Improvisationskanone Stand-Up-Comedian Maxi Gstettenbauer gastiert im Rosenhof

Von Tom Bullmann

Schlagfertig kontert Maxi Gstettenbauer Bemerkungen aus dem Publikum und Gefühlsäußerungen von Zuschauern. Foto: Gert WestdörpSchlagfertig kontert Maxi Gstettenbauer Bemerkungen aus dem Publikum und Gefühlsäußerungen von Zuschauern. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Maxi Gstettenbauer präsentierte im gut besuchten Rosenhof mit „Lieber Maxi als normal“ sein drittes Stand-Up-Comedy-Programm.

Der Comedian, der sich gerade noch über Hassbotschaften im Internet aufgeregt hat, unterbricht sich selbst: „Hast du etwa gerade gegähnt“ fragt er eine Frau im Publikum. Als diese ihm antwortet, entgleiten dem Mann im Scheinwerferlicht die Gesichtszüge: „Hast du mich jetzt auch noch gesiezt?“ Pause. „Hast Du tatsächlich Sie zu mir gesagt?“ entrüstet er sich. Offenbar hält der Unterhaltungskünstler diese Form der Ansprache für eine Beleidigung. Als sei die 21 Jahre alte Zuschauerin der Meinung, er sei mit seinen 29 Jahren ein Greis. Die etwas einseitige Unterhaltung beweist, psychologisch betrachtet, dass Maxi Gstettenbauer dort auf der Bühne ein Problem mit dem Älterwerden hat. Und mit dem „Sie“ als Form der Respekterweisung.

Aber Spaß beiseite. Der Niederbayer mit Wohnsitz in Köln beherrscht die Kunst der Improvisation. Schlagfertig kontert er Bemerkungen aus dem Publikum und Gefühlsäußerungen von Zuschauern. Und eines ist sicher: Maxi wird erwachsen. Während sich seine Stand-Up-Comedy am Anfang seiner Karriere überwiegend um Internet, mobile Kommunikation und soziale Netzwerke drehte, erweitert er jetzt gekonnt seinen Horizont – und den seines Publikums. Ernährung, Gesundheit, Beziehungsgeschichten, Trends und manchmal sogar ein bisschen Weltpolitik machen sein Programm jetzt noch amüsanter und unterhaltsamer als beispielsweise 2014. Damals trat er noch im Spitzboden der Lagerhalle im kleinen Rahmen auf. Der Rosenhof ist jetzt mit über 250 Zuschauern gut gefüllt und das Publikum amüsiert sich köstlich über die Geschichte von den Mann, den Gstettenbauer in einer Einkaufspassage beobachtet hat. „Komm mal her, dann mache ich ein Selfie von dir“, habe dieser zur Freundin gesagt. Sein eigenes Lachen, das er der Pointe folgen lässt, wirkt ansteckend und provoziert eine wahre Lachsalve im Zuschauerraum.

Politikern wirft er vor, die neue, moderne Welt entweder zu verschlafen oder gar zu verhindern. Und schon bald outet er sich als Freund von Hausschuhen und Mittagsschläfchen. Man glaubt es ihm glatt. „Meine Abende gestalten sich immer anders“, erzählt der Comedian, nachdem alle Gäste den Rosenhof verlassen haben. Er habe zwar ein grobes Gerüst für den Abend, doch er setzte gern auf Spontaneität. Allerdings ist das natürlich mit gewissen Gefahren verbunden. Im Rosenhof verliert er durch die Konversation mit der gähnenden Frau den Faden. So intensiv hat er sich auf das Thema „Siezen oder Duzen“ eingelassen, dass er sich bald fragt: „Wo bin ich stehen geblieben?“ Ein Ruf aus dem Saal hilf ihm auf die Sprünge: „Hasswurst“ gibt ihm das Stichwort. Vor dem Gähn-Intermezzo hatte er die Menschen auf´s Korn genommen, die einen Dokumentarfilm über Pinguine zum Anlass für hunderte Hasskommentare nahmen. Einer hatte seinen Sermon unter dem Namen „Hasswurst“ abgeschickt. Ausgesprochen verwunderlich.