Ameos-Treffpunkt Osnabrück Ausstellung als Appell gegen Ausgrenzung und Abwertung

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Spurensuche 
              
              „von Papenburg nach Neuruppin“: Hannah Bischof, hier im Gespräch mit Ameos-Treffpunkt-Leiterin Katja Watermann (rechts) bei der Ausstellungseröffnung, hat den Lebens- und Leidensweg ihrer Großmutter in Bilder gefasst. Foto: Thomas OsterfeldSpurensuche „von Papenburg nach Neuruppin“: Hannah Bischof, hier im Gespräch mit Ameos-Treffpunkt-Leiterin Katja Watermann (rechts) bei der Ausstellungseröffnung, hat den Lebens- und Leidensweg ihrer Großmutter in Bilder gefasst. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Unter dem Titel „Von Papenburg nach Neuruppin“ präsentiert die Berliner Künstlerin Hannah Bischof im Treffpunkt für Kunst und Kultur des Ameos-Klinikums Gemälde und Fotografien, die in Erinnerung an ihre von den Nationalsozialisten ermordete Großmutter entstanden sind.

Der Ausstellungsort ist mit Bedacht gewählt. Denn 1922 wurde die damals 17-jährige, in Papenburg geborene und aufgewachsene Maria Fenski mit der Diagnose „Jugendirrsinn“ in die damalige „Irrenanstalt“ am Gertrudenberg eingewiesen. Nach einem halben Jahr wurde sie untherapiert entlassen, galt aber als „gebessert“.

Die Krankenakte aus Osnabrück, die ihre Tochter 2003 bekommen hatte, erlaubte es der Künstlerin, auch alle anderen Stationen des Lebens- und Leidensweges ihrer Großmutter nachzuvollziehen. Diese hatte 1927 geheiratet, war mit ihrem Mann Josef zunächst nach Hamburg-Harburg und später nach Berlin gezogen und hatte drei Kinder zur Welt gebracht.

„Ballastexistenzen“ beseitigt

Hannah Bischof machte sich im Zuge ihrer Recherchen auch auf den Weg nach Neuruppin, wohin ihre Großmutter nach mehreren Aufenthalten in verschiedenen psychiatrischen Anstalten 1941 verlegt worden war. Ein Jahr später starb sie – offiziell an „Herzmuskelentartung“. Aber die Künstlerin ist davon überzeugt, dass ihre „verrückte Großmutter“ Opfer der nach der sogenannten „Euthanasie-Villa“ in der Berliner Tiergartenstraße Nummer 4 benannten „T4-Aktion“ der Nationalsozialisten wurde.

Mit am Ende nur noch 42 Kilo Gewicht habe man sie dort den Hungertod sterben lassen, wo man bis heute das Wort „Mord“ dafür nicht in den Mund nehmen mag, wie Hannah Bischof von der Endstation ihrer Spurensuche berichtete. Dabei hätten die gezielten Tötungen von körperlich und geistig Behinderten, die als „unnütze Esser“ oder „Ballastexistenzen“ eingestuft wurden, zu den ersten Massenmorden im Dritten Reich gehört.

Den Anfängen wehren

Mit ihrer Ausstellung, die anhand von elf familienhistorischen Schwarz-Weiß-Fotografien und 16 Gemälden, die seit dem Jahr 2011 mal mit, mal ohne expliziten Bezug entstanden sind, die Geschichte ihrer Großmutter erzählt, verknüpft die Künstlerin eine Botschaft, die über die persönliche Aufarbeitung der Familiengeschichte hinausgeht. Auch mit Blick auf aktuelle politische Entwicklungen will Hannah Bischof ihre Ausstellung als „Aufforderung an die Gesellschaft“ verstanden wissen, „Ausgrenzung und Abwertung von Menschen, die anders sind und nicht der Norm entsprechen, nicht hinzunehmen, sondern zu bekämpfen“. Jedes Leben sei es wert, gelebt zu werden, und es gelte, sich daran zu erinnern, damit es nie wieder passiert, dass „Menschen nach ihrem ‚Wert‘ oder ‚Unwert‘ für eine Gesellschaft bemessen werden“.

Vergangenheit aufarbeiten

Noch bis Mitte März ist der Zyklus „Von Papenburg nach Neuruppin“ im Treffpunkt für Kunst und Kultur am Gertrudenberg zu sehen. Die ehemalige „Heil- und Pflegeanstalt zu Osnabrück“ feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Die aktuelle Ausstellung zeige auch, dass die dunklen Kapitel des Hauses nicht tabuisiert, sondern aufgearbeitet werden, wie der heutige Ameos-Klinikleiter Ralph Ehring anlässlich der Vernissage betonte.


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