6 Millionen Euro Überschuss Sparkasse Osnabrück: Gutes Jahr 2017 – aber es wird schwieriger

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Vorstand der Sparkasse Osnabrück: (vonlinks) Nancy Plaßmann, Friedrich H. Petersmann, Johannes Hartig, Thomas Salz. Foto: Wulf PadeckenVorstand der Sparkasse Osnabrück: (vonlinks) Nancy Plaßmann, Friedrich H. Petersmann, Johannes Hartig, Thomas Salz. Foto: Wulf Padecken

Osnabrück. Die Sparkasse Osnabrück ist „gut zufrieden“ mit dem Jahr 2017, aber Vorstandssprecher Johannes Hartig verschwieg beim Bilanzgespräch nicht: Die Sparkassen stehen wegen der Niedrigzinspolitik der EZB weiter stark unter Druck.

Eine wichtige Kennzahl bewegt sich im dritten Jahr in Folge nicht: Mit einem Jahresüberschuss von sechs Millionen Euro erreicht die Sparkasse Osnabrück 2017 exakt die Ergebnisse der beiden Vorjahre. Schon 2016 schaffte die Sparkasse dies nur durch hohe Kostendisziplin und Effizienzsteigerungen, denn die Zinsmargen sind angesichts der Minizinsen weiterhin sehr schmal. Der Sparkasse sei es gelungen, die Sachkosten um eine halbe Million Euro zu senken, auch die Personalkosten für die 1164 Mitarbeiter blieben knapp unter dem Niveau des Vorjahres, sagte Hartig.

Das Betriebsergebnis (vor Risikobewertung, Zinsen und Steuern) liegt mit 52,5 Millionen Euro um 3,8 Millionen Euro unter dem des Vorjahres „und damit im Rahmen der Erwartungen“, wie Hartig erklärte. Das verdiente Geld bleibt zum großen Teil im Hause zur Stärkung des Eigenkapitals. Die Eigenkapitalquote liegt nach Hartigs Angaben mit 14,5 Prozent leicht über dem Landesdurchschnitt. Mit 3,5 Millionen Euro unterstützte die Sparkasse 2017 gemeinnützige Einrichtungen und Initiativen in der Region durch Spenden und Sponsoring. In diesem Jahr tritt die Sparkasse als Sponsor der Landesgartenschau in Bad Iburg und des Schlossgarten-Open-Airs in Osnabrück auf. Hartig: „Beides unterstützten wir und achten natürlich darauf, dass unsere Giro-Live-Kunden ganz besondere Vorteile genießen.“

1,2 Milliarden Euro Neukredite

Das Privatkundengeschäft leidet am stärksten unter der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Das Volumen der Neukredite ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 100 Millionen auf rund 1,2 Milliarden gestiegen, die Erträge gingen aber „erwartungsgemäß“ zurück, wie Hartig sagte. Das Problem für alle Kreditinstitute ist: Neuverträge bringen nur geringe Zinsmargen, während Altverträge mit relativ hohen Zinserträgen auslaufen oder von Darlehnsnehmern mit Sondertilgungen zurückgeführt werden.

Bemerkenswert hoch ist der Rückgang der Kreditvergaben im Wohnungsbau. Von 212 Millionen in 2016 sank das Volumen der neu vergebenen Baukredite auf 178 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um 16 Prozent und nicht der tatsächlichen Lage in der Baubranche, wie Friedrich H. Petersmann einräumte. „Wir haben die Marktanteile gerade noch gehalten“, sagte Petersmann. „Das ist eine Entwicklung, auf die wir genau schauen müssen“, ergänzte Hartig. Viele Bauherren drängten auf eine längere Laufzeit mit fester Zinsbindung. „15 Jahre sind inzwischen der Regelfall“, so der Vorstandssprecher.

Zinstal ist durchschritten

„Bei den Zinsen scheinen wir das historische Tal durchschritten zu haben. Wer sich derzeit mit dem Gedanken an den Immobilienbau oder -kauf beschäftigt, sollte in nächster Zeit aktiv werden“, so Petersmann. Die Sparkasse vermittelte 330 Immobilien an neue Besitzer. Petersmann: „Das ist der höchste Wert aller Zeiten. Die Sparkasse ist und bleibt der größte Immobilienvermittler vor Ort.“

Das Firmenkundengeschäft zog erneut deutlich an. Damit setzt sich der Trend des Vorjahres fort. 863 Millionen Euro reichte die Sparkasse 2017 insgesamt als Darlehen an Unternehmen aus, „ein absoluter Spitzenwert, darauf sind wir sehr stolz“, wie Vorstandsmitglied Thomas Salz betonte. Die Steigerung um 167 Millionen Euro zeige, dass es der Wirtschaft in der Region sehr gut gehe. Vor allem der familiengeführte Mittelstand nutze die gute Konjunktur und Ertragslage zum Investieren, so Salz. „Wir sind nach wie vor der führende Finanzierer unseres heimischen Mittelstandes.“

Die Kundeneinlagen stiegen um 6,5 Prozent und überschritten 2017 erstmals die Fünf-Milliarden-Marke (5,02 Milliarden Euro) . Die Gesamtsumme der Kundenkredite wuchs um 3,5 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro.

Investitionen in Filialen

2016 war das Jahr der Filialschließungen , 2017 der Investitionen in wichtige Filialstandorte. In die Filialen am Weidencarrée in Osnabrück, in Wallenhorst und Bad Iburg investierte die Sparkasse zusammen drei Millionen Euro. 2018 sind Umbauten am Sedanplatz, in Ostercappeln und in der Hauptstelle am Neumarkt im Umfang von 5,7 Millionen Euro geplant. Im Umbau des Filialnetzes spiegelt sich auch das veränderte Kundenverhalten wider. Die Hälfte Sparkassenkunden nutzt das Onlinebanking. Das neue Beratungscenter, das auch Beratung per Video-Chat anbietet, werde von den Kunden „exzellent bewertet“ und habe „alle Zeile übertroffen“.

In diesem Jahr steht ein personeller Umbruch im Vorstand an. Thomas Salz wechselt im April zur Sparkasse Aachen. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin ist noch nicht bestimmt. Das Auswahlverfahren laufe noch, sagte Hartig. Ende September wird Friedrich H. Petersmann nach 48 Jahren bei der Sparkasse in den Ruhestand gehen. Nachfolgerin wird Nancy Plaßmann.


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