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Eventmanager: Zum Kotzen Osnabrücker Marketingchefin „fassungslos“ über Maidorf-Aus

Von Wilfried Hinrichs und Jörg Sanders

Das Maidorf. Foto: Stasa-FotoDas Maidorf. Foto: Stasa-Foto

hin/yjs Osnabrück. Das Aus für das beliebte Maidorf macht Osnabrücks Marketingchefin Petra Rosenbach „fassungslos“. Die Absage sei eine „Riesenenttäuschung“. Christoph Sierp, ein großer Beschicker der Maiwoche, erachtet die Absage an das Maidorf als „Frechheit“ und „zum Kotzen“.

Wann beginnt die Maiwoche 2019 in Osnabrück?

Die Geschäftsführerin der Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH (OMT) hat bei der Organisation der Maiwoche die Fäden in der Hand, über das Aus für das Maidorf erfuhr sie aber auch erst am Dienstag nach der Pressekonferenz der Stadt. „Ich war fassungslos, als ich das hörte“, sagte Rosenbach unserer Redaktion. Das Maidorf sei ein fester und sehr wichtiger Bestandteil der Maiwoche. „So etwas gibt es auf keinem anderen Straßenfest.“

Verständnis für Otte

Rosenbach äußerte Verständnis für Stadtbaurat Frank Otte und die Mitarbeiter der Baubehörde, dass sie für die Sicherheit des Maidorfes nicht die Verantwortung übernehmen wollen. In Sicherheitsfragen dürfe es keine Kompromisse geben, so Rosenbach. Sie hatte nach eigenen Angaben im Hintergrund von Sicherheitsbedenken gehört, aber fest erwartet, dass aufgrund der Erfahrungen der vergangenen 14 Jahre und nach den vielen Verbesserungen eine Lösung gefunden wird.

Rückschlag für die Maiwoche

Die Marketingchefin befürchtet einen Rückschlag für die Maiwoche. Sie erinnerte an einen Workshop vor zwei Jahren, in dem alle Maiwochen-Beteiligten gemeinsam ein Konzept für ein lebendiges und zukunftsfestes Stadtfest erarbeitet hatten. Kernpunkte waren zum Beispiel mehr Lokalkolorit, ein breiteres Angebot für unterschiedliche Zielgruppen, mehr Raum für Kinder und Familien. Das Maidorf in seiner Einmaligkeit und Ausstrahlung ist ein fester Bestandteil dieses Konzeptes.

Noch ein Food-Court?

Eine gleichwertige Alternative sieht Rosenbach nicht. Der Gedanke, den Platz hinter der Stadtbibliothek in diesem Jahr mit einem Food-Court zu bespielen, ist nach ihrer Ansicht nicht optimal. Denn Veranstalter Christoph Sierp bietet auf der Großen Straße ebenfalls einen Food-Circus. Die beiden Kulinaria-Meilen würden sich Konkurrenz machen. Maidorf-Betreiber Frederik Heede hat im Vergabeverfahren die Fläche unterhalb der Stadtbibliothek erhalten und muss sie zur Maiwoche irgendwie bespielen.

Sierp: Zweiter Food-Court keine Alternative

Auch Sierp hält nichts von der Idee eines weiteren Food-Courts am Platz des Westfälischen Friedens. Ein solches Konzept setzt der Eventmanager bereits an der Großen Straße um. „Da muss ich überlegen, ob ich mein Konzept überarbeite – oder ganz weglasse“, sagte Sierp im Gespräch mit unserer Redaktion. Zweimal dasselbe Konzept auf einem Stadtfest hält er für unangebracht.

Absage „zum Kotzen“

Verständnis für die Absage an das Maidorf hat Sierp nicht. „Das ist eine Frechheit – zum Kotzen.“ Sierp ist ein großer Beschicker auf der Maiwoche – für den kompletten Bereich zwischen Neumarkt und Domhof. Maidorf Betreiber Frederik Heede habe sein Konzept in 14 Jahren aufgebaut und stets verbessert sowie die ständig gestiegenen Auflagen erfüllt, so Sierp. „14 Jahre lang war das sicher – warum nicht im 15.?“

Sierp zufolge ist das Maidorf mit seiner Anziehungskraft ein Höhepunkt der Maiwoche. „Daher habe ich wenig Verständnis für die Entscheidung.“ Den Vorwurf richtet er direkt an die Politik und Verwaltung. „Auf der anderen Seite kann ich aber auch verstehen, wenn städtische Mitarbeiter nicht den Kopf dafür hinhalten wollen.“

Feuerwehr verweist an Bauaufsicht

Die Feuerwehr will sich zu der Absage ans Maidorf nicht äußern und verweist an die Bauaufsicht. Zwar nimmt die Feuerwehr die Maiwoche Jahr für Jahr ab, „aber immer nur für die Bauaufsicht“, sagte Feuerwehrchef Dietrich Bettenbrock auf Anfrage unserer Redaktion – und spielte den Ball damit zurück an Stadtbaurat Otte.

Facebook-Nutzer feinden Otte an

Auf der unserer Facebookseite stieß die Absage an das Maidorf auf ein geteiltes Echo mit differenzierten Kommentaren. Das Gros der mehr als 200 Kommentatoren zeigt sich nicht sonderlich verständnisvoll. Viele Mitglieder feinden Stadtbaurat Frank Otte an. „Wir leben in einer Zeit, in der der Bürger nicht mehr zur Selbstständigkeit gefordert, sondern mit Verboten bemuttert wird“, schreibt das Mitglied Kai Mo. René Wieczorek schreibt: „Eine Frechheit! Das beste Event im Jahr zu schließen. Die Sicherheit war die letzten Jahre immer gewehrleistet! Frank Otten wird sehen was er sich für ein Eigentor geschossen hat.“ André Overbeck meint: „Was ist nur aus der Maiwoche geworden? Keine Bands mehr am Herrenteichswall, kaum Bands die man noch kennt und jetzt auch noch Tschüß Maidorf.“

Es gibt aber andere Stimmen. So schreibt Iris Höne: „Das Maidorf werde ich nicht vermissen. Die anderen Bühnen machen für mich den Charakter der Maiwoche aus. Ich freue mich darauf.“ Thomas Richter findet die Entscheidung gut. „Vielleicht kehrt die Maiwoche dann zu ihrem ursprünglichen Charakter eines lockeren Straßenfestes zurück. Leider hat das Maidorf von der Maiwoche so viele Gäste abgezogen, dass viele Marktgeschäfte keine ausreichenden Gewinne mehr erwirtschaften konnten.“ Und Rocky Beauregard meint: „Vielleicht gibt’s dann ja endlich mal wieder das, was die Maiwoche immer ausgemacht hat. Ne Bühne mit richtig geilen Bands.“

Facebookgruppe pro Maidorf

Am Mittwoch formierte sich derweil Protest im Internet: Auf Facebook gründete die Alando Gastro GmbH von Frederik Heede die Seite „Wir wollen das Maidorf Osnabrück!“.

Paukenschlag am Dienstag

Am Dienstag hatte Stadtbaurat Frank Otte in einer Pressekonferenz mitgeteilt, dass es 2018 kein Maidorf auf der Maiwoche geben werden. Aus Sicherheitsgründen habe er die Genehmigung verweigert. Otte habe aber noch „ein Fünkchen Hoffnung“ für das Maidorf, sofern der TÜV bis Ende März seinen Stempel auf die Bauunterlagen drücke.


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