Jahresempfang der FDP Osnabrück Kubicki-Interview gab den Ausschlag für Parteibeitritt

Von Andreas Wenk


awen Osnabrück. „In der Politik geht es nicht um richtig und falsch“, sagte der Haushaltsexperte und FDP-Bundestagsabgeordnete Otto Fricke, sondern um „besser und schlechter“. Deshalb sei auch er nicht im Besitz der absoluten Wahrheit, erklärte der Krefelder den Gästen beim jahrespolitischen Auftakt des Kreisverbandes seiner Partei in Osnabrück, zu dem die Partei erstmals ausdrücklich die Neumitglieder eingeladen hatte.

Frickes Aussage stand zumindest formal in leichtem Widerspruch zur Äußerung des Parteivorsitzenden Christian Lindner nach dem Ausstieg aus den Berliner Jamaika-Verhandlungen. Die hatte der damit begründet, dass es besser sei „nicht als falsch zu regieren.“

Die Neumitglieder ließen sich davon nicht irritieren. Auch wenn Heiko Langheim und Thorsten Droll, beide seit einem halben Jahr Mitglied bei den Liberalen, sich einen Ausstieg aus den Verhandlungen vor einer Verlängerung gewünscht hätten. Die Entscheidung selbst sei richtig gewesen. Dass es soweit gekommen sei, dafür trage Angela Merkel die Verantwortung: Mit 60 Leuten an einem Tisch einen Konsens erreichen zu wollen, das habe bei ihnen den Eindruck erweckt, dass eine Einigung überhaupt nicht erwünscht gewesen sei.

Der Kreisvorsitzende Moritz Gallenkamp forderte die Neumitglieder auf, die Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen intensiv zu nutzen. Genau deshalb war er auch gekommen, sagte Eike Sundermann. Wie die anderen Neuzugänge zeigte er sich hoch motiviert. Sicherlich würde er auch Plakate für die Partei kleben, so der Rechtsreferendar. Für ihn habe ein Kubicki-Interview den Ausschlag gegeben, in die Partei einzutreten. Der Satz, Demokratie sei keine Selbstverständlichkeit, habe ihn schließlich überzeugt, selbst aktiv zu werden.

Persönliche Sondierungsrunde

Für den Jura-Studenten und Jungunternehmer Niklas Schwichtenberg ist der Parteieintritt das Ergebnis einer längeren persönlichen Sondierungsrunde. Nach einem Praktikum bei einem CDU-Bundestagsabgeordneten und Erfahrungen bei der SPD im Landtag hat er sich schließlich für die FDP entschieden. Hier habe er das Gefühl, sich persönlich einbringen zu können. Auch Themen wie die Digitalisierung hätten seinen Nerv getroffen. Am Abend der Wahlparty habe er schließlich auch seine Freundin als neues Mitglied geworben. Auch wenn viele Partnerschaften heute kurzlebiger seien als Parteibindungen, plane er langfristig – mit seiner Freundin und der FDP.

Fricke hatte in seinem Referat über Generationengerechtigkeit die Neumitglieder darauf eingestimmt, dass es nicht immer leicht sein werde, sich als FDP-Mitglied zu behaupten. „Wenn sie in eine Kneipe kommen, müssen sie damit rechnen, dass von zehn Leuten vielleicht nur einer mit der FDP sympathisiert.“ Solche Probleme, auch an der Universität, seien für ihn kein Problem, betonte Schwichtenberg, denn sein Freundeskreis sei – wie er selbst – unternehmerisch geprägt. Mit seinem Unternehmen, das unter anderem Vorgesetzten ein Art digitales Schulterklopfen für Mitarbeiter entwickelt hat, habe er gemerkt, dass in Osnabrück im Gegensatz zu Berlin eine ausgeprägte Start-up-Kultur fehle. Das möchte er gerne ändern.

„Zu viele Juristen“

Mit 28 Neumitgliedern liegen die Parteizugänge im Kreisverband Osnabrück laut Gallenkamp leicht über dem Landesdurchschnitt. Fricke bedauerte, dass es in der Berliner Fraktion zu viel Juristen und zu wenig Frauen gebe. Unter den erschienenen Neuzugängen gab es da wenig Grund zur Hoffnung. Dennoch hatten sich mit Ina El Kobbia und Ines Specketer zwei Damen dazugesellt, die sich zumindest einen schönen Abend im Kreis der FDP und beim Grünkohlessen im Arcona-Living-Hotel nicht entgehen lassen wollten, auch wenn beide den Grünkohl letztlich nicht angerührt haben.