Projekt in der Bramscher Straße Unten Obdachlose, oben Mietwohnungen: Stephanswerk baut in Osnabrück



Osnabrück. Wohngruppen für Obdachlose im Erdgeschoss und 15 bezahlbare Wohnungen verschiedener Größen in den drei Obergeschossen: Das Stephanswerk will in der nördlichen Bramscher Straße in Osnabrück ein Haus bauen, das Seinesgleichen sucht.

Entstehen soll das Gebäude auf dem Gelände der Gärtnerei Trentmann. Der alte Verkaufspavillon wird dafür abgerissen, erläutert Stephanswerk-Geschäftsführer Ulrich Saremba. Der Bauantrag sei gestellt, er rechne mit einer Genehmigung im Laufe des Februars. Ziel sei eine Fertigstellung im Frühjahr 2019.

Ambulante Wohnungslosenhilfe

Der katholische Verein für soziale Dienste (SKM) will das gesamte Erdgeschoss für die Wohnungslosenhilfe anmieten, sagt SKM-Geschäftsführer Michael Strob. Geplant sind zwei Vierer-Wohngemeinschaften für Menschen, die nach einer Zeit der Obdachlosigkeit so leicht keine richtige Wohnung mehr finden. Auch ältere Wohnungslose könnten dort gut einziehen, meint Strob. Jeder Bewohner soll ein eigenes Zimmer mit eigener Nasszelle und Küchenzeile bekommen, so der Plan. Der SKM übernimmt die Betreuung.

15 Wohnungen zwischen 33 und 80 Quadratmetern Größe

In dem Neubau an der Bramscher Straße sollen über einen zweiten Eingang die übrigen Mieter in die drei Obergeschosse gelangen. Die 15 Wohnungen werden zwischen 33 und knapp 80 Quadratmeter groß sein, erläutert Saremba, teilweise ausgestattet mit zwei Kinderzimmern. Das Stephanswerk hat bei der Planung darauf geachtet, die Wohnfläche so groß wie möglich zu gestalten und Bereiche wie den Flur auf das Nötigste zu reduzieren. Die Mieterauswahl solle „sozial verträglich“ sein, sagt Saremba. Die Höhe der Mieten stehe noch nicht fest. Klar ist aber, dass das Stephanswerk nicht viel daran verdienen will. „Die Idee ist, dass das Haus sich selbst finanziert“, so Saremba. Auf eine Querfinanzierung, zum Beispiel durch höhere Mieten in einem anderen Objekt, wolle die Wohnungsbaugesellschaft verzichten.

Günstiges Grundstück

Möglich ist all das, weil auch der Grundstückseigentümer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, nicht auf Profit aus ist. „Er hat uns das Grundstück zu einem für das Projekt zuträglichen Preis überlassen“, sagt Saremba. Der Stephanswerk-Geschäftsführer hofft, noch weitere Unternehmen zu finden, die das Projekt unterstützen, indem sie die Gewinnspanne auf ein Minimum reduzieren. „Wir haben schon den einen oder anderen gefunden, der helfen möchte.“

Caritas-Resolution für mehr bezahlbaren Wohnraum

Ins Rollen gebracht wurde das Projekt durch eine Resolution für mehr bezahlbaren Wohnraum, die der Caritasverband für die Diözese Osnabrück im November 2016 verabschiedete. Das Stephanswerk befindet sich selbst in Trägerschaft des Bistums Osnabrück, der Bischof ist gewissermaßen Chef. Der SKM wiederum ist der Fachverband der Caritas für die Wohnungslosenhilfe in Osnabrück – so kam eines zum anderen. Auch in anderen Häusern im Stadtgebiet betreut der SKM in der ambulanten Wohnungslosenhilfe rund 30 Wohnungen, in denen die zuvor Obdachlosen das eigenverantwortliche Wohnen wieder lernen sollen. Doch an solche Mietwohnungen zu kommen, werde für den SKM angesichts der hohen Baukosten und Mieten immer schwieriger, sagt Strob.

Weitere Projekte in Hellern

In Hellern hat das Stephanswerk bereits ein Zweifamilienhaus mit Nettokaltmieten in Höhe von sechs Euro pro Quadratmeter errichtet, an dem es nichts verdient – um auszuloten, was im Wohnungsbau möglich wäre, wenn Unternehmen auf große Gewinne verzichten. Im Bau befindlich ist, ebenfalls in Hellern, außerdem ein Haus, in dem fünf Sozialwohnungen entstehen. Mit dem Projekt an der Bramscher Straße geht die Wohnungsbaugesellschaft einen Schritt weiter. „Wir wollen gucken, ob es uns gelingt, ein großes Projekt zu realisieren – mit einer noch schwierigeren Nutzung“, sagt Saremba. Das Investitionsvolumen betrage voraussichtlich mehr als 2,5 Millionen Euro.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN