Mobilitätsforscher in Osnabrück „Das Auto ist da, wir müssen mit ihm umgehen“

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Fährt Bahn: Stephan Rammler kommt am Donnerstag nach Osnabrück. Foto: Nicola UphausFährt Bahn: Stephan Rammler kommt am Donnerstag nach Osnabrück. Foto: Nicola Uphaus

Osnabrück. Das Auto an sich hält er für eine gute Erfindung, aber die Wucht von 46 Millionen Pkw findet er erdrückend. Der Mobilitäts- und Zukunftsforscher Stephan Rammler ist am Donnerstag um 19.30 Uhr Gast im Forum „Mobile Zukunft“, das im Projektbüro Berliner Platz 1 stattfindet.

„Warum der Mobilitätswandel nicht Verzicht, sondern Bereicherung ist...“ So heißt das Thema von Rammler, der als Professor für Transportation, Design & Social Sciences an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig arbeitet. Im ehemaligen Matratzengeschäft am Berliner Platz wird er sich gemeinsam mit Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes und Stadtbaurat Frank Otte den Fragen der Teilnehmer stellen. Der 1968 geborene Mobilitätsforscher ist überzeugt, dass die Städte nicht mehr funktionieren können, wenn noch mehr Autos in die Straßen und Wohnviertel drängen.

Es gebe keine hieb- und stichfeste Begründung dafür, Autobesitzern mehr öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen als zum Beispiel Fahrradbesitzern, sagt Rammler. Inzwischen sei ein Punkt erreicht, an dem die Auto-Mobilität an ihrer eigenen Masse scheitere. Ein Ausweg sei, die Nutzungseffizienz der Pkw-Flotte zu erhöhen. So biete das Car-Sharing im Gegensatz zum Privatwagen doch auch den Vorteil, dass für den Gebrauch, aber nicht für den Stillstand bezahlt werde.

Aber, so konstatiert er, „das Auto ist da. Wir müssen mit ihm umgehen“. Hilfreich sei die Erkenntnis, dass sich die Lebensqualität überall dort erhöhe, wo städtische Räume ohne Dieselgestank und Blechlawinen wieder erlebbar würden.

Der Wissenschaftler sieht im Fahrrad „eines der wichtigsten Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts“, und er ist überzeugt, dass ein weiterer technologischer Schub den Radverkehr noch beflügeln wird. 40 bis 50 Prozent Anteil am Modal-Split (also der Anteil an den zurückgelegten Wegen) in den Städten seien machbar. Das Beispiel Kopenhagen zeige, dass morgens und abends im Berufsverkehr sogar 60 Prozent der Wege mit dem Rad zu schaffen seien. Das funktioniere aber nur mit einer konsensorientierten Verkehrspolitik, die auch den Mut habe, dem Autoverkehr Schranken zu setzen.

Rammler weiß, dass Osnabrück als Stadt mit einer starken Umland-Beziehung viele Pendler anzieht. Und er hat Verständnis dafür, dass Menschen aus der Region, die sich vom Nahverkehr im Stich gelassen fühlen, auf freie Fahrt pochen. Es helfe auch nicht weiter, diese Debatte aus Sicht der Eliten zu führen. An diesem Punkt könne eine Politik der zwei Geschwindigkeiten sinnvoll sein.

Als Mobilitätsforscher will Rammler Vorbild sein, reist mit Bus und Bahn, verkneift sich Flüge, fährt Rad und nutzt bei Bedarf einen elektrischen VW Up: „Der reicht völlig, auch als Familienwagen“. Wenn es drauf ankomme, könnten die drei Kinder auf der Rückbank Platz nehmen. In den Urlaub fährt Familie Rammler mit der Bahn. Und nach Osnabrück geht‘s natürlich auch mit dem Zug.

„Mobile Zukunft“ ist eine gemeinsame Initiative der Stadt und der Stadtwerke Osnabrück mit dem Ziel, Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zur Diskussion einzuladen. Obwohl die Veranstalter auch die Anhänger des motorisierten Individualverkehrs einbinden wollten, blieben die dem Forum bislang fern. Vielleicht, so hofft Rammler, wird das am Donnerstag ja einmal anders. Gerade für eingefleischte Autofahrer gebe es noch viel Neues zu erkunden.


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