erfreut sich die betagte Orang-Utan-Dame darüber hinaus auch nicht mehr allerbester Gesundheit. Im Mai 2017 sei ihr ein Tumor entfernt worden, der faustgroß auf einem der Eierstöcke saß und bösartig hätte werden können, erklärte Zoodirektor Böer. Seither neige sie zu Bauchwassersucht. Im Spätsommer habe Astrid dann ein weiteres Mal unter Vollnarkose operiert werden müssen, weil sich ihr Kehlsack entzündet hatte – ein Organ, mit dem die Menschenaffen ihre typischen, mitunter kilometerweit hörbaren Rufe erzeugen. „Im Moment geht es ihr soweit gut, sie frisst gut und ist sehr aufmerksam. Allerdings ist sie konditionell nicht auf der Höhe und kommt schnell aus der Puste“, so Böer weiter. Was sich unter anderem in einigen, recht ungestüm verlaufenen Begegnungen mit Damai gezeigt habe.

Wissenschaftler beteiligt

Die Eingewöhnung des Zuchtmännchens wird derweil kontrolliert fortgesetzt. Wissenschaftler der Universitäten Osnabrück und Berlin beobachten permanent, wie sich die einzelnen Tiere verhalten. Außerdem messen sie regelmäßig die psychische Belastung der Orang-Utans, indem sie Kotproben auf das Stresshormon Cortisol hin analysieren.


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