Keine Rollstuhl-Erkrankung Zehn MS-Kontaktgruppen in Osnabrück und Umgebung

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Die Multiple-Sklerose-Selbsthilfe in Osnabrück ist vereinsmäßig organisiert und verfügt über eine eigene Beratungsstelle. Claudia Schütt und Christian Ueckmann arbeiten im Vorstand. Foto: Petra PieperDie Multiple-Sklerose-Selbsthilfe in Osnabrück ist vereinsmäßig organisiert und verfügt über eine eigene Beratungsstelle. Claudia Schütt und Christian Ueckmann arbeiten im Vorstand. Foto: Petra Pieper

Osnabrück. „Multiple Sklerose (MS) lässt sich heute recht gut behandeln, viele Patienten leben gut damit und nur die wenigsten benötigen irgendwann einen Rollstuhl“, versichern Claudia Schütt und Christian Ueckmann. Immer noch werde MS mit Muskelschwund gleichgesetzt, was aber falsch sei.

Die beiden sind selbst Betroffene und Mitglieder im Verein MS-Kontaktgruppe, der sich zum Ziel gesetzt hat, Erkrankte, Familienangehörige und Freunde bei der Bewältigung der vielfältigen Probleme zu unterstützen, die im Zusammenhang mit der MS auftreten können. „Die Diagnose ist für Neubetroffene schon ein harter Schlag. Als Ehrenamtliche wollen wir ihnen helfen, mit dieser Situation umzugehen“, unterstreichen die Osnabrücker Vereinsvorsitzende Schütt und ihr zweiter Stellvertreter Ueckmann.

Verlauf ist zu beeinflußen

MS ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen, und sie ist nicht heilbar. Ihr Verlauf kann jedoch durch verschiedene Maßnahmen zumeist günstig beeinflusst werden. Entgegen der landläufigen Meinung führt die multiple Sklerose nicht zwangsläufig zu schweren Behinderungen. Auch viele Jahre und Jahrzehnte nach Beginn der Erkrankung bleibt die Mehrzahl der Patienten noch gehfähig.

Man schätzt, dass es etwa 1000 MS-Erkrankte in Stadt und Land Osnabrück gibt. „In unserem Verein sind etwa 350 Mitglieder an MS erkrankt; das bedeutet, dass wir einen erfreulich hohen Anteil der Betroffenen vertreten“, so die Vorsitzende.

Viele Symptome

Was ist eigentlich MS? Es ist „die Krankheit mit den 1000 Gesichtern“, sagt Claudia Schütt, „eine sehr komplexe und lebenslange, aber nicht lebensbedrohende und auch nicht ansteckende Erkrankung des zentralen Nervensystems mit vielfältiger Symptomatik und unterschiedlichen Verläufen, deren Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen ebenfalls sehr unterschiedlich sind“. Kein Verlauf der MS gleiche dem anderen. Es sei nicht ungewöhnlich, dass die gesundheitlichen Störungen der MS „kommen und gehen, oder - sie bleiben.“ Neben weitgehend beschwerdefreien Phasen erleben viele MS-Patienten ihre Krankheit in Schüben.

Die noch nicht in allen Einzelheiten erklärbaren Ursachen sind Entzündungen und daraus resultierende Funktionsstörungen in einzelnen Hirn- oder Rückenmarksbereichen. Welches Symptom sich zeigt, ist abhängig vom Ort der Entzündung. Da die überall im gesamten Zentralnervensystem auftauchen können, kann die MS fast jedes neurologische Symptom verursachen. Bei vielen Betroffenen beginnt die Krankheit mit Sehstörungen; andere haben massive Missempfindungen wie Taubheit oder Lähmungen in bestimmten Körperbereichen oder können nicht mehr sicher gehen.

Therapien

Mittels Kernspintomographie, Lumbalpunktion und anderer Untersuchungsmethoden wird dann die Diagnose „Multiple Sklerose“ gewonnen. Akute entzündliche Prozesse können zumeist durch Cortison-Gaben zum Abklingen gebracht werden. Die Prognose ist für die meisten Patienten viel günstiger als gemeinhin angenommen - nicht zuletzt durch die heute vorhandenen Therapiemöglichkeiten.

Nicht jeder mag mit anderen über seine MS-Erkrankung reden, wer aber Fragen hat, unsicher ist und Angst hat, wie es weitergeht, findet Unterstützung in den Selbsthilfegrupppen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG). „Bei uns können sie mit anderen Betroffenen reden, Fragen stellen und sich austauschen. Hier finden sie auch umfangreiches Informationsmaterial, das wir Ihnen gerne an die Hand geben“, versichern Schütt und Ueckmann. „Sprechen Sie mit uns, rufen Sie an oder kommen einfach mal bei uns oder unserer Sozialarbeiterin in der Beratungsstelle vorbei. Wir haben Zeit für ein persönliches Gespräch.“

Gruppen und Stammtische

Die MS-Kontaktgruppe in Osnabrück wurde vor 35 Jahren, am 8. März 1983, gegründet. Seitdem haben sich unter dem Vereinsdach in Stadt und Land zehn MS-SHG gegründet, etwa die Gruppe „Klönen mit Elisabeth und Erwin“ im benachbarten Paulus-Heim, der „Gesprächskreis am Abend“, der sich in den Geschäftsräumen der Beratungsstelle trifft, der „Treff 98“ in Wallenhorst, Gruppen in Georgsmarienhütte, Hagen und Bad Essen, der „Spieletreff Gedankenblitz“ für gesellige und lehrreiche Nachmittage sowie die „Jungen 30er“, ein Stammtisch für alle jungen MS-Patienten, deren Erkrankung „nur Nebensache“ ist, wie es in der Ankündigung heißt. Zudem soll noch eine weitere Gruppe für jüngere Erkrankte gebildet werden.

1999 konnte die Selbsthilfe die Beratungsstelle von der DMSG übernehmen und führt sie seitdem in Eigenregie. Als Ansprechpartnerin steht Sozialarbeiterin Monika Hellmann Montag-, Mittwoch- und Freitagvormittag für Auskünfte und Beratungen bereit, Telefon 0541/801499. Die Beratungsstelle an der Magdalenenstraße 33 bietet betroffenen Mitgliedern und Angehörigen Auskunft bei sozialrechtlichen Fragen, also zum Beispiel zur Pflegeversicherung, bei Anträgen nach dem Schwerbehindertenrecht oder bei der beruflichen Rehabilitation; sie vermittelt soziale Dienste und kennt sich mit Kliniken, Reha und Hilfsmitteln ebenso aus wie in psychosozialen Fragen.


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