Umbau soll im Sommer starten Wie geht es jetzt am Osnabrücker Neumarkt weiter?

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Freitag, 10 Uhr: Die Sperrschilder werden abgebaut. Der Neumarkt in Osnabrück für den Autoverkehr wieder geöffnet. Foto: Gert WestdörpFreitag, 10 Uhr: Die Sperrschilder werden abgebaut. Der Neumarkt in Osnabrück für den Autoverkehr wieder geöffnet. Foto: Gert Westdörp 

Osnabrück. Die gerichtlich verfügte Freigabe des Osnabrücker Neumarktes für den Autoverkehr platzt in die Planungen für den Umbau des Platzes. Im Sommer soll die Neugestaltung beginnen. Die Frage ist: Wie denn jetzt?

Einigkeit herrscht in der Politik, dass auf dem Neumarkt so schnell wie möglich etwas passieren muss. Die Parteien wissen, dass die Geduld der Bürger nach Jahren des Stillstands, des Streits und der rechtlichen Auseinandersetzungen überstrapaziert ist. Doch die Ausgangslage ist nach dem jüngsten Beschluss des Oberverwaltungsgerichts noch komplizierter geworden. Ein neuer Neumarkt mit Fahrstreifen für Autos? Und was ist, wenn die Gerichte in ein paar Jahren alles wieder rückgängig machen?

Was ist auf dem Neumarkt geplant?

Das Büro „Lützow 7“ aus Berlin gewann 2013 den Realisierungswettbewerb für den Neumarkt. Der Entwurf sieht eine barrierefreie Fläche mit Betonstreifen in hellen und dunklen Grautönen vor, die den ganzen Platz als Einheit wahrnehmbar machen sollen. Auf Bordsteine wird verzichtet, nur an den Bussteigen in der Johannisstraße sowie vor dem geplanten Einkaufszentrum sind sie nötig. Vor dem Landgericht sollen Wasserspiele und auf der Sonnenseite Baumreihen eine angenehme Atmosphäre schaffen. Der Entwurf von Lützow 7 lässt sowohl einen autofreien als auch einen von Autos befahrenen Platz zu*. Acht Millionen Euro hat die Stadt bis 2021 für die Neugestaltung eingeplant. Aus dem Verkauf des so genannten Bauloses 2, das ist die Fläche vor dem Neumarkt-Carrée (H&M), erwartet die Stadt laut Haushaltsplan 2,2 Millionen Euro, die in den Platzumbau gesteckt werden sollen.

Platzgestaltung mit Fahrspuren für Autos?

Über diese Frage gerieten Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) und die Vertreter der Regenbogen-Mehrheit in der jüngsten Sitzung des Stadtrates in Streit. Am 30. Mai 2017, als der Rat mit den Stimmen von SPD, Grünen, FDP, Linken und UWG/Piraten die Sperrung für den motorisierten Individualverkehr (MIV) beschloss, setzte diese Regenbogen-Mehrheit zugleich durch: Bei der Platzgestaltung seien „die Planungen [. . .] so anzulegen, dass eine Mitnutzung durch den MIV nicht möglich oder weitgehend ausgeschlossen ist.“ Nach dem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts (OVG), den Neumarkt bis zur endgültigen Klärung aller Rechtsfragen für den Autoverkehr freizugegeben, ist Griesert der Überzeugung, dass der Rat diesen alten Beschluss aufheben muss, damit die Verwaltung sicher planen und die Ausschreibungen herausgegeben kann. Griesert stieß im Rat bei der Regenbogen-Mehrheit auf taube Ohren. Die beschloss stattdessen: Bei der Planung sei darauf zu achten, dass alles später ohne viel Geld geändert werden kann und ein reibungslos funktionierender Busverkehr sowie ein „den Sicherheitsbedürfnissen gerecht werdender Radverkehr mit entsprechender Spurbreite“ gesichert sind. Griesert insistierte, für all das sei auf dem neuen Neumarkt kein Platz, die Umsetzung dieser Vorgaben schlicht unmöglich. Die Regenbogen-Mehrheit ließ sich davon nicht beeindrucken.

Die Ausschreibungen sind angehalten. Die Planer müssen nach dem jüngsten Ratsbeschluss eine komplexe Aufgabe lösen: Den Neumarkt nach den Entwürfen von „Lützow 7“ atmosphärisch schön gestalten, zugleich je einen Fahrstreifen pro Richtung für Autos und Radfahrer schaffen, den Busverkehr reibungslos über den Platz leiten und Fußgängern höchste Sicherheit bieten. Ob diese Quadratur des Neumarktkreises bis zum geplanten Baubeginn im Spätsommer gelingt, ist höchst fraglich.

Was ist mit den anderen Bauprojekten?

Erschwerend kommt hinzu, dass in diesem Jahr zwei private Baustellen am Neumarkt eröffnet werden sollen. Immobilienkaufmann Theodor Bergmann will vor dem Neumarkt-Carrée ein Geschäftshaus errichten und das Eckhaus Öwer de Hase (früher Sportarena) abreißen lassen. Es läuft also darauf hinaus, dass drei Baustellen – die beiden Gebäude und der Platzumbau – koordiniert werden müssen. Unklar ist, ob auch der Centerinvestor Unibail Rodamco in diesem Jahr den Abrissbagger schickt. Denkbar wäre das, falls der Rechtsstreit über den Bebauungsplan Ende Februar endgültig beigelegt wird und der Investor an dem Einkaufszentrum tatsächlich festhält. Dann ist er vertraglich gezwungen, dieses Jahr noch tätig zu werden.

Kann es sein, dass der Neumarkt wieder gesperrt wird?

Der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts ist unanfechtbar. Der Neumarkt muss für Autos offen bleiben, bis in der Hauptsache über die Klagen von vier Wallanwohnern gegen die Sperrung entschieden ist, was einige Jahre dauern kann. Aber: Möglich wäre, dass der Stadtrat aufgrund der Komplexität des Neumarkt-Umbaus und der weiteren Baustellen zu der Erkenntnis kommt, dass der Platz baustellenbedingt gesperrt werden muss. Das gab es schon mal, als der Tunnel abgerissen wurde.

Unsere Prognose

Die Autofahrer bekommen den Neumarkt zurück, ansonsten bleibt der Platz in diesem Jahr unberührt. Der Centerentwickler stellt einen Bauantrag, um seiner vertraglichen Verpflichtung nachzukommen. Nur auf den Bauplätzen „Sportarena“ und „Baulos 2“ stehen die Chancen gut, dass sich bis Ende des Jahres etwas bewegt.

*In einer früheren Version des Artikels haben wir geschrieben, dass der Entwurf des Büros Lützow 7 keine Autofahrspuren vorsieht. Wir haben den Text an dieser Stelle korrigiert.


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