Bedürftigenhilfe vor dem Aus Osnabrücker Kleiderlager muss Melanchthonkirche räumen

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Auf Druck der Brandschutzversicherung muss die provisorisch als Kleiderlager genutzte Melanchthonkirche bis Ende Februar geräumt werden. Damit steht das größte Freiwilligenprojekt zur Versorgung von Bedürftigen in Osnabrück vor dem Aus. Unterdessen verhandelt die Südstadtkirchengemeinde weiter mit möglichen Käufern für das 2015 entwidmete Gotteshaus.

Die Aufforderung zum „schnellstmöglichen“ Auszug aus der Melanchthonkirche erreichte die Ehrenamtlichen am Freitag voriger Woche per E-Mail. Dringlichkeit sei deshalb geboten, weil „die Versicherung Druck macht“ und der Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Südstadtkirchengemeinde vor dem geplanten Verkauf des Gebäudes nichts mehr riskieren wolle, teilte Gemeindegeschäftsführer Ulf Jürgens den Vorsitzenden der Bürgervereine Nord-West und Eversburg mit.

Hauptproblem ist nach Informationen unserer Redaktion der Brandschutz: Das Sechzigerjahre-Denkmal auf der Spitze des Kalkhügels gilt als extrem baufällig. Feuchtigkeit und Schimmel setzen der maroden Elektrik zu. Wohl nicht von ungefähr klebt sogar im Schaltschrank der Kirche ein Vaterunser.

Hilferuf an den OB

Bei den Verantwortlichen des Osnabrücker Kleiderlagers herrscht ob des plötzlichen Rauswurfs pure Verzweiflung. In ihrer Not haben sie bereits den Oberbürgermeister angeschrieben. „Herr Griesert, helfen Sie uns bitte, wir stehen vor dem Aus!“, heißt es in dem Brief vom 23. Januar.

Bis spätestens Ende Februar werde eine mindestens 400 Quadratmeter große Unterkunft benötigt, mit Toilette, Wasser, Licht und Strom, außerdem einer guten Busanbindung. Das alles für einen möglichst langen Zeitraum – und natürlich möglichst billig. Denn die Bürgervereine verfügten nicht über die Mittel, um Miete und Nebenkosten für das Kleiderlager selbst zahlen zu können. Die 2015 von der Südstadtkirchengemeinde aufgegebene Melanchthonkirche wird dem Projekt kostenlos zur Verfügung gestellt. Für den Rest kommen bislang Caritas und Diakonie zu gleichen Teilen auf.

Käthe-Kollwitz-Schule eine Option?

„Das Kleiderlager ist von großem Nutzen für die städtische Bevölkerung. Wir wollen nicht aufgeben und müssen einfach weitermachen“, sagt Elisabeth Michel vom Bürgerverein Nord-West. Nirgendwo sonst hätten Bedürftige in Osnabrück die Chance, sich gratis mit gut erhaltenen Anziehsachen und Schuhen einzudecken. Der Bedarf sei „riesig“. Dass ihr ökumenisches Projekt an fehlenden Räumen scheitern könnte, mögen Michel und ihre gut 50 Mitstreiter nicht wahrhaben. Es gebe doch reichlich gewerbliche Leerstände in Osnabrück, sagen sie, vielleicht könne das Kleiderlager in ein altes Ladenlokal umziehen. Auch die einst zur Flüchtlingsunterkunft umgebaute Käthe-Kollwitz-Schule wäre für die Freiwilligen eine mögliche Option.

Spendenfluss kanalisiert

Das Kleiderlager ist vor zweieinhalb Jahren auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle in Osnabrück entstanden. Die Bürgervereine haben es aufgebaut, um der Flut an Kleiderspenden Herr zu werden, die damals über das Flüchtlingshaus am Natruper Holz hereinbrach und für Chaos sorgte. Seither wird außerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung gesammelt und sortiert, ehe die Sachen gezielt weiterverteilt werden. „Mit unserer Sammelstelle haben wir den Spendenfluss in geordnete Bahnen gelenkt“, erklärt Michel. Doch von Anfang an hatte das Kleiderlager damit zu kämpfen, selbst immer nur provisorisch unterzukommen: Zunächst für ein halbes Jahr im ehemaligen Max-Bahr-Baumarkt in Hellern, dann eine Weile – verpackt in Containern – in der früheren Landwehrkaserne, schließlich in der Melanchthonkirche, wo die Zeit nach nunmehr 15 Monaten aber ebenfalls abgelaufen ist.

Fortschritte beim Kirchenverkauf

Derweil scheint die Südstadtkirchengemeinde Fortschritte zu machen beim Versuch, Gebäude und Grundstück zu verkaufen. „Es zeichnet sich eine wunderbare Nachnutzung ab“, sagte der Superintendent des Kirchenkreises Osnabrück, Joachim Jeska, am Freitag auf Nachfrage. Einzelheiten seien jedoch noch nicht spruchreif.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN