NOZ-Monatsrückblick Sturm, Neumarkt und Maidorf – der Januar 2018 in Osnabrück

Von Frank Riehemann


Osnabrück. Die Sperrung des Neumarkts muss wieder aufgehoben werden, das Maidorf steht auf der Kippe und die Schullandschaft steht vor großen Veränderungen. Im Januar 2018 wird in Osnabrück einiges durcheinandergewirbelt – und das liegt nicht nur am Sturmtief Friederike. Mehr zu diesen und anderen Schlagzeilen des Monats in unserem Monatsrückblick für Osnabrück und Umgebung.

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg fegt die Neumarkt-Sperrung vom Tisch. Die Stadt hatte den Neumarkt im Oktober 2017 zur autofreien Zone erklärt, obwohl über die Klagen mehrerer Hausbesitzer und Anwohner des Walls, die eine Zunahme des Verkehrs vor ihrer Haustür befürchten, noch nicht entschieden ist. Das war unrecht und voreilig, so die Oberverwaltungsrichter. Der Neumarkt muss so lange für den Autoverkehr frei bleiben, bis die Gerichte endgültig über die Rechtmäßigkeit der Sperrung entschieden haben. Das kann noch einige Jahre dauern. So lange will die Stadt mit der Umgestaltung des zentralen Platzes nicht warten. Die Regenbogen-Mehrheit im Rat will den Neumarkt so umbauen, dass er sowohl mit als auch ohne Autos genutzt werden kann. Es sollen keine Fakten wie zum Beispiel Bordsteine geschaffen werden, die später nicht oder nur teuer rückgängig gemacht werden können. Auf jeden Fall soll es Fahrspuren für Busse und Fahrräder geben. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert lehnt diese Vorgabe mit dem Verweis auf Experten ab, die Fahrradstreifen nach geltendem Standard auf dem künftigen Neumarkt kaum für möglich halten. Es bleibt also spannend.

Mit einem weiteren Urteil machen die Lüneburger Oberverwaltungsrichter den Weg für das Einkaufszentrum am Neumarkt frei. Vier Anlieger hatten gegen die Bebauungspläne für den Neumarkt und das Einkaufszentrum Normenkontrollklagen eingereicht. Sie hatten beanstandet, dass der Stadtrat bei der Aufstellung der Bebauungspläne Fehler gemacht habe und die Belange der Eigentümer benachbarter Grundstücke nicht richtig abgewogen habe. In diesem Fall weisen die Lüneburger Richter die Einwände der Kläger zurück und geben der Stadt recht. Eine Revision wird nicht zugelassen. Wenn die Anlieger auf eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht gegen die Nichtzulassung verzichten, beginnt die Uhr für den Bau des Einkaufszentrums zu ticken. Der Investor Unibail Rodamco hat sich vertraglich verpflichtet, spätestens zwölf Monate nach Inkrafttreten des Bebauungsplans einen Bauantrag für das Einkaufszentrum einzureichen und das Vorhaben spätestens 36 Monate nach Erteilung der Baugenehmigung fertigzustellen.

Das Maidorf auf der Maiwoche steht auf der Kippe. Seit 14 Jahren ist die Party-Zone an der Stadtbibliothek eine der Attraktionen auf Norddeutschlands größtem Straßenfest. Zwischen 70.000 und 80.000 Besucher feiern dort jedes Jahr. In den letzten Jahren gab es immer wieder Probleme mit dem Brandschutz und zu engen Fluchtwegen, die der Betreiber Frederik Heede aber zusammen mit der Feuerwehr lösen konnte. Jetzt erteilt die Stadt dem Maidorf keine Genehmigung mehr, weil eine Sicherheitsbestätigung des Tüvs fehlt. Aber es gibt Hoffnung. Der Tüv will bis Ende März 2018 alle Unterlagen prüfen. Sobald es grünes Licht gibt, will auch Stadtbaurat Frank Otte die Genehmigung für das Maidorf unterschreiben. Dann könnte Frederik Heede die Party-Location doch noch realisieren.

Die Schullandschaft in Osnabrück steht vor großen Veränderungen. Nach jahrelangen Diskussionen erteilt der Rat der Verwaltung einen Prüfauftrag für die Weiterentwicklung der Sekundarstufe I. Geplant ist die Umwandlung aller Realschulen zu Oberschulen, die Neugründung einer „Neuen Schule“ in der Innenstadt aus der Förderschule Lernen an der Rolandsmauer, der Hauptschule Innenstadt und der Möser Realschule sowie die Errichtung einer Integrierten Gesamtschule am Standort der Käthe-Kollwitz-Schule.

Das Klinikum Osnabrück sorgt mit einem Kunstwerk für Ärger und Unverständnis. Im vergangenen Jahr kaufte Geschäftsführer Alexander Lottis für 14.000 Euro das Bild „Dance(Shadows)“ des Künstlers Helle Jetzig. Rechtlich ist der Kauf nicht zu beanstanden. Es stellt sich aber die Frage, ob ein Krankenhaus, das sich in finanziellen Schwierigkeiten befindet und dessen Mitarbeiter fünf Jahre auf 3,5 Prozent ihres Gehaltes verzichten, sich teure Kunst leisten sollte. Einige Tage nachdem der Kunstkauf öffentlich wurde, kauft ein Mann, der dem Klinikum nahesteht, das umstrittene Bild für 20.000 Euro und stellt es dem Klinikum als Leihgabe zur Verfügung.

