Tanzpremiere im Theater „Unter einem Himmel“: Probeneinblick und Gespräch

Amüsant geht es bisweilen im letzten Teil des Tanzabends zu. Tanzchef Mauro de Candia (vorn) probt mit seinem Ensemble auf der Domhof-Bühne. 

            

              
                Foto: David EbenerAmüsant geht es bisweilen im letzten Teil des Tanzabends zu. Tanzchef Mauro de Candia (vorn) probt mit seinem Ensemble auf der Domhof-Bühne. Foto: David Ebener

Osnabrück. „Unter einem Himmel“ heißt Mauro de Candias neuer, dreiteiliger Tanzabend im Osnabrücker Theater am Domhof. Ein erster Probeneinblick in die musikalische Reise in verschiedenen Weltgegenden und ein Gespräch mit dem Tanzchef.

Ein bisschen hochnäsig wirken die Damen, die da mit kurzen Schrittchen und demonstrativ vorgereckter Brust über die Bühne im Theater am Domhof trippeln. Auf dem Rückweg schreiten sie extrem lasziv vorwärts, eine Hand dabei kokett auf die Hüfte gestemmt. Tanzchef Mauro de Candia tanzt ihnen vor und erklärt, worum es ihm geht: um geschmeidige und zugleich möglichst bewegungslogische Übergänge zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Haltungen.

Denn selbst das Groteske soll nach seinem Willen nicht nur einfach amüsieren, sondern präzise mit den Tänzerkörpern erspürt und erfüllt werden. „Ich kann meinem Ensemble auch für das scheinbar Leichte nicht die Arbeit daran ersparen“, sagt er im Gespräch nach einer Probe.

Künstler sind Reisende

Sein neuer Tanzabend steht kurz vor der Premiere. Am Samstagabend ist es soweit. „Unter einem Himmel“ beschreibt er als musikalische Reise und weiteren Beitrag zum Spielzeitmotto „Heimat“. Hatte sein Stück „ Home sweet home “ mithilfe Franz Kafkas die Spannungen innerhalb der Familie erkundet, so untersucht er nun, was es bedeutet, Künstler und ständig unterwegs zu sein, nie genau zu wissen, wie lange man an einem Ort ist.

„Branco“, das erste Stück des dreiteiligen Abends, heißt „Herde“ und bezieht sich auf die Musik des serbischen Komponisten Félix Lajkó. Es gelte, im eher animalischen Strom der Herde „seinen eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden“, so de Candia. Er beschreibt „Branco“ als dynamisches Gruppenstück.

Fasziniert von Keith Jarrett

Für „In Transit“ hat er sich vom Part I des berühmten „Köln Concert“ Keith Jarretts im Jahr 1975 inspirieren lassen. „Es ist unglaublich, was da an spontaner Improvisation am Klavier entstanden ist“, schwärmt der Choreograf. „Was packt mich am Schönen einer Musik wirklich?“, frage er sich heute und habe sich von der Emotionalität und Verletzlichkeit dieser Improvisation faszinieren lassen, aber eben auch von ihrer fast mathematischen Struktur, Ökonomie und Präzision.

All das hat er nun in kleine tänzerische Motive übersetzt, „ohne Pathos“, wie er betont: „Eine Konstruktion muss klar sein, um sie genießen zu können.“

Das dritte Stück „Pachuco“ ist eine Collage aus Evergreens wie „Sirtaki“, „O sole mio“ oder „Bei mir bist Du schön“. Mit ihr geht es zurück zu den Wurzeln der kulturellen Identität jedes Einzelnen. Das Tanzpublikum lernt de Candia hier mal als Choreograf des Grotesken und Skurrilen kennen. Der Probeneinblick zeigt: An köstlichen Einfällen, Bewegungsvielfalt, Power, Tempo und vermutlich eigenwilligen Kostümen wird es diesem Teil der musikalischen Reise keinesfalls fehlen.


Premiere von Mauro de Candias neuem Tanzabend „Unter einem Himmel“ ist am Samstag, 3. Februar, um 19.30 Uhr im Theater am Domhof. Kartentel. 0541/ 7600076.

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