Geringes Interesse im Gewerbe Osnabrück schickt Förderanträge für 61 E- und Hybridautos nach Berlin

Von Jörg Sanders


Osnabrück. Die Stadt Osnabrück will bis Mitte 2019 29 Elektro- und Plug-In-Hybrid-Autos anschaffen und sich die Mehrkosten gegenüber normalen Autos zu 90 Prozent vom Bund fördern lassen. Auch Stadtwerke, Stadtteilauto und Polizei hoffen auf Zuschüsse. Das Gewerbe hingegen zeigt kaum Interesse.

29 Elektro- und Plug-In-Fahrzeuge „vom kleinen Smart bis zum Transporter für die Feuerwehr und den Osnabrücker Servicebetrieb will die Stadt anschaffen“, sagt Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz, unserer Redaktion. Zudem möchte die Stadt neun Ladestationen bezuschusst haben. „Wir haben die Anträge am Dienstag nach Berlin gemeldet.“

Bund fördert Elektromobilität

175 Millionen Euro stehen seit Anfang des Jahres mit dem „Sofortprogramm Saubere Luft“ des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) aus dem sogenannten Dieselfonds von Bund und Autoindustrie zur Verfügung. Kommunen, Wirtschafts-, soziale und gemeinnützige Unternehmen sowie Taxi- und Kurierunternehmen konnten Zuschüsse für Elektro- und Hybridautos beantragen. Die Stadt bescheinigte alle Anträgen, dass die neuen Fahrzeuge die Luftqualität in Osnabrück verbessern würden und leitete sie nach Berlin weiter. Die Frist lief am Dienstag aus.

Geringes Interesse der Privatwirtschaft

Das Interesse der privaten Wirtschaft ist gering. Gerade einmal zwei Gewerbeunternehmen reichten Anträge für insgesamt fünf Fahrzeuge ein. Weitere zehn soll die niedersächsische Polizei erhalten, wohl auch die Osnabrücker. Das Stadtteilauto möchte eine Förderung für vier Autos. Die Stadtwerke hoffen auf einen Zuschuss für die 13 bestellten batteriebetriebenen Gelenkbusse. Taxi- und Kurierunternehmen reichten keine Anträge ein.

Kommunen erhalten mehr als Privatwirtschaft

Das verhaltene Interesse des Gewerbes erklärt sich Gerdts mit der geringeren Förderhöhe gegenüber den Kommunen. Bei der Beschaffung eines E- oder Hybridfahrzeugs bekommen finanzschwache Kommunen wie Osnabrück bis zu 90 Prozent der Mehrkosten gegenüber einem normalen Auto gefördert, gemeinnützige Unternehmen 75 Prozent. Private Gewerbeunternehmen erhalten, je nach Unternehmensgröße, 40 bis 60 Prozent der Mehrkosten gefördert. Zudem sei eine Förderung nicht bei Leasingfahrzeugen – im Gewerbe üblich – möglich.

Insgesamt Anträge für 61 Fahrzeuge

Mit dem Antrag der Stadt für 29 Fahrzeuge beläuft sich die Summe auf Förderanträge für 61 Fahrzeuge. Bei mehr als 80.000 Fahrzeugen in der Stadt sei das nicht viel, so Gerdts. „Aber auch Kleinvieh macht Mist.“ Er glaubt, dass der Bund sämtliche Anträge durchwinke.

Stadt kauft Nissan oder Street Scooter

Der Street Scooter der Deutschen Post, hier das Modell Work, ist bereits in Lotte und Westerkappeln unterwegs. Womöglich zieht ihn die Stadt Osnabrück für ihren Fuhrpark in Betracht. Foto: Deutsche Post

Gerdts ärgert sich über die großen deutschen Fahrzeughersteller. Bei der Anschaffung von E-Transportern hätten diese nichts im Angebot. Daher müsse die Stadt wohl auf andere Anbieter wie Nissan oder den Street Scooter der Deutschen Post zurückgreifen, wie die Post ihn bereits in Lotte und Westerkappeln einsetzt. Entschieden sei in der Sache aber noch nichts.


Fördervoraussetzungen

Beantragt werden konnten Zuschüsse zu den Mehrkosten eines E-Fahrzeugs oder Hybrids gegenüber einem konventionell angetriebenen Fahrzeug. Förderwürdige Hybridfahrzeuge müssen mindestens 50 Kilometer rein elektrisch fahren können oder weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Bei Fahrzeugen von bis zu 3,5 Tonnen ist jeweils die Anschaffung von zwei Fahrzeugen Voraussetzung.

Wirtschaftsunternehmen bekommen, je nach Größe, 40 bis 60 Prozent der Mehrkosten erstattet, gemeinnützige Antragssteller 75 Prozent. Kleine Unternehmen können unter Umständen einen erhöhten Zuschuss von 60 Prozent bekommen.

Auch auf zuvor Händler und Hersteller zugelassene Fahrzeuge bis zu einer Laufleistung von tausend Kilometern können bezuschusst werden. Alle bewilligten Fahrzeuge müssen Gewerbeunternehmen binnen zwölf Monaten beschaffen, Kommunen innerhalb von 18 Monaten. yjs