Trend zum Privat-Event WM-Rudelgucken auf dem Osnabrücker Ledenhof?

Von Wilfried Hinrichs


Osnabrück. Zum Auftakt der Fußball-Weltmeisterschaft könnte es ein Public Viewing auf dem Osnabrücker Ledenhof geben. Ein Münchner Veranstalter will vom 14. bis 17. Juni mit einer mobilen Leinwand in Osnabrück Station machen.

Das bestätigte Markus Wallney, Chef der Marketing- und Werbeagentur Space in München, auf Anfrage unserer Redaktion. Die Stadt prüft zurzeit seinen Antrag, den Ledenhof am ersten WM-Wochenende fürs Rudelgucken zu nutzen.

Public Viewing ist ein Standbein der Münchner Agentur, die während der Weltmeisterschaft mit 20 Leinwand-Trucks in Deutschland unterwegs ist. Auf einer 20 Quadratmeter großen LED-Wand sollen alle Spiele des Auftaktwochenendes gezeigt werden, vom Eröffnungsspiel Russland gegen Saudi-Arabien (Donnerstag, 14. Juni, 17 Uhr) bis zum ersten Spiel der deutschen Mannschaft gegen Mexiko am Sonntag, 17. Juni, 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Der Ledenhof soll an diesen vier Tagen zu einem Fußball-Themenpark mit Torwandschießen und Kickerturnieren werden, wie Wallney erklärt. Von Osnabrück will das Space-Team nach Hamm weiterziehen, dann folgt als nächste Station Hannover. Das Event trägt sich durch Gastro- und Werbeeinnahmen.

Kein Rudelgucken auf dem Markt

Unklar ist noch, ob die Stadt dem Fußballfest zustimmt. Grundsätzlich gibt es eine Neigung in der Politik, Public Viewing auf öffentlichen Plätzen zu erlauben.

Als sich vor zwei Jahren die Blicke der Fußball-Nation auf die Europameisterschaft in Frankreich richteten, beauftragte der Rat auf Vorschlag der CDU die Verwaltung, die Rahmenbedingungen für ein Public Viewing vor dem Rathaus zu schaffen. Aber: Im Interessenbekundungsverfahren der Stadt meldete sich kein Bewerber für die Europameisterschaft. Die Gründe: Die Vorbereitungszeit war für Veranstalter zu knapp, das finanzielle Risiko zu groß, das Fußball-Fest wäre anderen Veranstaltungen in die Quere gekommen – und das Interesse am großen Public Viewing scheint zu schwinden.

Private Fußballrunden

Vor diesem Hintergrund wird es zur Weltmeisterschaft vom 14. Juni bis 15. Juli in Russland keinen Fußball-TV-Spaß auf dem Markt geben. In einer Vorlage für den Rat äußerten der Fachbereich Bürger und Ordnung und das Stadtmarketing im vergangenen Jahr Zweifel am Bedarf für ein zentrales, wiederkehrendes Public Viewing, da es dieses Angebot bereits in vielen Lokalen in der Stadt und der Region gebe. Würde der Markt dafür reserviert, müssten andere Veranstaltungen wie Weinfeste und kulinarische Events abgesagt werden. Das würde dann in den fußballfreien Sommern Lücken reißen. Sandra Solf, Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung, weist in einer Stellungnahme für die Ratsfraktionen auch auf das hohe finanzielle Risiko für etwaige Veranstalter hin. Der wirtschaftliche Erfolg eines Public Viewings sei stark vom Wetter und dem Abschneiden der deutschen Mannschaft abhängig.

Risikofaktor Wetter

Das bekam auch mancher Veranstalter während der Europameisterschaft vor zwei Jahren zu spüren. In der Vorrunde litt das öffentliche Rudelgucken etwa im Außenbereich des „Anyway“ oder am „Büdchen“ auf dem Westerberg unter dem Dauerregen. Wer den Gästen ein Dach über dem Kopf anbieten konnte, war besser dran. Dass Jogis Jungs damals im Halbfinale gegen Frankreich (0:2) ausschieden, riss ein weiteres Loch in die Etatplanung mancher Wirte.

Der Trend geht hin zum Fußball-Genuss in privater Runde. Das bestätigte auch der Geschäftsführer des Osnabrücker Alando Palais, Frederik Heede, am Ende der EM 2016. Die Stimmung und der Zulauf seien beim Halbfinale noch einmal wie in alten Zeiten gewesen sei. Aber: „Für die anderen Spiele hätten wir kein Public Viewing machen müssen.“ Die meisten Menschen hätten mittlerweile moderne, große Fernseher zu Hause und könnten die Spiele in gestochen scharfer Bildqualität sehen. „Es gibt einen Trend, gemeinsam mit Freunden zu gucken und den Grill anzuschmeißen.“

Die ersten Sommermärchen

Das erste Public Viewing in Osnabrück wurde am Ende der Weltmeisterschaft 2002 innerhalb weniger Tage auf die Beine gestellt. Als die Mannschaft des damaligen Bundestrainers Rudi Völler sich überraschend bis ins Finale durchschlängelte, huschte zum ersten Mal ein Hauch von Fußballmärchen durchs Land. Und auch in Osnabrück wurde der Ruf nach einem Event zum Finale laut. Die Stadt organisierte in den Tagen zwischen Halbfinale und Finale ein Rudelgucken vor dem Theater mit Großleinwand und Gastrobuden. 10000 Menschen, so die Angaben des Stadtmarketings, verfolgten gemeinsam das Finale gegen Brasilien.

Bei der Heim-WM 2006 begann die große Zeit des Public Viewings. Das größte veranstaltete das Alando Palais, das dazu eigens eine überdachte Arena auf dem Parkplatz errichtete. Traditionelle Fußball-Standorte sind seither auch das Büdchen auf dem Westerberg, das Anyway an der Martinistraße oder der Grüne Jäger.