IHK Osnabrück warnt vor Fachkräftemangel 10.000 neue Arbeitsplätze entstehen in der Region

Von Jean-Charles Fays

Auch der anhaltende Boom in der Bauwirtschaft führt dazu, dass in diesem Jahr nach der Prognose der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim 10.000 Arbeitsplätze im IHK-Bezirk entstehen werden. Foto: DPAAuch der anhaltende Boom in der Bauwirtschaft führt dazu, dass in diesem Jahr nach der Prognose der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim 10.000 Arbeitsplätze im IHK-Bezirk entstehen werden. Foto: DPA

Osnabrück. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim prognostiziert auf Basis der Geschäftserwartungen der Unternehmen, dass in diesem Jahr 10.000 Arbeitsplätze im IHK-Bezirk entstehen werden. IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf warnt davor, dass die zusätzliche Nachfrage nach Arbeitskräften den Fachkräftemangel weiter verschärfen wird.

Dabei stellt Graf heraus: „Laut IHK-Konjunkturumfrage ist der Fachkräftemangel mittlerweile mit Abstand das Konjunkturrisiko Nummer 1 in der Region.“ Bereits im vergangenen Jahr sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im IHK-Bezirk um rund 10-000 Personen angestiegen. Mit Ausnahme des Arbeitsagenturbezirkes der Stadt Osnabrück hätten die Arbeitslosenquoten in den Teilregionen des IHK-Bezirks durchgängig zwischen zwei und drei Prozent gelegen.

( Weiterlesen: Historisch geringste Januar-Arbeitslosigkeit in der Region Osnabrück)

„Vollbeschäftigung ist eine Frage der Definition“

Ab welchem Niveau der Arbeitslosigkeit dabei von „Vollbeschäftigung“ gesprochen werden könne, sei eine Frage der Definition. Ähnlich wie der Leiter des Geschäftsbereichs Wirtschaft und Arbeit im Landkreis, Siegfried Averhage, sah auch etwa der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) Vollbeschäftigung bei einer Sockelarbeitslosigkeit von drei bis vier Prozent als erreicht an.

Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt integrieren

IHK-Hauptgeschäftsführer Graf weist darauf hin, dass es noch eine sogenannte Unterbeschäftigungsquote gibt. In Stadt und Landkreis Osnabrück liegt diese aktuell bei 6,4 Prozent. Darunter versteht man zuzüglich zur offiziellen Arbeitslosenzahl etwa Arbeitslose in Beschäftigungsmaßnahmen und arbeitsunfähig Erkrankte. Im Landkreis Osnabrück sank aber nicht nur die Arbeitslosenzahl, sondern auch die Unterbeschäftigung. So lag die Unterbeschäftigung im Januar 2014 bei 10.979 Personen, während 8307 Personen davon offiziell als arbeitslos galten. Zum Vergleich: In diesem Januar gab es nur noch 6809 Arbeitslose im Landkreis, und auch die Unterbeschäftigung sank auf 9341 Personen. Graf würde von Vollbeschäftigung im Landkreis sprechen, wenn auch etwa die Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten.

Halb so viele offene Stellen wie Arbeitslose im Landkreis Osnabrück

Die Chefin der Arbeitsagentur Osnabrück, Christiane Fern, verweist darauf, dass es im Landkreis nur etwa halb so viele offene Stellen wie arbeitslose Menschen gebe. Somit sieht sie Vollbeschäftigung nicht erreicht. Hinzu komme, dass ein Drittel der gemeldeten Arbeitslosen langzeitarbeitslos sei. Fern analysiert: „Die Arbeitslosigkeit in unserer Region ist vorwiegend strukturell geprägt. Wir haben zwar sehr viele offene Stellen, allerdings passen diese insbesondere bei Merkmalen wie Beruf und Qualifikationsniveau oft nicht zu unseren Arbeitslosen.“ Gerade eine fehlende Berufsausbildung bilde heutzutage ein eklatantes Arbeitslosigkeitsrisiko.

„Frauen als stille Reserve“

Man dürfe auch nicht vergessen, dass nicht alle, die eine Arbeit aufnehmen wollen, arbeitslos gemeldet sind. Zu dieser „stillen Reserve“ zählt Fern vor allem Frauen, die nach einer Auszeit zugunsten der Familie oder einer Pflegephase wieder arbeiten möchten, aber auch diejenigen, die derzeit an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen. Auch diese beiden Personengruppen müsse man bei der Bewertung berücksichtigen. Fern regt zudem an, im Landkreis weitere Flächen für große Neuansiedlungen zu schaffen, was in der Stadt wegen des begrenzten Platzes schwierig sei.