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18.01.2018, 17:48 Uhr KOMMENTAR

Eine harte Strafe für gute Arbeit

Ein Kommentar von Dietmar Kröger


Bei der Möwe werden unter anderem Fahrradreparaturen durchgeführt. Foto: Archiv/Klaus LindemannBei der Möwe werden unter anderem Fahrradreparaturen durchgeführt. Foto: Archiv/Klaus Lindemann

Osnabrück. Formaljuristisch mag die Entscheidung des Verwaltungsgerichts richtig sein. Darüber möge gegebenenfalls die nächste Instanz entscheiden. In der Sache ist sie für die Möwe und die von ihr betreuten Menschen eine Katastrophe.

Nicht die Entscheidung der Verwaltungsrichter liefert also den Stein des Anstoßes. Der Ärger sollte sich gegen die N-Bank und wohl auch das Wirtschaftsministerium richten. Warum, so muss man sich fragen, war die N-Bank nicht in der Lage, die Möwe von Beginn an so zu beraten, dass es gar nicht zu dieser misslichen Situation kommen musste? Oder, wenn sie nach bestem Wissen und Gewissen beraten hat, warum grätscht dann das Ministerium so in die Förderung, dass es für die N-Bank keinen anderen Weg mehr gibt als den Widerruf der Fördergelder?

Eine Einrichtung wie die Möwe kann so nur zum Ball im Pingpongspiel der Verwaltungen werden. Es grenzt schon an Dreistigkeit, die Möwe 27 Aktenordner mit Abrechnungen erstellen zu lassen – wohlgemerkt nach Vorgabe –, um dann zu sagen: „Das reicht uns nicht.“

Die Möwe wird auf keine Förderung durch die N-Bank mehr zurückgreifen. Der Unsicherheitsfaktor ist zu groß und im Zweifel der Abrechnungsaufwand für eine Einrichtung dieser Größe schlicht nicht zu leisten. Was folgt daraus? Die Möwe wird weniger Projekte durchführen und damit weniger Menschen ihre Hilfe anbieten können. Fazit: Es trifft einmal mehr diejenigen, die ganz am Ende der Kette stehen, ebenjene Menschen, deren einzige Perspektive eine Beschäftigung bei der Möwe ist oder leider treffender gesagt: gewesen wäre.


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