Nach Vergleich mit 3g group Neuer Ärger am Güterbahnhof: Musiker weiterhin ohne Strom

Von Rainer Lahmann-Lammert

Leitung gekappt: Das Proberaumzentrum auf dem Güterbahnhof bekommt trotz eines Vergleichs vor dem Landgericht keinen Strom. Foto: Jörn MartensLeitung gekappt: Das Proberaumzentrum auf dem Güterbahnhof bekommt trotz eines Vergleichs vor dem Landgericht keinen Strom. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Vom Landgericht hat er es schwarz auf weiß: Carsten Gronwald soll wieder Strom für sein Proberaumzentrum am Güterbahnhof bekommen. Aber was nach monatelangem Rechtsstreit ausgehandelt wurde, greift nicht: Das Kabel ist gekappt worden. Von der 3 g group, glaubt Gronwald.

Im April 2017 blieb auf einmal der Strom weg. Ein großes Ärgernis für die 200 Musiker und Künstler, die in dem Gebäude an der Hamburger Straße 22 B ein- und ausgehen. Und natürlich für Carsten Gronwald, den Zwischenvermieter vom „Freiraum Petersburg“, der schon manchen Ärger mit der 3 g group (ehemals Zion GmbH) ausgestanden hat.

Auch hinter der Stromsperre vom April stand die Gesellschaft, die den größten Teil des Güterbahnhofs besitzt und 2016 ihren Sitz nach Brandenburg verlegt hat. Ausführendes Organ der Abschaltung war jedoch Pastor Eduard Ochs von der Evangelischen Freikirche „Lebensquelle“, an deren Panzerkasten das Kabel für das Proberaumzentrum angeschlossen war.

Erheblicher Verlust

Als Begründung führte die 3g group damals aus, die Installation sei „nicht fachmännisch und ordnungsgemäß eingerichtet“ und damit nicht betriebssicher. Gronwald und sein Anwalt Hans Siepelmeyer sehen in der Aktion jedoch einen Willkürakt, um dem missliebigen Zwischenvermieter das Leben schwer zu machen.

Die Bands, die in dem früheren DB-Gebäude proben, brauchen den Saft für ihre Verstärkeranlagen und die Beleuchtung. Gronwald steht unter Druck. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als den Strom für die Musiker mit einem Generator zu erzeugen. Das Gerät läuft mit Heizöl, es ist laut, aus ökologischer Sicht nicht ganz unproblematisch und erheblich teurer als die gute alte Steckdose. Inzwischen habe ihm der ganze Ärger einen Verlust von mehr als 15000 Euro eingebracht, sagt der Erfinder der „Kulturfabrik Petersburg“.

Gronwald klagte gegen die Stromsperre, aber das Verfahren vor dem Landgericht zog sich über Monate hin. Im Dezember kam es durch Vermittlung von Landgerichtspräsident Thomas Veen zu einem Vergleich. Danach verpflichtet sich die „Lebensquelle“, den Strom für das Proberaumzentrum wieder einzuschalten, sobald Gronwald bestimmte Auflagen erfüllt hat.

Zerstörerischer Akt

Im Januar war alles so weit, und unter Aufsicht eines Elektrikers sollte die Freikirche das Nachbargebäude wieder ans Netz nehmen. Aber der Strom kam nicht an. Sehr schnell stellte sich heraus, dass jemand das dicke Kabel durchtrennt hatte. Der Sabotageakt hatte in einem verschlossenen Kellerraum der 3g group stattgefunden. Gronwald konnte die losen Enden des Kabels mühelos aus der Wand ziehen. Nach seiner Einschätzung kann es nur mit Billigung der 3g group zu dem zerstörerischen Akt gekommen sein.

Für ihn sieht das nach einer Fortsetzung der Schikanen aus, denen er sich ausgesetzt fühlt, seit die Zion GmbH den Güterbahnhof übernommen hat. Bei der Polizei hat er Anzeige erstattet, vorläufig gegen Unbekannt. Inzwischen soll 3g-group-Geschäftsführer Thomas Gründler geäußert haben, die Leitung sei Eigentum seiner Gesellschaft. Gronwald ist empört. Er habe das Kabel nicht nur gekauft, sondern auch vorschriftsmäßig in 80 cm Tiefe verlegt – und er könne das alles belegen.

Unsere Redaktion hat die 3g group auf verschiedenen Kanälen um eine Stellungnahme gebeten, bislang ohne Antwort. Der Rechtsstreit geht in die nächste Schleife – und der Strom bleibt vorerst abgeschaltet. Nur wenn das Aggregat läuft, können die Musiker proben. Gronwald kämpft weiter. Sein Mietvertrag mit der 3g group läuft noch bis zum Ende des Jahres.