Eine Vollsperrung der Autobahn A 1 zwischen der Anschlussstelle Bramsche und dem Lotter Kreuz führt zu einem Verkehrschaos in Stadt und Landkreis. Grund für die Sperrung ist der Teilabriss der Dütebrücke. Das 50 Jahre alte Bauwerk wird am ersten Januarwochenende 2018 auf seiner ganzen Länge von 270 Metern durchgeschnitten. Spezielle Sicherungsarbeiten an der Brücke verzögern die Arbeiten, sodass die Autobahn nicht wie geplant am Montagmorgen um 5 Uhr, sondern erst nachmittags um 15 Uhr freigegeben werden kann. Die Folge ist ein Verkehrschaos im morgendlichen Berufsverkehr. Auf den Umleitungsstrecken bilden sich kilometerlange Staus.

Und dann wirbelt auch noch ein „richtiger“ Sturm Stadt und Landkreis Osnabrück durcheinander. Das Sturmtief „Friederike“ fegt mit Orkanböen bis zu 130 Stundenkilometern über die Region. Da wurden Erinnerungen an den Orkan „Kyrill“ wach, der auf den Tag genau vor elf Jahren wütete. Diesmal sind die Schäden nicht ganz so dramatisch. Besonders betroffen ist der Wald in Hagen, Hasbergen und den westlichen Stadtteilen Osnabrücks, wo mehr als 100 Bäume entwurzelt werden. Durch beschädigte Freileitungen kommt es in vielen Kommunen zu Stromausfällen. Der Zugverkehr wird komplett eingestellt, und die Schulen dürfen den Unterricht abbrechen, damit die Schüler noch sicher nach Hause kommen können.

Rund um Osnabrück

Die Belmer Polizei zieht in ihre neue Dienststelle am Marktring. Das alte Gebäude am Gustav-Meyer-Weg war schon lange nicht mehr zeitgemäß. Drei Jahre lang hatten die Kommunalpolitiker nach neuen Räumen gesucht, bis sie auf das Haus am Marktring 17 aufmerksam wurden. In Erdgeschoss stehen den Polizisten jetzt 230 Quadratmeter Bürofläche zur Verfügung. Das wichtigste ist aber die Lage im Zentrum Belms, näher am Bürger geht es kaum.

Bissendorf wird zum Jahreswechsel um 1163 Quadratmeter größer. Das Grundstück An der Zitterquelle 11 gehört seit dem 1. Januar 2018 zur Gemeinde Bissendorf und nicht mehr zu Georgsmarienhütte-Holsten-Mündrup. Jahrelang hatte eine vierköpfige Familie für ihre Umgemeindung gekämpft. Ihr Grundstück gehörte offiziell zu Georgsmarienhütte, grenzte aber an drei Seiten an Bissendorf. Von dort wurde das Grundstück auch verkehrstechnisch erschlossen. Das führte oft zu Verwirrungen bei Handwerkern, Paketdiensten und Krankenwagenfahrern. Damit ist jetzt endlich Schluss.

Die Landesschulbehörde genehmigt die Einrichtung eines gymnasialen Zweiges an der Oberschule in Hagen. Voraussetzung ist eine Dreizügigkeit mit mindestens 27 Schülerinnen und Schülern im gymnasialen Zweig. Bürgermeister Peter Gausmann und Schulleiter Simon Borgers sind zuversichtlich, dass diese Hürde zum Beginn des Schuljahres 2018/19 genommen werden kann.

In Georgsmarienhütte fällt ebenfalls eine wichtige Entscheidung im Schulbereich. Die Michaelis-Grundschule in Oesede erhält einen Neubau. Ursprünglich war nur eine Sanierung des maroden Schulgebäudes geplant. Wegen des schlechten Gebäudezustands mussten die Sanierungskosten von 3,6 Millionen Euro auf mehr als sechs Millionen korrigiert werden. Da mit weiteren Kostensteigerungen gerechnet werden muss, empfiehlt der Fachausschuss einen Neubau der Schule, dessen Kosten mit rund 6,5 Millionen Euro nicht wesentlich höher liegen.

Auch der Bau der Sportanlage Rehlberg kommt einen Schritt weiter. Im zweiten Anlauf genehmigt der GMHütter Planungsausschuss die Vergabe eines mit knapp 47.000 Euro veranschlagten Planungsauftrags mit Umweltbericht. Ohne die notwendigen Gutachten hätte das notwendige Bebauungsplanverfahren für das gesamte Rehlberg-Areal erst einmal nicht weitergeführt werden können, da die Untersuchungen erst im kommenden Frühjahr wieder möglich gewesen wären.

Für die Oberstufenschüler im Landkreis beginnt das Jahr mit einer Enttäuschung. Im Kommunalwahlkampf 2016 hatte der Chef der CDU-Kreistagsfraktion, Martin Bäumer, den Oberstufenschülern kostenlose Busfahrten im Landkreis ab 2018 versprochen. Bei einer Haushaltsklausurtagung stellt sich jetzt heraus, dass durch das kostenlose Busticket Mehrkosten von 1,76 Millionen Euro pro Jahr entstehen und nicht wie zunächst angenommen weniger als eine Million Euro. Die Mehrkosten wollen die Kommunalpolitiker nicht mittragen. Die beiden großen Gruppen im Kreistag CDU/FDP/CDW und SPD/UWG einigen sich deshalb darauf, dass eine Monatskarte für Oberstufenschüler und Berufsschüler ab Klasse 11 pauschal 23,60 Euro kosten soll.


Hier fassen wir jeweils zum Ende eines Monats die wichtigsten Themen der vorangegangenen Wochen in Kurzform zusammen. Ähnlich wie in den beliebten Jahresrückblicken der Zeitung können Sie hier alles Wissenswerte des Monats aus Osnabrück und Umgebung Revue passieren lassen. Hyperlinks im Text führen Sie bequem zu vorheriger Berichterstattung.