Tipps für die Halbjahreszeugnisse Schlechtes Grundschul-Zeugnis? So reagieren Eltern richtig

Von Catharina Kronisch

Nach der Zeugnisvergabe steigt bei manchen Schülern der Leistungsdruck, die Noten schnell zu verbessern. Symbolfoto: Foto: Andreas Arnold/dpaNach der Zeugnisvergabe steigt bei manchen Schülern der Leistungsdruck, die Noten schnell zu verbessern. Symbolfoto: Foto: Andreas Arnold/dpa

Osnabrück/Hannover. Die Halbjahreszeugnisse werden am 31. Januar in Niedersachsen verteilt. Das ruft teils Freude, teils Ängste und Sorgen bei Schülern und Eltern hervor.

Heute gibt es Halbjahreszeugnisse. Obwohl die Noten noch nicht über die Versetzung entscheiden, haben sie dennoch eine große Bedeutung. „Gerade bei Grundschülern führt das manchmal zu enormen Leistungsdruck“, weiß Schulpsychologin Melanie Deubel.

Die Angestellte der niedersächsischen Landesschulbehörde sagt: „Auch, wenn nach den Halbjahreszeugnissen noch Luft nach oben ist, haben die Halbjahresnoten schon einen großen Einfluss auf die Schüler.“ Solange es am Ende eines Schuljahres Zeugnisse gibt, die über die Frage der weiteren schulischen Laufbahn entscheiden, liegt es nahe, dass sich der Druck auf Schüler im zweiten Halbjahr erhöhe.

Noten entscheiden über schulische Laufbahn

Den Wunsch nach guten Noten gibt es nicht erst auf weiterführenden Schulen. Im Gegenteil: Die Schulpsychologin verzeichnet eine Steigerung des Drucks bei Schülern aus dem dritten und vierten Jahrgang. Das Halbjahreszeugnis habe also schon in der Grundschule eine große Bedeutung, auch für die Eltern, so Deubel. Denn diese müssten entscheiden, auf welche weiterführende Schule ihr Kind geht. In Niedersachsen gibt es keine verbindliche Schul-Empfehlung von den Lehrern. Die Verantwortung für die schulische Zukunft liegt allein bei den Eltern.

( Weiterlesen: Druck auf Grundschüler in der Region Osnabrück wächst)

Bei schlechten Noten: Ruhe bewahren

Wenn die Noten nicht wie gewünscht ausgefallen seien, solle möglichst Ruhe bewahrt und dem Kind beigestanden werden, rät Deubel. Wichtig sei, das Kind bei schlechten Noten nicht zu bestrafen.

Gute Noten seien nicht selbstverständlich, und auch eine Drei oder Vier könne bedeuten, dass sich das Kind sehr angestrengt und persönlich verbessert habe. „Die Eltern sollten sich klar machen, dass ein Zeugnis keine allgemeinen Aussagen über die Fähigkeiten und die Persönlichkeit des Kindes zulässt, sondern sich auf die gelernten Schulinhalte des vergangenen Halbjahres bezieht“, erklärt Deubel. „Kinder brauchen gerade bei Enttäuschungen die Sicherheit, dass die Eltern sie lieben – unabhängig von ihrer schulischen Leistung.“ Wutausbrüche, Drohungen oder Strafen seien ebenfalls nicht hilfreich, meint die Schulpsychologin. Sie schlägt deshalb vor, die freien Tage nach den Zeugnissen für gemeinsame Unternehmungen und Gespräche mit dem Kind zu nutzen. Das könne auch eine passende Belohnung für gute Noten sein.

( Hier finden Sie eine Übersicht mit den Infoveranstaltungen der weiterführenden Schulen in Osnabrück)

Gespräche helfen, gemeinsame Zeit mit dem Kind als Belohnung

„Außerdem könnte bei schlechten Zensuren ein Gespräch mit den Lehrern helfen, um herauszufinden, wie die Leistung des Kindes verbessert werden könnte“, sagt Deubel. Die Schulpsychologin verweist darauf, dass Grundschulen im vierten Jahrgang den Eltern Beratungsgespräche anbieten. Dabei sei es wichtig, die Interesses des Kindes und nicht die Wünsche der Eltern in den Vordergrund zu stellen. Es solle darauf geachtet werden, dass das Kind in der neuen Schule nicht über- oder unterfordert werde. „Es ist nicht sinnvoll, dem Kind zu viel Druck zu machen, um gute Leistungen zu erzielen“, betont Deubel.

Nachhilfe in Maßen

Nachhilfe etwa könne nur in einem begrenzten Zeitraum durchaus sinnvoll sein, wenn es darum ginge, Lücken zu schließen. Es solle aber genug Zeit für Freizeit bleiben. „Eltern müssen darauf achten, dass die Kinder durch das zusätzliche Lernen andere wichtige Interessen nicht vernachlässigen“, sagt Deubel. Wenn der Bedarf an Nachhilfestunden zu groß wäre, um im Unterricht mitzukommen, sollte darüber nachgedacht werden, eine andere Schulform für das Kind zu wählen.

( Weiterlesen: So melden Eltern ihre Kinder an weiterführenden Schulen in der Region Osnabrück an)

Leistungsdruck ist keine Frage des Alters

Leistungsdruck, Ängste und Sorgen gebe es nach den Erfahrungen der Schulpsychologin in allen Jahrgängen. Das sei keine Frage des Alters, sondern der Persönlichkeit des Kindes. Auch die Erwartungshaltung der Eltern spiele eine Rolle. Wenn Kinder oder Jugendliche zu sehr gestresst seien, dann gebe es deutliche Anzeichen. Häufig komme es vor, dass sie zum Beispiel mit Bauchschmerzen krank zuhause bleiben oder über Kopfschmerzen oder Übelkeit klagen. Dann sei es wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen. „Das machen nicht unbedingt die Kinder selbst, sondern nehmen häufig die Eltern in Angriff“, sagt Deubel. Die Eltern könnten sich an Lehrer, Schulpsychologen, Beratungslehrer oder Schulsozialarbeiter wenden.

Sorgen besprechen

Wenn Scheu vor einem persönlichen Gespräch da ist oder die Not zu groß wird, um auf ein Beratungsgespräch zu warten, gibt es auch andere Möglichkeiten, mit Schulsorgen umzugehen. „Viele Eltern und Kinder rufen bei Problemen rund um das Thema Schule auch das Zeugnistelefon an“, sagt Deubel. „Gemessen an diesen Anrufen, ist die Zahl der Schüler, die unter starkem Leistungsdruck leiden, stabil geblieben.“ Außerdem sei das nicht nur ein Problem, das mit den Zeugnissen auftrete: Das ganze Jahr über sei die Bereitschaft von Eltern hoch, schulpsychologische Beratung und Unterstützung in Anspruch zu nehmen.