Gemeinsam gegen Rechtsruck Ausstellung „Yalla!?“ im Osnabrücker Gewerkschaftshaus

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Osnabrück. Nach einem lautstark tönenden Demonstrationszug vom Theater zum Ausstellungsort ist am Montagabend im Gewerkschaftshaus die Wanderausstellung „yallah!?“ – über die Balkanroute“ eröffnet worden.

Eine bunt gemischte, breit aufgestellte Gruppe aus 15 Kooperationspartnern vom Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge (NFTN) über die Initiative No Lager, das Ickerweg-Committe und den Bramscher Verein Amal bis hin zum Osnabrücker Flüchtlingszentrum Exil hat es mit Unterstützung des Friedensbüros der Stadt ermöglicht, dass die in Göttingen von Studierenden und Geflüchteten gemeinsam konzipierte Ausstellung ab sofort auch zwei Wochen lang in Osnabrück zu sehen ist.

Auf insgesamt 30, über mehrere Etagen verteilten Aufstellern erinnern im Foyer und Treppenhaus des DGB-Hauses noch bis einschließlich Mittwoch, 7. Februar, Texte, ergänzende Kunstwerke, Videos sowie Tonaufzeichnungen von Betroffenen an den „langen Sommer der Migration“ von 2015 und stellen gleichzeitig dar, was inzwischen daraus geworden ist.

Gewaltfreies Trommeln

Die Entstehung des als „Balkanroute“ bekannt gewordenen Fluchtkorridors durch Südosteuropa habe den „Rassismus der EU sichtbar gemacht“, der Menschen unter anderem nach ihrer Herkunft sortiere, sagte Mira Braun vom federführenden Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung (kritnet). Einer Politik nationaler Interessen stünden aber auf zivilgesellschaftlicher Ebene „unzählige Netzwerke“ gegenüber, die sich mit den Geflüchteten solidarisierten und sie unterstützten.

Gegen Nationalismus und jede Abschiebung („Stop Deportation“) richtete sich auch ein angemeldeter Demonstrationszug, der sich im Vorfeld der Ausstellungseröffnung vom Theater am Gericht vorbei bis hin zum Ausstellungsort bewegte. Angeführt wurde der Zug, der aus rund 50 Demonstranten bestand, von acht pfeifenden und trommelnden Mitgliedern der transnationalen und seit 15 Jahren auch in Osnabrück vertretenen Formation „Rhythms of Resistance“, die jeden Dienstagabend in der Alex-Skatehall probt. Die Musiker stehen für gewaltfreien Protest, was sie unter anderem durch ihre in freundliche Rosa- und Silbertöne gehaltene Kleidung zur Schau stellen.

Signal zum Aufbruch

Der „Spaltung als Herrschaftsinstrument“ aktiv entgegenzuwirken, indem man „Bleiberecht organisiert“ und „Abschiebungen verhindert“, forderte Maike Schmidt vom lokalen Ableger des weltweiten Netzwerks Solidarity City, das sich für eine für alle offene und lebenswerte Stadt einsetzt und die Demonstration organisierte hatte. „Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“, zitierte sie Bertold Brecht, um darauf hinzuweisen, dass die „wichtigsten Kämpfe“ gegen den ihrer Ansicht nach allgegenwärtigen und nicht nur Flüchtlinge betreffenden politischen Rechtsruck „alltäglich und an vielen Orten“ stattfänden.

Im Gewerkschaftshaus wurde am Montagabend die Wanderausstellung „Yallah!? – über die Balkanroute“ eröffnet. Foto: Michael Gründel

Der Titel der Ausstellung könne dabei zum Motto und Aufbruchssignal werden. Denn der vielschichtige arabische Begriff „Yallah“ bedeutet unter anderem auch „Lass uns zusammen gehen“. Auch für Gewerkschaften sei der „Kampf um Menschen keine Floskel“, betonte Nicole Verlage vom DGB-Stadtverband als Gastgeberin. Jede Person habe die gleichen Rechte und Pflichten, und es lohne sich, miteinander dafür zu kämpfen.


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