Bewährung für 53-jährigen Räume in Dissen untervermietet für Cannabisplantage

Von Markus Strothmann

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Hanf-Pflanze (Cannabis) Symbolfoto: Oliver Berg/dpaHanf-Pflanze (Cannabis) Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

Osnabrück. Ein 53-jähriger aus Dissen mietete eine Wohnung an und vermietete zwei Räume weiter an Bekannte. Die bauten darin im großen Stil Cannabis an: knapp 500 Pflanzen stellte die Polizei sicher, als die Plantage durch einen Zufall aufflog.

In erster Instanz verurteilte das Amtsgericht Osnabrück den 53-jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, da man die Strafe für zu gering erachtete. Der Angeklagte habe in so großem Umfang Beihilfe geleistet, dass man von einer „Nähe zur Tat“ sprechen müsse. Auch der 53-jährige legte Berufung ein, um in zweiter Instanz vor dem Landgericht eine Minderung der Strafe zu erreichen.

Hoher Stromverbrauch

Nach der Schilderung des 53-jährigen brauchte er dringend Geld, um seinen krebskranken Vater zu unterstützen, der in Vietnam lebt. Darum mietete er Ende 2013 eine Wohnung in Dissen an, in der zwei Bekannte die Cannabisplantage aufbauten. Dafür schafften sie unter anderem 60 Leuchten heran und manipulierten den Zähler, um den hohen Stromverbrauch zu verschleiern. Bei den beiden Bekannten habe es sich ebenfalls um Männer vietnamesischer Herkunft gehandelt, die in den Niederlanden leben sollen, erklärte der Angeklagte. Ihre Identität konnte allerdings nicht ermittelt werden.

Aufgeflogen wegen Wasserschaden

Für das Bereitstellen der Räume habe er pro Monat 2600 Euro erhalten, sagte der 53-jährige. Ohne diese stattliche Entlohnung hätte er sich die Wohnung auch nur schwer leisten können, da er als Auslieferungsfahrer kaum 1000 Euro im Monat verdiente, aber allein 600 Euro Miete zu zahlen hatte. Gelegentlich half er auch bei der Pflege der Pflanzen und bei der Ernte, wie er einräumte. Einen Schlüssel für die betreffenden Zimmer will er nicht gehabt haben. Ein weiterer Mann habe in der Wohnung gewohnt und den Anbau betrieben, wofür die Polizei auch diverse Anzeichen fand, wie das Vorhandensein einer zweiten, offenbar benutzten Schlafgelegenheit.

Die ganze Sache flog schließlich auf, als der 53-jährige sich zum wiederholten Mal in Vietnam aufhielt. Während seiner Abwesenheit gab es einen Wasserschaden; auf der Suche nach der Ursache ging der Vermieter in die Wohnung und stieß dort auf die Plantage. Bei seiner Rückkehr wusste der Angeklagte schon, dass die Wohnung durchsucht worden war und kontaktierte den Vermieter, um sich mit ihm zu treffen. Der schaltete aber die Polizei ein, was zur Festnahme des 53-jährigen führte.

Strafminderung beschlossen

Die Staatsanwältin forderte nun eine Erhöhung des Strafmaßes auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Die Begründung: „Der Sachverhalt ist nicht nur Beihilfe, sondern ein mittäterschaftlicher Tatbeitrag. Die Anmietung der Wohnung durch den Angeklagten hat die Installation der Plantage überhaupt erst ermöglicht.“

Der Verteidiger schilderte noch einmal das drängende Motiv des Angeklagten: „Für ihn war das eine günstige Gelegenheit, um an Geld zu kommen, mit dem er seinen kranken Vater unterstützen konnte.“ Das umfassende Geständnis und das Fehlen von Vorstrafen müsse man dem 53-jährigen ebenfalls zugute halten, dazu komme die schon acht Monate dauernde Untersuchungshaft. „Es bleibt festzuhalten, dass er nur einmal in seinem Leben auf diese Art versagt hat“, so der Verteidiger und forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, auszusetzen zur Bewährung.

Dem kam das Gericht nach. „Der Angeklagte hatte hierbei nicht über das Ob und Wie zu entscheiden und war nicht am unternehmerischen Risiko beteiligt“, so die Richterin in der Begründung, warum entgegen der Meinung der Staatsanwältin nur die Beihilfe vorliege. Sie verurteilte den 53-jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre, außerdem muss er 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten.


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