Westfälische Brückenschläge IfM-Bigband-Abend im Blue Note mit Gästen aus Münster

Von Matthias Liedtke

Geballte Bläserkraft: 
              
              Die IfM-Big Band unter der Leitung von Stephan Schulze im Blue Note. Foto: Michael GründelGeballte Bläserkraft: Die IfM-Big Band unter der Leitung von Stephan Schulze im Blue Note. Foto: Michael Gründel

OSNABRÜCK. Mit einem jeweils facettenreichen Programm gestalteten die gastgebende IfM- und die WWU-Bigband aus Münster im Blue Note die dritte Auflage der Bigband Night der Hochschule.

Von einer „Erneuerung des Westfälischen Friedens“ durch die grenzüberschreitende Band-Freundschaft sprach IfM-Bigbandleiter Stephan Schulze. Dabei gelang der Brückenschlag nicht nur regional, sondern auch musikalisch. Denn beide Ensembles spannten abwechslungsreiche Bögen von Jazz-Klassikern bis hin zu modernen Stücken und wieder zurück. Ausschließlich traditionellen Jazz der alten Schule spielte aber zunächst Überraschungsgast Pluto Kemper mit seiner sechsköpfigen Dixieland-Formation. Vom flotten „China Boy“ aus den Zwanzigern über eine „New Orleans“-Ballade in Moll bis hin zum „Royal Garden Blues“ reichte das Aufwärmprogramm.

Beschwingte Zeitsprünge

Die Gastgeber starteten dann in den frühen Sechzigern mit einem von Ted Damon aus dem Knast heraus arrangierten „Our Delight“, um aber gleich wieder in die Entstehungszeit der Bigbands zurückzuspringen. Dabei geriet der von Luisa Bartel kraftvoll gesungene Ella Fitzgerald-Klassiker „A-Tisket, A-Tasket“ aus den Dreißigerjahren zu einem ersten Höhepunkt. Für den Sprung in die Gegenwart wurde das Tempo dann merklich gedrosselt in Gestalt des von Johann Reinders für das große Besteck re-arrangierten, sanft wogenden Walzers „A Child Is Born“.  Maximal zeitgenössisch kam im Anschluss das von der Münchner IfM-Gastdozentin und Komponistin Monika Roscher frisch geschriebene Stück „Failure in Wonderland“ daher. Spannungsreich schienen Rhythmusgruppe, Bläsersektionen und die beiden Sängerinnen eine Geschichte exakt solchen Titels zu erzählen. Carolin Schnabel besorgte mit einem beherzt gesungenen „L-O-V-E“, das der deutsche Starkomponist Bert Kämpfert ursprünglich für Nat King Cole arrangiert hatte, schließlich die Rückkehr zum konventionellen Swing.

Musikalische Zeitreise

Viel Raum für die einzelnen Solisten gewährte auch Bandleader Ansgar Elsner seiner WWU Bigband, die vor über 30 Jahren vom legendären Hamburger Jazztrompeter Bob Lanese gegründet worden war. Dabei beschlossen die Münsteraner ihren Gastauftritt so, wie sie ihn begonnen haben, nämlich mit einem schmissigen, von Sammy Nestico arrangierten Stück von Count Basie. Dazwischen nahmen sie das Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise. Der „Time Check“ aus den Sechzigerjahren vom amerikanischen Tenorsaxofonisten Don Menza, der unter anderem auch bei Max Greger gespielt hat, endete dabei mit einem furiosen Schlagzeugsolo, die Jazz-Ballade „Starfire“ des Tenorsaxofonisten Benny Golson glänzte mit einem Trompetensolo und das moderne Jamey Simmons-Stück „The Fire Within“ ebenso mit einem Altsaxofonsolo wie der kraftstrotzende Siebzigerjahre-Klassiker „Whiplash“ von Jazztrompeter Don Ellis, der als „Pionier der ungeraden Metren“ vorgestellt wurde. Ein ganz eigenes Kapitel der neuesten Jazz-Geschichte schlug eine spannungs- und energiegeladene Eigenkomposition des Bandpianisten Nicholas Steinbrink auf. Dem von Fritz Turn für die SWR Bigband arrangierten „Michelangelo“ vom eigentlich genrefremden Astor Piazolla fügte als Überraschungssolist Gastgeber Stephan Schulze einen Farbtupfer an der Bassposaune hinzu. Eine Wiederholung des Bigband-Doppelpacks im Zeichen des Westfälischen Friedens wollten weder er noch sein Kollege ausschließen – das nächste Mal vielleicht in Münster.