Netzwerk und Ideal zugleich Gegen Abschiebungen: Was hinter „Solidarity City Osnabrück“ steckt

Von Sandra Dorn

Einsatz gegen Abschiebung: Solidarity City führte im November 2017 die Aktion „#Schlafenlassen“ durch. Foto: EbenerEinsatz gegen Abschiebung: Solidarity City führte im November 2017 die Aktion „#Schlafenlassen“ durch. Foto: Ebener

Osnabrück. Sie setzen sich ein für eine Stadt, aus der kein Mensch abgeschoben wird und in der alle das gleiche Recht auf Teilhabe haben. In 14 Städten in Deutschland gibt es solche „Solidarity City“-Initiativen bereits, eine davon ist Osnabrück.

„Solidarity City“ (deutsch: Stadt der Solidarität) ist in Osnabrück keine feste Gruppe und auch kein Verein. „Es ist eher ein Netzwerk oder ein Ideal“, sagt „Solidarity-City“-Sprecherin Sarah Marks. Jeden Montag um 19 Uhr treffen sich diejenigen, die sich davon angesprochen fühlen, zur Plenumssitzung im autonomen Zentrum „Substanz“.

„Bei Soldarity City denke ich an alle Menschen in der Stadt“, sagt Marks. „Geflüchtete, Menschen die auf der Straße leben – alle sollen teilhaben können.“ Es gehe darum, Mitspracherechte zu ermöglichen, sozialen Wohnraum oder Barrierefreiheit im weitesten Sinne.

Die Idee stammt aus dem kanadischen Toronto. 2013 erklärte der City Council – die Stadtregierung – Toronto zur „Sanctuary City“. Menschen ohne Dokumente müssen dort nicht fürchten, dass die Polizei ihren Aufenthaltsstatus überprüft.

Seit Sommer 2017

In Osnabrück ging die „Solidarity City“-Initiative aus der „Open Border“-Gruppe hervor, die sich für Flüchtlinge auf der Balkanroute eingesetzt hatte, erläutert Marks. Vor etwa zwei Jahren sei der Begriff „Solidarity City“ dort erstmals aufgekommen, seit Sommer 2017 fänden die regelmäßigen Plenumssitzungen statt. Im November führte die Bewegung zusammen mit der Anti-Abschiebe-Organisation „No Lager“ in der Osnabrücker Fußgängerzone die Aktion „#Schlafenlassen“ durch und trat damit erstmals öffentlich in Erscheinung. Die Teilnehmer machten mit Sketchen darauf aufmerksam, dass von Abschiebung bedrohte Flüchtlinge kaum durchschlafen können.

Wanderausstellung „Yallah?!“

Bei einem der Solidarity-City-Treffen sei dann die Rede auf eine Wanderausstellung gekommen, die Studenten der Universität Göttingen zusammen mit Flüchtlingen, Künstlern und politisch Engagierten konzipiert haben, sagt Marks. „Yallah!? Über die Balkanroute“ heißt der Ausstellung, die die Erfahrungen von Geflüchteten zeigt – vom Sommer 2015 über die Grenzschließung bis zum heutigen Leben in Lagern. Am Montag, 22. Januar, wird die Schau um 18 Uhr im Osnabrücker Gewerkschaftshaus eröffnet. Bis zum 7. Februar finden begleitend verschiedene Vorträge statt (hier geht es zum Programm). Etliche Gruppen haben das ermöglicht – vom DGB über den Exilverein und das IMIS bis hin zur Stadt Osnabrück. Diese Vielfalt entspreche genau dem Grundgedanken des Netzwerks, sagt Marks.

Wo soll „Solidarity City Osnabrück“ in einem Jahr stehen, wenn es nach ihr geht? „Ich würde mir wünschen, dass die Menschen, die jetzt hier leben, auch noch 2019 hier sind und die Chance haben, hier zu arbeiten, eine Wohnung zu finden und sich hier zu integrieren.“

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