Prozess um sexuelle Nötigung Landgericht Osnabrück lehnt Beweisanträge ab

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Das Landgericht Osnabrück wies am Donnerstag fünf von sechs weiteren Beweisanträgen der Verteidigung zurück. Foto: Friso Gentsch/dpaDas Landgericht Osnabrück wies am Donnerstag fünf von sechs weiteren Beweisanträgen der Verteidigung zurück. Foto: Friso Gentsch/dpa

Im Prozess um die mehrfache sexuelle Nötigung einer 15-Jährigen durch einen 40-jährigen Angeklagten hat das Landgericht Osnabrück mehrere Beweisanträge der Verteidigung abgelehnt.

Am vorhergehenden Verhandlungstag hatte die Verteidigung ein Verständigungsangebot abgelehnt und stattdessen sechs weitere Beweisanträge gestellt.

Posttraumatische Belastungsstörung

Unter anderem strebte die Verteidigung die Einholung eines psychiatrischen Sachverständigengutachtens über den Angeklagten ein. Hintergrund: Der 40-Jährige war 2002 vom Ex-Mann der Mutter des mutmaßlichen Opfers aus Eifersucht mit einem Messer lebensgefährlich verletzt worden. Wie damals festgestellt wurde, resultierte daraus eine posttraumatische Belastungsstörung. Als der Angeklagte am 20. März 2017 von Mutter und Tochter mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, sich an der Jugendlichen vergangen zu haben, soll er beide mit einem Messer bedroht haben, wie es in der Anklageverlesung zu Prozessauftakt hieß. Während des Verfahrens räumte der 40-Jährige diesen Vorfall ein, wies aber die Anschuldigungen der mehrfachen sexuellen Nötigungen zurück.

Die Verteidigung argumentierte, dass der Mann seinerzeit unter Einwirkung der posttraumatischen Belastungsstörung stand und somit vermindert schuldfähig sei. Das Gericht lehnte den Antrag jedoch ab. Zum einen sah die Kammer in diesem Fall „genug eigene Sachkunde“ und zum anderen keine Anhaltspunkte, dass sich nach 15 Jahren eine Störung entwickelt hätte, die Auswirkungen auf den Vorfall gehabt haben könnte.

Umstände bereits erwiesen

Daneben hatte die Verteidigung beantragt, weitere Zeugen aus dem Umfeld der heute 16-Jährigen anzuhören. Auch dies lehnte das Gericht ab, da davon keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten seien.

Ähnlich verhielt es sich mit einem Chatverlauf zwischen der Mutter und dem Angeklagten. Dieser sollte nach dem Willen des Verteidigers komplett verlesen werden, um zu beweisen, dass es auch nach dem Vorfall vom 20. März noch Kontakt zwischen beiden gab. Die Mutter hatte dies zunächst bestritten, bei ihrer Aussage später aber eingeräumt, dass sie den Angeklagten, mit dem sie ein gemeinsames Baby hat, tatsächlich gelegentlich getroffen und mit ihm Nachrichten ausgetauscht hat.

Stattgegeben wurde dem Antrag, eine Ortsbegehung der Wohnung durchzuführen. Dabei soll festgestellt werden, wie die akustischen Verhältnisse vor Ort sind. Die Mutter sowie zwei Schwestern des mutmaßlichen Opfers hatten in ihrer Aussage bestritten, dass die Räume hellhörig genug sind, um bei geschlossenen Türen mitbekommen zu können, was in anderen Räumen vor sich geht.


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