Pöbeleien und Tätlichkeiten Eurobahn-Krise: Fahrgäste attackieren Zugpersonal

Von Sebastian Stricker

Ihre Wut über die schlechte Leistung der Eurobahn lassen manche Fahrgäste offenbar auch am Zugpersonal aus. Foto: Eurobahn/Christian KösterIhre Wut über die schlechte Leistung der Eurobahn lassen manche Fahrgäste offenbar auch am Zugpersonal aus. Foto: Eurobahn/Christian Köster

Osnabrück. Unter den großen Problemen der Eurobahn im Teutoburger-Wald-Netz leiden nicht nur die Fahrgäste. Auch Schaffner und Lokführer trifft es hart: Sie würden von ungehaltenen Kunden beschimpft, beleidigt und sogar körperlich angegriffen, berichten Mitarbeiter.

Seit der Streckenübernahme im Dezember 2017 macht die Eurobahn in der Region durch schlechte Leistungen von sich reden. Wegen massenhafter Zugausfälle, Verspätungen und fehlender Fahrgastinformation musste sich das Unternehmen aus Düsseldorf bereits öffentlich entschuldigen. Inzwischen droht ihm sogar die Kündigung. Zuletzt waren am Mittwochnachmittag sowie am vergangenen Freitag je drei Zugverbindungen zwischen Osnabrück und Münster ausgefallen.

Beschimpfungen und Beleidigungen

Der Ärger vieler Kunden bricht sich unterdessen nicht nur bei den offiziellen Beschwerdestellen Bahn. Ihre Wut über den unzuverlässigen Betreiber lassen Fahrgäste mitunter auch am Zugpersonal aus. „Wir kriegen die volle Breitseite ab“, klagt ein Eurobahn-Schaffner (Name der Redaktion bekannt), der besonders viel auf den Linien rund um Osnabrück unterwegs ist. Beschimpfungen und Beleidigungen seien zurzeit an der Tagesordnung. Selbst körperliche Angriffe gegen Kollegen habe es gegeben. „Das überschreitet sämtliche Grenzen.“ Manche Mitarbeiter würden sich aus Angst schon gar nicht mehr öffentlich in Eurobahn-Uniform zeigen wollen.

Leitstelle „überfordert“

Die anhaltenden Probleme der Eurobahn im Teutoburger-Wald-Netz bezeichnete der Mitarbeiter als „überwiegend hausgemacht“. Schwierigkeiten bereite dem Unternehmen nicht nur die technische Unzulänglichkeit vieler Fahrzeuge sowie der rechtzeitige Aufbau einer hinreichend großen Zahl an Triebwagenführern. Auch die Leitstelle in Hamm scheine mit der Koordinierung des laufenden Betriebs „völlig überfordert“. (Weiterlesen: Eurobahn „bereit“ für Teutoburger-Wald-Netz)

Das Teutoburger-Wald-Netz besteht aus den fünf Linien RB 61, RB 65, RB 66, RB 72 und RE 78. Neu ist die Verlängerung der Verbindung Bielefeld–Osnabrück–Bad Bentheim bis nach Hengelo. Grafik: NOZ/Stefan Langer/Eurobahn

Welche Konsequenzen die mangelhafte Vertragserfüllung für die Eurobahn hat, entscheidet sich nächste Woche. Am 7. Februar findet in Unna eine Krisensitzung beim Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) statt. Dann muss sich die Eurobahn gegenüber dem politischen Aufsichtsgremium erklären.