Ironisches Infragestellen Weißrussischer Fotograf zeigt Ausstellung am Markt

Von Tom Bullmann

Beunruhigend? Andrei Liankevich zeigt andere Seiten von Belarus. Foto: Jörn MartensBeunruhigend? Andrei Liankevich zeigt andere Seiten von Belarus. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. „Goodbye, Motherland“ heißt die Ausstellung mit Fotografien des Weißrussen Andrei Liankevich, die zurzeit im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum gezeigt wird.

Ein paradoxes Foto: Ein Frau geht selbstbewusst mit einer Fahne der UdSSR über einen menschenleeren, nebelverhangenen Platz. Im vergangenen Jahr erst schwenkte die Frau in Weißrussland ihre Flagge zum Jahrestag der bolschewistischen Revolution. Viele Sympathisanten schien sie nicht gehabt zu haben. Die Fotografie, die Andrei Liankevich von dem stolz schreitenden Fan des Sowjetsozialismus machte, ist umso denkwürdiger. Sie vermittelt geschichtliche Inhalte, Emotionen und ermöglicht einen Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse in Belarus.

Das Foto ist Teil der Ausstellung „Goodbye, Motherland“ mit Arbeiten des Weißrussen Andrei Liankevich, die zurzeit im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum gezeigt wird. „Der Fotograf ist persönlich von Minsk nach Osnabrück gefahren, um die Fotos aufzuhängen“, erklärte der Historiker Swen Steinberg von der TU Dresden anlässlich der Eröffnung der Schau. Er verwies auf die geschichtliche Bedeutung Weißrusslands als Zentrum des internationalen Judentums, das von den Nazis vernichtet wurde – was sich thematisch in der Ausstellung bemerkbar macht.  

Liankevich schlägt mit seinen Fotografien aber auch einen Bogen zu autokratischen Staaten der Gegenwart, zu gesellschaftlichen Fehlentwicklungen und beunruhigenden Betätigungen, denen sich Menschen in seiner Heimat hingeben. So stellt er das Porträt eines Soldaten in deutscher Wehrmachtsuniform demselben in sowjetischer Uniform gegenüber. Fragen Menschen nach Gut und Böse, die in der Republik Belarus Schlachten des zweiten Weltkriegs nachstellen? Mit ironischer Überhöhung und Brechung konfrontiert die Ausstellung mit wichtigen Themen besonders junge Besucher, die wie Liankevich die Weltkriege nicht selbst erlebt haben.


Erich Maria Remarque-Friedenszentrum (Markt 6): „Goodbye, Motherland“, Ausstellung mit Fotografien von Liankevich. Bis 8. April, Di.-Fr. 10-13 Uhr und 15-17 Uhr, Sa. und So. 11-17 Uhr.