Auf städtischen Flächen Grüne wollen Glyphosat in Osnabrück verbieten

Von Sandra Dorn

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Foto: dpaDas Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Foto: dpa

Osnabrück. Kein Glyphosat auf Flächen, die die Stadt verpachtet: Die Osnabrücker Grünen wollen in der Ratssitzung am Dienstag ein solches Verbot durchsetzen und außerdem den Einsatz anderer Pestizide soweit wie möglich eindämmen.

Außerdem soll die Stadt prüfen, „wie der Einsatz von diesen Stoffen in Kleingärten und im privaten Bereich zum Beispiel durch verbesserte Information verringert werden kann“, heißt es in einem entsprechenden Antrag.

Rund 145 Hektar landwirtschaftliche Flächen befinden sich im Besitz der Stadt, wie Gerhard Meyering aus der Pressestelle der Stadt unserer Redaktion auf Anfrage mitteilte. Ein Vergleich zur Größenordnung: Das Landwehrviertel in Atter, Osnabrücks größtes Neubaugebiet seit dem Zweiten Weltkrieg, in dem einmal 3000 Menschen leben sollen, ist 37 Hektar groß. Jeder Pachtvertrag sei anders, mit unterschiedlichen Laufzeiten, so Meyering.

Vorreiter Artland

Osnabrück wäre nicht die erste Kommune, die Pächtern beim Abschluss oder der Verlängerung ihrer Verträge ein Glyphosat-Verbot vorschreibt. Im Dezember beschloss der Artländer Samtgemeinderat, den Einsatz des Herbizids auf kommunalen verpachteten Flächen zu untersagen, dort sind es 60 Hektar.

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten verkaufte Unkrautvernichtungsmittel. Der Saatguthersteller Monsanto vertreibt es unter dem Markennamen Roundup. Die EU-Kommission hat die Zulassung des umstrittenen Pestizids Ende vorigen Jahres um weitere fünf Jahre verlängert. Es steht im Verdacht, Krebs zu erregen und in der Kritik, da es Begleitgrün auf den Äckern vernichtet und Insekten damit die Nahrungsgrundlage entzieht. Unter anderem das Umweltbundesamt sieht erhebliche Folgen für die Artenvielfalt – von Insekten bis hin zu Vögeln, die mit den Insekten ihre Nahrungsgrundlage verlieren.

Auch Linke und UWG/Piraten für Glyphosat-Verbot

Einen ähnlichen Verbotsantrag wie die Osnabrücker Grünen haben auch Linke und UWG/Piraten gestellt. Sie wollen außerdem festschreiben, dass die Stadt und ihre Eigenbetriebe auch künftig auf den Einsatz von Glyphosat und Neonikotinoiden verzichtet.

Neonikotinoide sind Insektizide. Es gibt diverse Studien, die einen schädlichen Einfluss unter anderem auf das Nervensystem von (Wild-)Bienen und Hummeln festgestellt haben.

Der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) und die Vorgängerabteilung Grünflächenabteilung setzen bereits seit mehr als 30 Jahren keine Herbizide mehr ein, teilte OSB-Pressesprecherin Katrin Hofmann auf Anfrage mit.

Die Leitlinien über die Anwendung der Pestizide gibt die EU vor. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat im November in Brüssel für die weitere Zulassung von Glyphosat gestimmt und damit die SPD brüskiert, deren Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) gegen die Zulassung ist.

Weitere Themen im Rat

In einer Aktuellen Stunde will sich der Osnabrücker Rat am Dienstag zu allererst mit dem Thema Klimaschutz befassen. Außerdem auf der Tagesordnung steht ein Antrag von Grünen, FDP, Linken, UWG/Piraten und BOB, die sich gegen die von CDU und SPD auf Landesebene vorgesehen Entmachtung kleiner Fraktionen in den kommunalen Räten wehren. Die Schulentwicklung wird ebenfalls Thema sein – und nicht zuletzt der Neumarkt. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Lüneburg die Sperrung des Neumarktes wieder aufgehoben hat, schlägt die Verwaltung vor, den Ratsbeschluss zur Neugestaltung des Areals wieder aufzuheben. Die Planungen sollten so aussehen, dass die Nutzung durch den motorisierten Individualverkehr weitgehend ausgeschlossen ist.