Was wird aus der Maiwoche? Politiker geben Osnabrücker Maidorf noch nicht auf

Die Politik will versuchen, das Maidorf zu retten. Foto: GründelDie Politik will versuchen, das Maidorf zu retten. Foto: Gründel

Osnabrück. Die Politik will versuchen, das Maidorf zu retten. Am kommenden Dienstag werde sich der Verwaltungsausschuss der Sache erneut annehmen, sagte CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde. Scharfe Kritik kommt von der Jungen Union.

Stadtbaurat Frank Otte hatte vorige Woche die Fraktionsspitzen am Ende der Verwaltungsausschusssitzung über die Sicherheitsprobleme im Maidorf informiert und angekündigt, dass der Eigenbau nicht mehr reinen Gewissens genehmigt werden könne. Der Verwaltungsausschuss forderte in einem mehrheitlich gefassten Beschluss die Verwaltung auf, Maidorf-Betreiber Frederik Heede soweit wie möglich entgegen zu kommen. „Wir wollen, dass das Maidorf erhalten bleibt“, sagte Brickwedde, die Verwaltung könne aber natürlich nicht geltendes Recht brechen. Auch die von Heede bestellten Gutachter hätten einräumen müssen, dass nicht alle Anforderungen hundertprozentig zu erfüllen seien.

Weniger Besucher zulassen?

Brickwedde sieht die Probleme eher in der Statik als im Brandschutz. Deshalb werde er im Verwaltungsausschuss anregen, noch einmal zu prüfen, ob durch strengere Auflagen etwas zu heilen sei. Brickwedde brachte eine Obergrenze bei der Zahl der Besucher auf der oberen Etage ins Spiel, streng kontrolliert durch einen personell aufgestockten Ordnungsdienst. Das Maidorf habe schon 2017 „auf des Messers Schneide gestanden“, sagte Brickwedde. Er könne nicht verstehen, warum in einem Jahr keine Lösung gefunden wurde. „Diese Frage geht in beide Richtungen, an den Betreiber und das Bauamt“, so Brickwedde.

„Übersteigertes Sicherheitsbedürfnis“

Auch SPD-Fraktionschef Frank Henning hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Er werde prüfen, ob sich auf politischem Wege etwas bewegen lassen. Das Ende des Maidorfes sei „außerordentlich bedauerlich“, die Entscheidung des Stadtbaurates aber verständlich. „Ich kann die handelnden Personen verstehen, dass sie nicht den Kopf hinhalten wollen.“ Das Verbot sei auch ein Ergebnis eines „übersteigerten Sicherheitsbedürfnisses“ in unserer Gesellschaft.

Henning machte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) Vorhaltungen: „Es gab Zeiten in unserer Stadt, da haben Oberbürgermeister der Verwaltung gesagt: Sucht nicht die Probleme, sucht die Lösung.“ Diese Haltung und den Willen zur Führung vermisse er bei Griesert.

Scharfe Kritik der Jungen Union

Scharfe Töne kommen aus der Jungen Union. Die Stadt trete erneut als Bedenkenträger und Bremser auf, anstatt aktiv an einer guten Lösung für 2018 zu arbeiten“, so JU-Vorsitzender Christopher Peiler in einer Stellungnahme. „Stadtbaurat Otte muss klar darlegen, was sich aus Sicherheitsgründen im Vergleich zur Genehmigung vom letzten Jahr verschlechtert hat. Wenn das letzte Jahr genehmigt wurde, muss dasselbe Konzept für dieses Jahr konsequenterweise wieder genehmigungsfähig sein. Vor allem, wenn in den letzten Jahren die Berufsfeuerwehr täglich im Maidorf war und alles kontrolliert hat. Wir fragen uns ernsthaft, ob es vielleicht andere Gründe für ein Verbot des Maidorfs gibt. Der Stempel des TÜV scheint jedenfalls ein fadenscheiniges Argument zu sein“, so Markus Baron, JU-Mitglied im Ausschuss für Feuerwehr und Ordnung. In der Jungen Union habe die Entscheidung des Stadtbaurates nur zu Kopfschütteln geführt. „Wir hoffen noch auf ein Umdenken der Verwaltung. Herr Otte, machen Sie uns nicht die Party auf der Maiwoche kaputt“, werden Peiler und Baron in der JU-Mitteilung zitiert.

Grüne fordern grundlegende Sicherheitsdebatte

Die Grünen zeigen Verständnis für die Absage des Maidorfs. „Wir können die Gründe der Verwaltung und die erheblichen Sicherheitsbedenken nachvollziehen. Wer genehmigt, trägt die volle Verantwortung. Die Ratspolitik wurde rechtzeitig informiert und hat sich einhellig, wenn auch mit Bedauern, hinter die Entscheidung der Stadtspitze gestellt. Auch wenn damit ein stark nachgefragtes Angebot in diesem Jahr fehlen wird“, heißt es in einer Erklärung von Michael Hagedorn und Thomas Klein.

Die Grünen hoffen, dass die Sicherheitsdefizite spätestens zur Maiwoche 2019 gelöst sind. „Für nächstes Jahr brauchen wir für diesen herausragenden Standort Klarheit. Die TÜV-Überprüfung muss daher umgehend stattfinden. Wenn es stimmt, dass der TÜV Nord nur eine einzige zuständige Person hat, zeigt das aber auch die ganzen Widersprüche der Sicherheitsauflagen“, so Hagedorn. Diese nähmen jedes Jahr zu, aber die zuständigen Behörden kämen mit dem Kontrollieren nicht hinterher.

Aus Sicht der Grünen hat das Thema technische Sicherheit im öffentlichen Raum ohnehin eine Schieflage. So gäbe es beim technischen Brandschutz eine Verschärfung nach der anderen. Das Sicherheitsniveau steige und steige, während in anderen Bereichen, wie etwa dem Straßenverkehr, viel mehr Risiken in Kauf genommen würden. „Wir brauchen dringend eine neue Grundsatzdebatte über das richtige Maß an Sicherheit, nicht nur in öffentlichen Gebäuden, sondern auch bei Massenveranstaltungen. Das setzt aber einen ehrlichen Umgang aller Beteiligten mit den realen Risiken voraus. Auch bei den unmittelbar beteiligten Sicherheitsbehörden. Und die Bereitschaft der Öffentlichkeit, Risiken miteinander zu vergleichen und Prioritäten zu setzen. Das dürfte spannend werden“, so Thomas Klein.


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