Versammlung in Osnabrück Paracelsus-Sanierer wollen im Februar Plan vorstellen

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Zeichen der Solidarität: Plakat von Patienten der Paracelsus-Klinik Scheidegg am Bodensee. Foto: nnZeichen der Solidarität: Plakat von Patienten der Paracelsus-Klinik Scheidegg am Bodensee. Foto: nn

Osnabrück. Die Mitarbeiter der Paracelsus-Klinik in Osnabrück blicken gespannt auf den 30. Januar. Dann wollen die Sanierer in einer Mitarbeiterversammlung über den Stand des Insolvenzverfahrens berichten. Es deutet sich an, dass auch im Stammhaus am Natruper Holz Einschnitte nötig sein werden.

Der wichtigste Mann im Paracelsus-Konzern ist zurzeit Reinhard Wichels, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens WMC Healthcare in München. Wichels hat im vergangenen Jahr den Paracelsus-Konzern durchleuchtet und ein Sanierungskonzept erarbeitet. Es wurde aber nicht umgesetzt. Stattdessen: Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung.

Wichels stehen zwei Sanierungsexperten zur Seite, Andreas Ziegenhagen und Daniel F. Fritz von der Wirtschaftskanzlei Dentons in Frankfurt. Aber alle drei Sanierer und der verbliebene Geschäftsführer Michael Schlickum können nichts ohne Zustimmung der Gläubiger und des vom Gericht bestellten Sachwalters Rainer Eckert aus Hannover auf den Weg bringen. In einer Gläubigerversammlung ist ein Gläubigerausschuss berufen worden, der ein Auge auf die Arbeit der Sanierer hält.

Wird der Konzern zerschlagen?

Wichels hält sich mit öffentlichen Aussagen über die Zukunft des Konzerns zurück. Was aus dem Hause Paracelsus nach außen dringt, lässt alles offen – eine Zerschlagung der Unternehmensgruppe ebenso wie eine Weiterführung aller Häuser in schlankeren Strukturen. Spekuliert wird in Fachkreisen über einen Verkauf der wirtschaftlich gesunden Reha-Sparte in der Para-Holding. Die Median-Gruppe etwa, Deutschlands größter privater Reha-Konzern in Besitz eines niederländischen Hegde-Fonds, ist seit Jahren auf Einkaufstour.

Klarheit im Laufe des Februar

Das Insolvenzverfahren in Eigenregie schützt ein ins Trudeln geratenes Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger und gibt ihm drei Monate Zeit, selbst einen Weg aus der Krise zu suchen. Diese Frist läuft für die Para-Kliniken im März ab. Im Laufe des Februar will Wichels öffentlich erklären, wie er sich den künftigen Weg des Para-Konzerns vorstellt. Anschließend prüfen die Gläubiger den Restrukturierungsplan –und heben oder senken den Daumen. Es geht um die Arbeitsplätze von 5200 Mitarbeitern an 40 Standorten in Deutschland und der Schweiz.

Im Stammhaus in Osnabrück arbeiten 445 Menschen, weitere 70 sind in der Konzernzentrale an der Sedanstraße beschäftigt. Das Haus am Natruper Holz gehört zu dem halben Dutzend Akut-Krankenhäusern in der Paracelsus-Gruppe, das rote Zahlen schreibt und den Konzern in Schieflage gebracht hat. Experten sehen eine Ursache für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Aufblähung der Fachabteilungen. „Alle Spezialisierung hilft nichts, wenn einzelne Fachabteilungen nur noch 500 Patienten oder weniger im Jahr behandeln“, zitierte die Nachrichtenagentur dpa kürzlich Sanierer Wichels. Es läuft darauf hinaus, dass auch das Stammhaus des Para-Konzerns sein Leistungsspektrum reduziert. Ob das auch mit Stellenstreichungen und betriebsbedingten Kündigungen verbunden sein wird, ist unklar.

Das Personal halten

Einen Personalabbau will die Gewerkschaft Verdi unbedingt verhindern, zumal die Personaldecke schon heute „sehr dünn“ istl, wie Verdi-Gewerkschafterin Sylvia Bühler sagt. Aber auch die Sanierer wollen das hoch qualifizierte Personal an Bord behalten. Anzeichen für eine größere Abwanderungsbewegung gibt es offenbar nicht. Im Gegenteil. Wie die Konzernpressestelle meldete, hat in Osnabrück Anfang des Jahres ein neuer Pflegedienstleiter die Arbeit aufgenommen. Werner Murza kam von den Alexianer-Kliniken in Eydelstädt. Zeitgleich mit ihm haben zwei Oberärzte, ein Assistenzarzt und ein Medizin-Controller ihren Dienst in der Para-Klinik am Natruper Holz angetreten.

Kritik an Krukemeyer

Abgetaucht ist der Alleingesellschafter der Paracelsus-Kliniken, Manfred Georg Krukemeyer, der den Sanierern das Feld komplett überlassen hat. Krukemeyer wird angelastet, durch Sprunghaftigkeit und eine verfehlte Strategie den Konzern in die Krise geführt zu haben. Als am 21. Dezember vergangenen Jahres die Mitarbeiter in Osnabrück in einer Betriebsversammlung über den Insolvenzantrag informiert wurden, rührten sich die Hände nur einmal zum Applaus: Als mitgeteilt wurde, dass sich der Konzern-Inhaber aus dem operativen Geschäft zurückgezogen habe.

Krukemeyer gilt als unberechenbar. „Ein falsches Wort, und schon wurde der betreffende Verwaltungschef von Herrn Krukemeyer gefeuert“, zitierte das „Hamburger Abendblatt“ einen ehemaligen leitenden Mitarbeiter. „Es gehörte nicht viel dazu, bei dem Konzernchef in Ungnade zu fallen.“ Nach Angaben von Verdi lag die durchschnittliche Verweildauer von Geschäftsführern in der Para-Gruppe vor der Insolvenz bei 13 Monaten.

Patienten fühlen mit

Der Betrieb in den Paracelsus-Kliniken läuft zurzeit ohne Einschränkungen. Die Patienten werden in gewohnter Qualität betreut. In der Reha-Klinik in Scheidegg bei Lindau am Bodensee stärkten die Patienten in den ersten Tagen nach dem Insolvenzantrag mit einem Plakat den verunsicherten Mitarbeitern den Rücken: „Sie machen einen excellenten und für uns wichtigen Job. Dafür danken wir Ihnen und fühlen uns solidarisch mit Ihnen.“ Darunter zahlreiche Unterschriften.


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