Historischer Ausstand 24-Stunden-Streik der IG Metall in Osnabrück

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Osnabrück . Der Tarifstreit der IG Metall spitzt sich zu. Zum ersten Mal wird in Osnabrück ein ganztätiger Warnstreik vollzogen. Betroffen ist das VW-Werk in Osnabrück. Die 2000 Streikenden versammelten sich am Morgen in der Halle Gartlage.

Stephan Soldanskis Ansage ist klar: Die Anwesenden schreiben Geschichte. Osnabrücks 1. Bevollmächtigter der IG Metall sagt, einen ganztätigen Streik habe es in der Hasestadt bisher noch nie gegeben. „Wir haben unser Streikziel zu 100 Prozent erreicht“ – bei VW Osnabrück ruhe die Arbeit vollständig mit Ausnahme des Notdienstes. „Ihr zeigt heute mehr Bewegung als die Arbeitgeber bundesweit.“

Arbeitgeber habe „den Lindner gemacht“

Seit 6 Uhr morgens wird gestreikt. Es sei dazu gekommen, da die Arbeitgeber einen Einigungsversuch am Samstag in Baden-Württemberg verhindert hätten, sagte Soldanski. Deshalb ruft die IG Metall bundesweit in rund 250 Betrieben die Beschäftigten zu 24-stündigen Warnstreiks auf. Sie fordert eine Entgelterhöhung von sechs Prozent für zwölf Monate und die Option, die Arbeitszeit vorübergehend zu reduzieren, um sich im Ernstfall um Kinder ohne Kitaplatz oder die Pflege Verwandter kümmern zu können. Anschließend soll das ursprüngliche Arbeitsverhältnis wieder in Vollzeit aufgenommen werden können. Dies soll, so der Wunsch der Gewerkschaft, als Ausgleich der verfallenden Arbeitsstunden vom Arbeitgeber bezuschusst werden.

Die Arbeitgeber bieten eine Erhöhung von 3,5 Prozent für 27 Monate und eine Erhöhung des Urlaubsgeldes. Letzteres soll aber nur für Arbeiter gelten, die 20 Jahre Betriebszugehörigkeit und davon zehn Jahre in Schichtarbeit aufweisen können.

„Das ist eine Respektlosigkeit“, sagt Christiane Benner. Die zweite Vorsitzende der IG Metall ist die Hauptrednerin der Veranstaltung in der Halle Gartlage. Die Gewerkschaft erkenne kein Entgegenkommen auf Arbeitgeberseite. Stattdessen habe sie „den Lindner gemacht“ und „die Verhandlungen scheitern lassen wollen“, führt sie aus. „Wir sind stinksauer.“

Einstweilige Verfügung gegen Streik beantragt

Gegen den 24-Stunden-Streik hatten die Arbeitgeber eine einstweilige Verfügung beantragt. Das Arbeitsgericht Krefeld habe dies jedoch abgewiesen. „Wenn ihr unser Streikrecht angreifen wollt, streiken wir erst recht“, lautet Benners Antwort darauf.

Die Halle Gartlage ist stilecht in IG-Metall-Rot verziert. In den vorderen Reihen wird zu Benners Rede applaudiert. Weiter hinten unterhalten sich die Streikenden miteinander, spielen Karten, essen Currywurst. Es herrscht Zeltfestcharakter. Die Halle ist gefüllt: Laut Soldanski seien 2000 Streikende anwesend, weitere 350 werden am Nachmittag erwartet, 70 sollen zur Nachtschicht kommen.

Am Donnerstag und Freitag werden in insgesamt 30 Betrieben 500.000 Streikende erwartet. Neben den Mitarbeitern von VW hat die Gewerkschaft am Freitag bei den Firmen Essex und Nexans in Bramsche aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.

Notfalls unbefristeter Streik

Benner betont, die IG Metall sei bereit, nach den Streiks die Verhandlungen fortzuführen. Kommen die Parteien auch dann zu keiner Einigung, will die Gewerkschaft ihren Arbeitskampf verschärfen und notfalls unbefristet streiken.

Arbeitgeber: Streik ist nicht zielführend

„Die Arbeitgeber sind nach wie vor an einer Lösung des Konflikts interessiert“, betont der Verhandlungsführer der Arbeitgeber Wolf van Lengerich in einer Pressemitteilung. Er sehe das Vorgehen der Gewerkschaft als unangenemessen und schädigend und habe dafür keinerlei Verständnis. „Es ist nicht zielführend, dass die IG Metall den Konflikt zuspitzt, statt weiter an Lösungsansätzen zu arbeiten – das ist schlicht verantwortungslos.“

Wegen der Streiks und der damit verbundenen Fertigungsausfälle müsse die Gewerkschaft mit Schadensersatzzahlungen rechnen. Zudem hat die regionale Bezirksgruppe von Niedersachsen Metall Klage gegen die Gewerkschaft eingereicht: Der geforderte Lohnausgleich bei Arbeitszeitverkürzung sei für bestimmte Beschäftigtengruppen diskriminierend und rechtswidrig.


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