Sprechstunde im Café Mandela Kaum ein Flüchtling findet in Osnabrück noch eine Wohnung

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Osnabrück. Seit bald drei Jahren bietet das Café Mandela in Osnabrück eine Wohnungsberatung für Flüchtlinge an. So schwer wie momentan, eine Wohnung zu finden, war es noch nie, berichten die Helfer. Da sich kaum noch Ehrenamtliche für diese frustrierende Aufgabe finden, wird die Dienstagssprechstunde ab Februar eingestellt.

„Der Markt ist absolut leergefegt – generell“, sagt Café-Mandela-Mitarbeiterin Gabriele Töpfer-Karara. Vor allem in der Stadt ist es fast aussichtslos. Flüchtlinge konkurrieren mit anderen Hartz-IV-Empfängern um Familienwohnungen und mit Studenten um kleine günstige Appartments. Viele, die längst anerkannt sind und teilweise einen Job haben, hängen deshalb in den städtischen Gemeinschaftsunterkünften fest.

Die Helfer müssen sich so einiges von den Vermietern anhören. „Ich bekomme schon mal einen Vortrag darüber, wie unmöglich das sei, wie wir uns das denn bitte vorstellen und wie schlecht die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter laufe“, sagt Töpfer-Karara. Das Jobcenter ist für die Kostenübernahme zuständig. Abschreckend für viele Vermieter sei auch, dass die meisten Geflüchteten nur eine Anerkennung für maximal drei Jahre haben.

Wachsende Islamophobie

Gravierender aber sind die Vorurteile: „Die Islamophobie ist wirklich schlimmer geworden“, sagt Töpfer-Karara und berichtet von einem Vermieter, der am Telefon zunächst sehr nett gewesen sei. Dann kam der Besichtigungstermin und die Dame, mit der Töpfer-Karara vor der Tür stand, trug ein Kopftuch. „Verschleiert?“, habe der Vermieter kommentiert, dann sei er sehr ablehnend gewesen. Ähnliches berichtet Gabriele Gaschina von der Kinder- und Jugendhilfe Outlaw, die zusammen mit der Caritas und der Stadt Osnabrück die Koordinierungsstelle Flüchtlingssozialarbeit bildet. „Es ist seit Längerem der Normalzustand, dass Vermieter nicht an geflüchtete Menschen vermieten wollen, da sie der Meinung sind, dass es Probleme mit der Mülltrennung, Sauberkeit in Fluren und Kellern, et cetera gibt“, sagt Gaschina. „Die Vermieter sagen geradeheraus, dass sie nicht an geflüchtete Menschen vermieten. Es wird nicht mal mehr gefragt, aus welchem Land sie kommen.“ Nur selten gibt es Ausnahmen, sagt Töpfer-Karara. „Das absolute Highlight des letzten Jahres war ein Vermieter, der gleich drei Wohnungen an Flüchtlinge vermietet hat.“ Ein Einzelfall.

Die vorletzte Sprechstunde

An diesem Dienstagnachmittag Ende Januar sind es sechs Flüchtlinge, die in die Sprechstunde kommen, zwei Syrer, vier Sudanesen. Das Team aus Ehrenamtlichen erfasst die Daten, die die meisten Vermieter verlangen (Herkunftsland, Beruf, Familienstand, Kinder, und so weiter) und erklärt, was es mit den Angemessenheitsgrenzen auf sich hat – den Miethöhen, bis zu denen das Jobcenter die Kosten übernimmt. Und die Helfer empfehlen, die Suche auf den Landkreis auszuweiten. Dort sei es leichter. Wenn sie auf Deutsch nicht weiterkommen, übersetzt Firas Adleh, der selbst aus Syrien stammt. Sie geben den Flüchtlingen eine Liste mit Internetseiten, auf denen sie suchen können, und eine E-Mail-Adresse, an die sie passende Wohnungen schicken sollen. „Es ist wichtig, dass du viele Wohnungen schickst“, erklärt Lisa Gagelmann einem Syrer. „Wir melden uns dann, wenn wir eine Besichtigung haben.“ Der nächste ist ein Sudanese, der eine Aufenthaltsgestattung bis Juli hat. Damit hat er keine Chance, aber so deutlich sagt Töpfer-Karara ihm das nicht, sie betont nur, dass es sehr schwierig werde. Hinterher sagt sie: „Die Menschen hier total zu frustrieren, ist auch doof. Viele sind froh, dass ihnen endlich einmal jemand Gehör schenkt.“

Zu viel Frust, zu wenige Ehrenamtliche

Doch mit dieser Sprechstunde ist es ab Februar vorbei. Zwar können sich Geflüchtete mit konkreten Wohnungsanliegen, etwa bei Fragen zu einem speziellen Mietvertrag, weiterhin an Gabriele Töpfer-Karara wenden, aber die intensive Betreuung, die bis zur Hilfe bei der Organisation des Umzugs reichte, kann das Team nicht mehr leisten. Weil einige Ehrenamtliche berufsbedingt keine Zeit mehr haben oder Osnabrück verlassen, schrumpft die Gruppe von fünf auf zwei zusammen. „Es ist unheimlich schwierig, für diese doch recht frustrierende Tätigkeit Ehrenamtliche zu finden“, sagt Hubert Reise, der das vom Diakonischen Werk betriebene Café Mandela leitet. Ehrenamtliche von der Flüchtlingshilfe Rosenplatz hatten das Wohnungssuchprojekt im Mai 2015 ins Leben gerufen, dann ging es auf das später eingerichtete Café Mandela in der Iburger Straße über. Anfangs sei die Wohnungssuche leichter gewesen, sagt Töpfer-Karara. „Je mehr Flüchtlinge kommen, desto schwieriger wird es.“ Zurzeit leben etwa 4600 Geflüchtete in Osnabrück.


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