Erpressung, Entführung, Prügel, Waffen Prozess gegen United Tribuns Osnabrück startet vermutlich Ende April

Von Jörg Sanders

Der Prozess gegen sieben Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns Osnabrück rückt näher. Archivfoto: Gert WestdörpDer Prozess gegen sieben Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns Osnabrück rückt näher. Archivfoto: Gert Westdörp

Osnabrück. Schutzgelderpressung, Entführung, Prügel, unerlaubter Waffenbesitz: Der Prozess gegen sieben Mitglieder der inzwischen aufgelösten rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns Osnabrück soll bald starten.

„Die 15. Strafkammer wird in Kürze über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden“, bestätigte ein Sprecher des Gerichts auf Anfrage unserer Redaktion. Sollte die Kammer das Verfahren eröffnen, werde die Hauptverhandlung vermutlich Ende April beginnen.

Die Liste der Taten, die ihnen die Staatsanwaltschaft vorwirft, ist lang und liegen inzwischen lange zurück. Zwei Anklagen wurden zusammengelegt und werden zusammen verhandelt.

Fall eins, April 2015: Im April 2015 sollen mehrere Männer einen damals 30-Jährigen entführt, erpresst und mit Händen, Füßen und Schlagstock malträtiert haben, weil er angeblich Schulden bei den UT gehabt habe. Zwei Tribuns will die Staatsanwaltschaft als mutmaßliche Täter identifiziert haben, drei blieben unbekannt. Es kam zu Verhaftungen und Durchsuchungen, bei denen die Polizei unter anderem Schusswaffen bei den Tribuns fand. Die Anklage: schwere räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, erpresserischer Menschenraub,

Fall zwei, November 2014: Der zweite Vorfall ereignete sich im November 2014. In diesem Fall sind insgesamt sieben Mitglieder der Tribuns angeklagt, erneut wegen schwerer räuberischer Erpressung und zwei Männer wegen Verstößen gegen das Waffengesetz. Die sieben Tribuns sollen im November 2014 von einem Osnabrücker Kleinunternehmer Schutzgeld erpresst haben. 15.000 Euro hatten sie gefordert. Drei maskierte Männer traten einen Mitarbeiter des Unternehmers zusammen, um der Geldforderung Nachdruck zu verleihen. Aus Angst floh der Kleinunternehmer für zwei Monate in die Türkei. Nach seiner Rückkehr sollen die Tribuns erneut 15.000 Euro gefordert haben. 1500 Euro zahlte der Kleinunternehmer – und erstattete Anzeige. Bei Durchsuchungen fand die Polizei auch diesmal Schusswaffen.

Zwei der sieben Angeklagten sollen zudem die beiden mutmaßlichen Täter des späteren Falls im April 2015 sein.

Viele Verfahren vorgezogen

Die insgesamt sieben Angeklagten müssen sich direkt vor dem Landgericht verantworten und nicht vor dem Amtsgericht. Das Landgericht ist zuständig, wenn ein Strafmaß von mindestens vier Jahren zu erwarten ist sowie bei Fällen von besonderer Bedeutung.

Die lange Dauer bis zur Verhandlung ist mit der Auslastung des Gerichts zu erklären. Priorität haben Haftsachen: Sitzt ein Angeklagter in Untersuchungshaft, muss das Gericht binnen sechs Monaten verhandeln. Einige Mitglieder der Tribuns hatten nur kurzzeitig in U-Haft gesessen.

United Tribuns aufgelöst

Seit 2014 gab es die United Tribuns in Osnabrück, mehrmals ging die Polizei seither gegen sie mit Razzien, Festnahmen und Verhaftungen vor.

Der Polizei zufolge lösten sie sich die Tribuns im Sommer vergangenen Jahres auf. Ihr Klubhaus an der Mindener Straße existiert schon lange nicht mehr. Die Polizei habe keine Erkenntnisse, dass aus ihnen eine neue Gruppierung dieser Art hervorging.