Immer wieder quietschen Reifen Miquelstraße: Autofahrer tun sich schwer mit rechts vor links

Von Rainer Lahmann-Lammert

Der Radler von rechts hat Vorfahrt. Aber die neue Regelung an der Miquelstraße ist vielen Verkehrsteilnehmern noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen.  Foto: Lahmann-LammertDer Radler von rechts hat Vorfahrt. Aber die neue Regelung an der Miquelstraße ist vielen Verkehrsteilnehmern noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Foto: Lahmann-Lammert

Osnabrück. Rechts vor links – so wollten es die Anwohner der Miquelstraße, um den Durchgangsverkehr zu zügeln. Auf rechts vor links ließ sich die Stadt ein. Aber nach dem Straßenumbau kommt es jetzt zu Irritationen und Beinahe-Unfällen. Und angeblich wird sogar schneller gefahren als vorher.

Wenn Reifen quietschen, weiß Felix Homann schon Bescheid. Denn dann ist wieder mal einem Autofahrer entgangen, dass die Vorfahrt am Riedenbach geändert wurde. Der Diplom-Physiker und Wissenschaftsentertainer wohnt gegenüber der Einmündung, und er erzählt, dass er es sehr häufig quietschen höre. Am Freitag vor einer Woche kam es dann zum ersten Unfall – „erwartungsgemäß“, wie er vermerkt.

Eine Autofahrerin, die auf der Miquelstraße in Richtung Meller Straße unterwegs war, hatte sich irrtümlich für vorfahrtberechtigt gehalten. Zum Glück nur ein kleiner Blechschaden, nichts Schmerzhaftes. Ein paar Minuten später kam die Polizeistreife – und nahm, wie Homann berichtet, einer Radfahrerin vom Riedenbach die Vorfahrt. Mit „fassungslosem Kopfschütteln“ habe die Frau ihre Fahrt fortgesetzt.

Schilder verschwanden

Zwischenzeitlich hatte wohl auch die Stadtverwaltung Kenntnis von den Tücken der Kreuzung bekommen, und vorübergehend wurden die Autofahrer mit provisorischen Warnschildern auf die veränderte Vorfahrtregelung hingewiesen. Doch die Schilder erwiesen sich nicht als sturmsicher. Sie wehten um, wurden aber nicht wieder aufgestellt, sondern verschwanden kurzerhand von der Bildfläche.

Verwirrung stiftet nicht nur die von den Anwohnern gewollte Rechts-vor-links-Neuerung, die mit dem gelben Wartebalken noch etwas behelfsmäßig nach Baustelle aussieht. Auf völliges Unverständnis stößt der nach den Worten von Steffen Tuschling „seltsam gepflasterte Mittelstreifen“, der vielleicht noch als gestalterische Reminiszenz an den ursprünglich favorisierten Kreisverkehr übrig geblieben ist.

Manchmal parkten auf der Pflasterfläche Autos, berichtet der Pastor, der seit vier Jahren Anwohner am Riedenbach ist. Zum Parken lade auch der Seitenstreifen ein. Mit dem Ergebnis, dass sogar die beiden Fußgängerüberwege häufig von abgestellten Fahrzeugen blockiert würden. Da habe die Stadt „halbe Sachen“ gemacht.

Tempo 30? Kaum erkennbar

Auch an der Fahrbahn lassen die beiden Nachbarn kein gutes Haar. Nach der Umgestaltung werde deutlich schneller gefahren als früher. In den Abendstunden oder nachts lieferten sich junge Autofahrer von der Bleifußfraktion regelrechte Rennen, bei denen auch schon mal auf dem Mittelstreifen überholt werde – trotz Tempo 30 und Rechts-vor-links-Regelung. Von der Tempo-30-Zone, meint Felix Homann, sei ohnehin kaum noch etwas zu spüren. Denn die Straße erscheine jetzt weniger schmal als vor dem Umbau und verleite zu schnellerer Fahrt.

Die Polizei hat bislang keine Hinweise, dass sich die Gefährdungslage an der Miquelstraße verschlechtert habe. Pressesprecherin Anke Hamker berichtet, dass der Polizei seit November nur ein Unfall gemeldet worden sei. Und den habe die herbeigerufene Streife nicht einmal aufnehmen müssen, weil sich die Kontrahenten geeinigt hätten.

Noch kein abschließendes Statement kommt aus der Stadtverwaltung. Norbert Obermeyer, der Leiter des Fachdienstes Straßenverkehr, will sich am Dienstag gemeinsam mit anderen Fachleuten ein Bild von der Situation an der Miquelstraße machen. Aber so viel ist für ihn eigentlich schon klar: „Die Vorfahrtregelung müsste jetzt eindeutig sein“. Wenn es mal wieder quietscht, hat es wohl nicht an fehlender Klarheit gelegen. Sondern an der Macht der Gewohnheit.