zuletzt aktualisiert vor

Aus Sicherheitsgründen 2018 kein Maidorf auf der Maiwoche in Osnabrück

Von Wilfried Hinrichs

Maidorf 2012. Foto: Egmont SeilerMaidorf 2012. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Auf der Maiwoche 2018 wird es kein Maidorf geben. Die Stadt hat aus Sicherheitsgründen die Genehmigung versagt. Das teilte Stadtbaurat Frank Otte am Dienstag mit.

Damit verliert das größte Straßenfest in Nordwestdeutschland nach 14 Jahren eines seiner wichtigsten Anziehungspunkte. Betreiber Frederik Heede hat zwar noch „ein Fünkchen Hoffnung“, wie er am Dienstag während einer Pressekonferenz sagte. Aber dieses Fünkchen dürfte spätestens Ende März verglühen. Wenn der TÜV bis dahin nicht seinen Stempel auf die Bauunterlagen drückt, ist das Maidorf in diesem Jahr nicht mehr zu retten.

„Wir nehmen uns die Zeit, um für 2019 ein tragfähiges Konzept umzusetzen“, sagte Stadtbaurat Frank Otte. In diesem Jahr wird es anstelle des Maidorfes wahrscheinlich ein Food-Court auf dem Platz des Westfälischen Friedens geben. Aber keine Bühne, kein Zeltdach, keine Theken – wie es das Maidorf von Alando-Inhaber Heede geboten hat.

Nach und nach verbessert

Das Maidorf habe immer mehr Besucher angezogen. Von Jahr zu Jahr habe Betreiber Heede in Absprache mit der Stadt die Sicherheitsvorkehrungen verbessert. Der Brandschutz, die Fluchtwege, die Windlasten – Stück für Stück sei das Maidorf optimiert worden. Nach dem Loveparade-Unglück in Duisburg führte Heede verschärfte Einlasskontrollen ein, um eine Überfüllung des Maidorfes zu verhindern. Erstmals durften zeitgleich nur 1400 Gäste ins Dorf, zusätzlich zu den 308 VIP-Gästen mit reservierten Sitzplätzen. Früher gab es diese Einlasssteuerung nicht. Die Folge: Das Maidorf platzte aus allen Nähten. Im Schnitt besuchten das Maidorf im Innenhof der Stadtbibliothek am Markt während einer Maiwoche zwischen 70000 und 80000 Besucher.

Eigenbau mit Eigenarten

Das Maidorf ist kein Standard-Festzelt, sondern ein Eigenbau, der den besonderen Bedingungen auf dem engen Platz mit dem Brunnen in der Mitte angepasst ist. Rechtlich gehört das Maidorf in die Kategorie der „Fliegenden Bauten“ wie Fahrgeschäfte oder Karussells. Für sie gelten nach der Landesbauordnung besondere rechtliche, statische und konstruktive Vorschriften. Bevor sie das erste Mal aufgestellt werden, ist ein Prüf- oder Baubuch zu erstellen, in dem alle Auflagen und jedes Baudetail registriert sind. Beim Maidorf liegen für die einzelnen Baugruppen wie Zeltdach, Leinwand, Boden und Balkon solche Baubücher vor. Was bisher fehlt, ist die Zusammenfassung in einem Baubuch für das gesamte Maidorf und die Unterschrift der zuständigen Baubehörde. Das ist die Stadt in Person des Stadtbaurates.

Frank Otte ist zur Unterschrift bereit, wenn zuvor der TÜV seinen Segen gibt. Das TÜV-Siegel fehlt bisher. Der Grund, so Heede: „Es gibt beim TÜV Norddeutschland nur einen einzigen Mitarbeiter, der für Fliegende Bauten zuständig ist.“ Das sei angesichts der Komplexität der Aufgabe einfach zu wenig.

Heede ließ während der Pressekonferenz ein Sicherheitsproblem durchblicken: Die Traversen aus Aluminium halten im Brandfall nicht, wie von der Stadt gefordert, mindestens 90 Minuten einer großen Hitze stand. Das Maidorf selbst könne binnen vier Minuten evakuiert werden, so Heede. Die Berufsfeuerwehr habe das Maidorf jedes Mal sehr genau geprüft und täglich zwei Mann zur Aufsicht abgestellt.

Neues Maidorf 2019?

Der Stadtbaurat bemühte sich in der Pressekonferenz, Befürchtungen zu zerstreuen, das Maidorf könnte in den vergangenen Jahren nicht sicher gewesen sein. Er räumte ein, dass er die Genehmigung in den Vorjahren „mit Bauchschmerzen“ erteilt habe. Dennoch: „Die Sicherheit war gewährleistet“, versicherte Otte. Aber die wachsende Sensibilität in der Öffentlichkeit und bei Behörden hätten ihn veranlasst, in diesem Jahr die Genehmigung zu versagen. Er äußerte die Hoffnung, dass 2019 ein neues Maidorf entsteht, „das den Besuchern und dem Betreibern Spaß macht und das uns alle ruhig schlafen lässt“.

Frederik Heede äußerte sich „sehr, sehr enttäuscht“ über die Entwicklung:. „Das ist unser Baby, wir haben das Maidorf über 14 Jahre zum Erfolg geführt und zu einem wichtigen Teil der Maiwoche gemacht. Das ist einfach nur schade.“

Ledenhof als neuer Standort?

Als Alternative zieht die Stadt ein Maidorf auf dem Ledenhof in Betracht. Am Wochenende werde ein Interessensbekundungsverfahren in Gang gesetzt, sagte Sandra Solf, Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung. Veranstalter können sich bei der Stadt mit einem Konzept für den Ledenhof bewerben. Für Frederik Heede kommt das nicht infrage. Der Platz liege zu weit abseits. Außerdem wäre einew Art Maidorf auf dem Ledenhof in so kurzer Zeit nicht umsetzbar.

Die Maiwoche beginnt an Christi Himmelfahrt (10. Mai) und endet Pfingstmontag (21. Mai).