Geburtstagssause mit Torte und Topfschlagen Zaches und Zinnober feiern Jubiläum in der Lagerhalle

Von Matthias Liedtke


                  Das A und O der Kindermusik 
                
              
              buchstabierten die Geburtstagskinder Ralf „Zinnober“ Siebenand (links) und Michael „Zaches“ Zachcial in der Lagerhalle. Foto: Thomas OsterfeldDas A und O der Kindermusik buchstabierten die Geburtstagskinder Ralf „Zinnober“ Siebenand (links) und Michael „Zaches“ Zachcial in der Lagerhalle. Foto: Thomas Osterfeld

OSNABRÜCK.  Dass es möglich ist, auch jenseits von dumpfen Beats und alberner Sprache Musik für Kinder zu machen, die auch Erwachsenen gefällt, bewiesen Zaches und Zinnober bei ihrem Geburtstagskonzert am Sonntagnachmittag in der ausverkauften Lagerhalle.

Mit stolzen 25 Jahren längst den Kinderschuhen entwachsen, versteht  es das frei nach einem Märchen von E.T.A. Hoffmann benannte, bremisch-osnabrückische Duo nichtsdestotrotz und nach wie vor prächtig, sich so anspruchs- wie wirkungsvoll in die Gedankenwelt von Kindern hineinzuversetzen. Wohltuend anders als viele andere Kinderliedermacher, die vornehmlich Kinderpartymacher sind, nehmen sie dabei Kinder als kleine Menschen wahr und ernst, denen echte, handgemachte Musik und mitunter auch überraschend um die Ecke gedachte Texte durchaus zuzumuten sind.  

 

Zwangloser Reimzwang

Als etwa nach dem doppeldeutig eröffnenden „Aldi/All, die“-Lied aus „Dumm da“ ein Mitsinglaut wurde, schienen jedenfalls die meisten Kinder die Wendung verstanden zu haben, indem sie keineswegs „stumm da“ sitzenblieben. Auch bei ruhigeren Liedern wie dem vom „Kleinen Eisbär“ wurde melodisch mitgesummt, zum fein klirrenden „Unter Wasser“ sogar fast die Luft angehalten und beim gesungenen Indianergruß „Howgh“ verpasste kaum ein Kind seinen Einsatz. Ob „Büffel auf Trüffel“, „Franzosen in Unterhosen“ oder eine durchdeklinierte „Feuer wer, was, wann“: Die offenkundige Vorliebe der beiden Herren für Wortspiele, Reimwörter und mitunter skurril Zusammengereimtes kam nicht nur bei den kleinen Zuhörern bestens an. Die Applaus-CD konnte also einmal mehr getrost im Auto gelassen werden. Ganz im Gegenteil war das Osnabrücker Publikum sogar bereit, unter Anleitung und zum Erstaunen der beiden Herren unterschiedliche Applausvarianten einzuüben.

Zutaten und Buchstaben

Aus einem viertel Jahrhundert vergnüglichen Schaffens ein kindgerecht rund einstündiges „Best Of“-Programm herauszufiltern, ist ein schier unmögliches Unterfangen. Beliebte „Lieder aus der Küche“ durften aber keinesfalls fehlen. Zum „Zucker und Zimt“-Zahnputzsong vom allerersten Album „Wie der Elefant den Rock´n Roll erfand“ servierte der Osnabrücker Ralf Siebenand alias Herr Zinnober ein würziges Klaviersolo, nachdem er zuvor die Ukulele auch zur Perkussion und das Saxofon auch für elefantöse Schnupfgeräusche verwendet hatte.  Beim neueren „Hai im Kochtopf“ aus dem „Konzert am Herd“ verwandelte sein Bremer Kollege Michael Zachcial alias Herr Zaches kurzerhand das Utensil zum Zwecke des musikalischen Topfschlagens in eine Steel-Drum - und „Papa mag O-Saft“ taugte für saftige, kollektive Buchstabentänze im Publikum, während auf der Bühne das A und O der Kindermusik durchbuchstabiert wurde. 

 

Torte ohne Worte

„Ah“s und „Oh“s gab es auch, als das Geheimnis gelüftet wurde, warum im Kühlschrank nachts noch Licht brennt oder beim abschließenden „Sei doch mal Pirat“ nicht nur die Kinder von einem Leben ohne Hausaufgaben, sondern auch die Erwachsenen von einem ohne Steuererklärung träumen durften. Zaches und Zinnober wären nicht sie selbst, wenn das als „Schuhgabe“ angekündigte Schlaflied tatsächlich eines gewesen wäre. Kollektiv wurde mit den Füßen gestampft, bevor die „Kissenschlacht um Acht“ in eine „Küssen“-Schlacht ausartete. Das passte wiederum zu der ganz besonderen Geburtstags-„Torte“, die am Ende verteilt wurde.