Oboistin von Königin Margrethe Juliana Koch bereitet sich auf Osnabrücker Musikpreis 2017 vor

Von Ralf Döring


Osnabrück. Juliana Koch hat den Osnabrücker Musikpreis 2017 gewonnen. Bevor sie ihn am Montag entgegennimmt, probt sie noch – und arbeitet mit Kindern.

Der Tag ist ziemlich vollgepackt für Juliana Koch. Probe, Kinder-Workshop, Interviews; überhaupt hat sich das Leben der 29-jährigen Oboistin verdichtet. Seit dem ARD-Musikwettbewerb im vergangenen Herbst ist sie froh, wenn sie drei Tage am Stück zuhause in Kopenhagen ist, „bevor ich dann wieder drei Wochen unterwegs bin.“ Orchester engagieren sie als Solistin, sie spielt Kammermusik, und Sir Simon Rattle hat sie eingeladen, als Gast in seinem London Symphony Orchestra mitzuwirken. Kurz gesagt: Es läuft gut bei Juliana Koch.

Juliana Koch spielt farbig, leicht perfekt

Am Freitagmorgen steht sie neben Andreas Hotz, dem Osnabrücker Generalmusikdirektor, im Orchesterstudio des Theaters vor dem Osnabrücker Symphonieorchester und probt fürs gemeinsame Konzert am Montagabend. Auf dem Programm: Mozarts Oboenkonzert und das kurze „To the Mother“ des estnischen Komponisten Peeter Vähi – sie selbst hat das Stück uraufgeführt, der Dirigent Neeme Järvi habe sie gefragt, erzählt sie. Ansonsten sagt sie nicht viel, hin und wieder mal ein Wort zu Hotz, mal stimmt sie sich mit dem Konzertmeister Michal Majersky ab; oft lächelt sie dabei ihr fröhliches, offenes Lächeln. In erster Linie aber spielt sie: farbig, leicht, perfekt. Und auswendig. Nur wenn Hotz sagt, „ab Takt 36“, orientiert sie sich mit einem Blick in Hotz‘ Partitur. Aber zwei Töne des Orchesters genügen ihr offenbar dafür auch. „Das Mozart-Konzert ist ein zentrales Stück des Studiums“, sagt sie.

Ihre Qualitäten haben die Jury des Osnabrücker Musikpreises ebenfalls überzeugt. Noch bevor sie das Ergebnis des ARD-Wettbewerbs kannte, „hat Andreas Hotz an meine Garderobentür geklopft“ und ihr die gute Botschaft überbracht: Sie ist die Gewinnerin des Osnabrücker Musikpreises 2017. Sie wertet das als Ehre, denn sie weiß, dass der Klarinettist Sebastian Manz und der Oboist Rámon Ortega Quero zu ihren Vorgängern zählen. Die beiden zählen längst zu den Großen Namen der Klassikszene. Weiterlesen: Interview mit Musikpreis-Laudator Jan Brachmann

Das Preisträgerkonzert im Radio

Auch an anderer Stelle ist man auf den Osnabrücker Musikpreis aufmerksam geworden: Der NDR strahlt das Preisträgerkonzert aus (am 12. April in der Reihe „Podium der Jungen“). Und bereits am 6. Februar sendet der Deutschlandfunk das Konzert. Für Koch bedeutet das: ein Interview mehr. Zunächst warten aber im Orchesterstudio 12 Mädchen und Jungen vom Hord Rosenkinder. Weiterlesen: Rámon Ortega Quero gewann vor zehn Jahren den Osnabrücker Musikpreis

Juliana Koch erfüllt damit einen Wunsch der Felicitas und Werner Egerland-Stiftung, die das Preisgeld in Höhe von 7500 Euro bereitstellt. „Die Preisträger sollen bereit sein, Kinder mit klassischer Musik in Berührung zu bringen“, sagt der Vorsitzende Johannes Dälken. Er und die Stiftung möchten Kindern den Weg zur Musik ebnen – gerade Kindern, die über einen derartigen Workshop überhaupt erstmals, klassische Musik erleben. „Finde ich toll“, sagt Koch. Auch sie ist über die Schule zur Oboe gekommen. Dann ging es schnell und steil nach oben: mit 16 Jungstudentin in Frankfurt, mit 21 die erste Orchesterstelle in Ulm. Es folgt die Mailänder Scala, derzeit spielt sie in der Königlichen Kapelle Dänemark, ist, wenn man so will, Oboistin von Könign Margrethe II. von Dänemark.

Jetzt aber ist der Nachwuchs dran. Mit Mozarts Oboenkonzert stellt sie ihr Instrument vor, die Kinder dürfen ins Rohrblatt pusten, erfahren ein paar Basics über die Oboe. Und Die Kinder fragen dazu, wie nur Kinder fragen können: Weil sie beim Spielen den Oberkörper wiegt, will ein Junge wissen: „Kannst Du Schlangen beschwören?“ Das nun nicht. Aber Begeisterung wecken, das kann sie. Weil sie wunderbar spielt.


4. Sinfoniekonzert: Osnabrücker Symphonieorchester, Juliana Koch, Oboe. Montag, 29. Januar, 20 Uhr, Osnabrückhalle. Kartentel.: 0541/7600076. www.theater-osnabrueck.de

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