Jahreskampagne Caritas im Bistum Osnabrück nimmt sich des Problems Wohnungsnot an

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Osnabrück. Den Mangel an bezahlbaren Wohnungen hat die Caritas 2018 ins Zentrum ihrer bundesweiten Jahreskampagne gerückt. Unter dem Motto „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ gibt es im Bistum Osnabrück sogar konkrete Ansätze, das Problem anzugehen.

Längst sind bezahlbare Wohnungen nicht nur in größeren Städten wie Osnabrück zur Mangelware geworden, sondern auch im ländlichen Raum und in Städten wie Lingen, Meppen, Papenburg, Emden oder Leer. „Für unsere speziellen Zielgruppen fehlen günstige und menschenwürdige Wohnungen“, sagt Franz Loth, Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Osnabrück. Und diese speziellen Zielgruppen sind unter anderem: Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehende, Arbeitslose, Geringverdiener. „Wenn Menschen kein Dach über dem Kopf haben, dann trägt das zur gesellschaftlichen Spaltung bei“, sagt Loth. „Wohnen ist ein elementares Menschenrecht.“

„Das Problem ist nicht vom Himmel gefallen“, betont der Caritasvorsitzende Diakon Gerrit Schulte. „Die Menschen in der Politik haben es einfach dem freien Markt überlassen und ihre Wohnungsbaugesellschaften verkauft“, kritisiert er. „Doch der freie Markt regelt dieses Problem nicht.“ Die Politik müsse sich des Themas nun annehmen, betont Loth: „Wir erwarten von der Politik eine ganze Menge, von uns selber – Kirche und Caritas – aber auch.“

Wohnraumresolution

Im November 2016 hatte die Caritas im Bistum Osnabrück eine Resolution zum menschenwürdigen und bezahlbaren Wohnen verabschiedet. Daraus ging eine kirchliche Wohnrauminitiative hervor, der unter anderem die bischöfliche Wohnungsbaugesellschaft Stephanswerk, die Caritas und der Katholische Verein für soziale Dienste (SKM) angehören. Ergebnis: In Osnabrück will das Stephanswerk an der Bramscher Straße ein Haus bauen, das im Erdgeschoss Wohngruppen für Wohnungslose bietet und in den oberen Etagen günstige Mietwohnungen für Geringverdiener. In Bersenbrück ist ein ähnliches Projekt geplant und in Ankum hat die Caritas im Herbst 2017 eine Krankenwohnung für Wohnungslose geschaffen, in denen sie wieder zu Kräften kommen können.

Möglich ist das Projekt in Osnabrück unter anderem, weil ein Privatmann dem Stephanswerk sein Grundstück zu einem niedrigen Preis überlassen hat. Die Caritas setzt auf mehr Menschen wie ihn, die sich das leisten können und der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen. Beispielsweise über die Kirchengemeinden, die die Caritas ebenfalls in die Pflicht nimmt, sollen sie erreicht werden. Darüber hinaus fordert die Caritas eine Wohnungsnotfallstatistik, die erfasst, wie viele Menschen tatsächlich ohne Wohnung sind. Dringend nötig seien zudem eine Reform der Grunderwerbssteuer und eine umgehende Verstärkung des sozialen Wohnungsbaus. „Der Schwache braucht einen starken Staat, der eingreift und Regeln setzt“, so Schulte.

Zu wenige Sozialwohnungen

Laut dem Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen werden in Niedersachsen bis 2020 40000 neue Wohnungen benötigt, ein Viertel davon sollten Sozialwohnungen sein. 2016 entstanden jedoch nur 28000 neue Wohnungen und lediglich 1510 davon waren sozial gebunden, während in den kommenden Jahren 60000 Wohnungen aus den Bindungen fallen. Die Bindung an einen fixen Mietpreis für Sozialleistungsempfänger gehen Immobilienbesitzer immer für 15 bis 20 Jahre ein – danach können die Wohnungen wieder teurer vermietet werden.

Die Gründe für die allgemeine Wohnungsnot sind vielfältig. Es gebe Eigentümer von Grundstücken in A-Lagen, die die Flächen brach liegen lassen in der Hoffnung, dass sie noch teurer werden, kritisiert Loth. Derweil steigen aufgrund der derzeit hohen Nachfrage auch die Baukosten. Dass die Zahl der Bauvorschriften sich von 1990 bis 2016 vervierfacht hat, mache die Sache nicht leichter, gibt Loth zu bedenken. „Wir müssen auch fragen, ob die Forderung nach barrierefreiem Wohnen und bezahlbarem Wohnraum noch zusammen geht.“


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