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Der Steinkauz kehrt nach Osnabrück zurück Schüler zählen von Jahr zu Jahr mehr Brutpaare

Von Carolin Hlawatsch

Anstoßen mit Apfelsaft von Streuobstwiesen. Über den Erfolg des Steinkauz-Schutzprojektes freuen sich (von links) Gerhard Kooiker, Fritz Brinkmeyer, Simon Oberbeckmann, Friedhelm Scheel und Ramona Amme. Foto: Klaus LindemannAnstoßen mit Apfelsaft von Streuobstwiesen. Über den Erfolg des Steinkauz-Schutzprojektes freuen sich (von links) Gerhard Kooiker, Fritz Brinkmeyer, Simon Oberbeckmann, Friedhelm Scheel und Ramona Amme. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Das ist ein Grund zum Anstoßen, natürlich mit Apfelsaft von Streuobstwiesen. Diese immer seltener werdenden Wiesen sind idealer Lebensraum für den vom Aussterben bedrohten Steinkauz, dessen Bestandsentwicklung in und um Osnabrück wieder eine positive Tendenz zeigt.

Zu verdanken ist dies der AG-Natur des Kardinal-von-Galen Gymnasiums Mettingen, die seit ihrer Gründung im Jahr 2004 dem Steinkauz Nisthilfen anbietet und ihn dadurch von Nordrhein-Westfalen, wo er noch häufiger vorkommt, zurück nach Niedersachsen lockt.

„Wenn man sich klarmacht, wie hilflos diese kleinen Eulen sind, weil viele alte Bäume mit Höhlen drin gefällt werden und ihnen somit die Brutmöglichkeiten verloren gehen, dann muss man unbedingt etwas tun“, findet Simon Oberbeckmann (13). Seit einem Jahr unterstützt er die AG-Natur bei ihrem mit dem Deutschen Tierschutzpreis 2010 ausgezeichneten Steinkauz-Projekt, aber auch bei anderen Naturschutzaktivitäten. „Wir sind immer samstags unterwegs und bei Wind und Wetter draußen. Da muss man schon robust sein.“ AG-Kollegin Ramona Amme (20), die die AG von Anfang an begleitet hat, fügt hinzu: „Wir haben immer eine warme Erbsensuppe mit Würstchen zur Stärkung dabei.“

Für das Steinkauz-Projekt bauen die Schüler Brutröhren, hängen sie an geeigneten Orten auf, kontrollieren sie im Frühling und Herbst auf die Anzahl von Brutpaaren, Jungtieren und Eiern, tauschen beschädigte Brutröhren aus und haben sogar Anfang des Jahres eine Streuobstwiese – ein neues Jagd- und Brutgebiet für den Steinkauz – im Stadtteil Wüste angelegt.

Der Steinkauz ist ein Bodenjäger und Kulturfolger. Er bevorzugt Streuobstwiesen mit kurz gehaltener Vegetation zur Nahrungssuche, offene Hofdeelen als Unterschlupf und Obstbäume, in deren Höhlen er nisten kann. „Es muss für ihn ein bisschen so aussehen wie bei Hempels unterm Sofa. Hier ein Misthaufen, da eine Wallhecke, dort eine Scheune“, erklärt der Ornithologe Dr. Gerhard Kooiker auf dem Brinkhof im Stadtteil Kalkhügel. „Na das klingt ja so, als wäre mein Hof unaufgeräumt“, erwidert Landwirt Fritz Brinkmeyer, allerdings mit einem Augenzwinkern, denn er weiß genau, was Kooiker meint.

Hier fand der Ornithologe 2001 eines der damals geschätzten ein bis drei Brutpaare der Osnabrücker Steinkauzpopulation. Auch in diesem Jahr brütete wieder ein Paar auf dem Hof, allerdings in einer Nisthilfe der AG Natur, und das mit Erfolg: Zwei Jungtiere wurden entdeckt. „Steinkäuze bekommen in der Regel zwei bis vier Junge“, so Kooiker.

„In den 61 Brutröhren, die wir in Osnabrück angebracht haben, zählen wir jetzt 17 Brutpaare“, berichtet der AG-Koordinator Friedhelm Scheel. „2011 waren es 15. Ich denke, wir sind auf gutem Wege, dass sich ein Steinkauzgürtel rund um Osnabrück bildet.“ Auch in Bramsche, GMHütte, Hasbergen, Bissendorf, Belm, Wallenhorst und Neuenkirchen hängen Brutröhren der AG Natur. Insgesamt sind es 189, und darin entdeckten die Schüler in dieser Brutsaison 58 Paare, in der Steinkauzbrutsaison 2011 waren es 46 Paare und noch eine Saison weiter zurück 35 Brutpaare.

Ramona Amme ist stolz auf den Erfolg. Die Natur-AG hat ihr Umweltbewusstsein geprägt. Sie versteht, dass Landwirte wirtschaftlich denken müssen. Aber „mit dem Anbringen der Brutröhren kann der Lebensraumverlust der Steinkäuze ein bisschen kompensiert werden“. Und Bauer Brinkmeyer ist aus eigener Erfahrung der Meinung, dass mit ein bisschen gutem Willen Ökologen und Landwirte gut kooperieren können.


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