Zivilprozess vor Landgericht Osnabrück Schulden nicht gezahlt: Mario Basler – Opfer oder Täter?

Von Meike Baars

Ist Mario Basler von seinem ehemaligen Rechtsanwalt hintergangen worden? Das behauptete der Ex-Fußballer vor dem Landgericht Osnabrück. Foto: David EbenerIst Mario Basler von seinem ehemaligen Rechtsanwalt hintergangen worden? Das behauptete der Ex-Fußballer vor dem Landgericht Osnabrück. Foto: David Ebener

Osnabrück. Ist der Ex-Nationalspieler und Fußballtrainer Mario Basler von seinem früheren Anwalt übers Ohr gehauen worden? Zumindest hat ihn eine Immobilienfirma aus Eltville am Rhein verklagt, der er 150.000 Euro schulden soll. Am Donnerstag wurde der Fall vor der Zivilkammer des Landgerichts Osnabrück verhandelt. Hintergrund ist ein Anlagemodell, auf das Basler hereingefallen sein soll.

2012 soll Basler ein Darlehen von 150.000 Euro bei der Immobilienfirma in Eltville bei Mainz aufgenommen haben, um das Geld wiederum in ein riskantes Geschäftsmodell zu investieren. Der ehemalige Fußballprofi behauptete vor Gericht, von seinem damaligen Rechtsanwalt und Berater hintergangen worden zu sein, der den Darlehensvertrag mit der Immobilienfirma ohne sein Wissen abgeschlossen habe. Der Berliner Rechtsanwalt, der als Zeuge vor Gericht geladen war, macht das Gegenteil geltend: Er habe im Auftrag von Basler gehandelt.

Kompliziertes Geflecht verschiedener Firmen

Mit dem vermeintlich ertragreichen Geschäft, in das Basler auf Anraten seines Rechtsanwalts investierte, erlitt der Ex-Fußballer jedenfalls Schiffbruch. Die eingezahlte Summe sah er nicht wieder, eine in Aussicht gestellte Provision wurde nie ausgezahlt. Das Modell, dem Basler aufsaß, basiert auf einem komplizierten Geflecht aus verschiedenen Firmen und privaten Geldgebern, die mit ihren Darlehen wiederum weitere Darlehen in noch höherer Summe ermöglichen sollten.

Insgesamt soll Basler einer Berliner Investmentfirma, die Geld in Windkraftanlagen und Immobilien anlegt, sogar 300.000 Euro zur Verfügung gestellt haben, wie ein entsprechender Vertrag nahelegt, der dem Gericht vorliegt. Basler bestreitet jedoch, gewusst zu haben, dass es um diese Summe ging. Er selbst habe das Geld nicht aufbringen können und das seinem Rechtsanwalt mitgeteilt, der das Investment vorgeschlagen hatte. 150.000 Euro lieh sich Basler daraufhin von einer Bekannten aus Osnabrück, wie er vor Gericht bestätigte.

Mahnschreiben samt Zahlungsforderung

Weitere 150.000 Euro sollten aus dem Darlehen bei der Immobilienfirma in Eltville kommen, die als Klägerin vor dem Landgericht auftrat. Basler bestreitet jedoch, Kenntnis von dem Darlehensvertrag gehabt zu haben. Auch habe er dem Berliner Rechtsanwalt keine Vollmacht ausgestellt, einen solchen Vertrag an seiner statt unterzeichnen zu dürfen. Von dem Darlehen habe er erst erfahren, als ein Mahnschreiben samt Zahlungsforderung bei ihm eingegangen sei. Der Anwalt wiederum behauptet, dass Basler die Darlehensvollmacht wissentlich unterschrieben habe.

Basler erschien selbst vor dem Osnabrücker Gericht, um seine Sichtweise darzulegen. Auf die Frage, ob er seinen Anwalt beauftragt habe, einen Darlehensvertrag abzuschließen, sagte Basler „Nein“. Die Vollmacht trage seine Unterschrift. Er habe aber nicht gewusst, dass es sich um eine Vollmacht für einen Darlehensvertrag in seinem Namen handelte. „Ich kenne mich mit sowas ja überhaupt nicht aus“, sagte der Ex-Fußballer zu dem Risikogeschäft, von dem er sich mehr als 100 Prozent Gewinn versprochen hatte. Das investierte Geld und „die Provision“ sollten Basler bereits nach zwei bis drei Wochen zugehen, habe es geheißen.

Bei dem aktuellen Zivilprozess vor dem Osnabrücker Landgericht handelt es sich zunächst um eine Teilklage. Die Immobilienfirma lässt lediglich um 7.500 Euro statt um die volle Summe von 150.000 verhandeln. So trägt sie ein geringeres finanzielles Risiko, wenn sie mit der Klage scheitert.

Beide Seiten kündigten an, ihre Forderungen gegen den Berliner Rechtsanwalt geltend machen zu wollen, wenn sie den Rechtsstreit verlieren sollten. „Meiner Einschätzung nach ist völlig offen, wie der Prozess ausgeht“, sagte der Kölner Anwalt Klaus Weber unserer Redaktion, der Mario Basler in dem Fall vertritt. Für den 9. März setzte der Richter einen Verkündungstermin fest.


Mario Basler spielte als Profi-Fußballer unter anderem für den 1. FC Kaiserslautern, Werder Bremen und FC Bayern München und war mit seinen Teams unter anderem zweimal Deutscher Meister und DFB-Pokal-Sieger. 1996 gehörte er zum Kader der Nationalmannschaft, als sie Europameister wurde. Basler selbst hatte jedoch verletzungsbedingt frühzeitig abreisen müssen.

Nach dem Ende seiner Spielerkarriere übernahm Basler Posten als Trainer und Funktionär und wurde unter anderem von Jahn Regensburg, Wacker Burghausen, Rot-Weiß Oberhausen und Lokomotive Leipzig engagiert. Zuletzt hatte Basler den fünftklassigen Oberligisten Rot-Weiss Frankfurt trainiert. Die Zusammenarbeit wurde im Dezember 2017 beendet.

Nebenbei tauchte Basler in den vergangenen Jahren in verschiedenen Fernsehsendungen auf. Mit seiner damaligen Lebensgefährtin Doris Büld aus Osnabrück nahm er 2015 an der RTL-Tanzshow „Stepping Out“ teil. 2016 war er in der vierten Staffel von „Promi Big Brother“ zu sehen.