AG vom Gymnasium „In der Wüste“ Theaterprojekt zu Rollenbildern und Zwangsheirat

Von Uta Biestmann-Kotte

Eine Szenenfolge zu gesellschaftlichen Rollenbildern und Zwängen haben die Jugendlichen der Theater-AG vom Gymnasium „In der Wüste“erarbeitet. Foto: Michael GründelEine Szenenfolge zu gesellschaftlichen Rollenbildern und Zwängen haben die Jugendlichen der Theater-AG vom Gymnasium „In der Wüste“erarbeitet. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Am Dienstag ging im Ersten unordentlichen Zimmertheater die Aufführung des theaterpädagogischen Projekts „Ja, ich will!“ über die Bühne, in dem Themen wie Zwangsheirat und gesellschaftliche Rollenbilder thematisiert werden.

Eine Mischung aus lockig und glatt, aus Romantiker und Muskelmacho. Nicht sehr realistisch, wie sich zwei Mädchen vor dem Fernsehgerät ihren Traummann ausmalen. Das merkt auch der Junge, der sich hinter dem Sessel der beiden vergeblich darum bemüht, allen Idealvorstellungen gerecht zu werden.

Die kurze Szene mit den jugendlichen Mimen Nicole Schneider, Jule Brünenkamp und Elias Brammer gehört zum theaterpädagogischen Projekt „Ja, ich will! oder die Suche nach der Traumfrau, dem Traummann – ein Albtraum?“, das am Dienstag im Ersten unordentlichen Zimmertheater zur Aufführung kam. Unter der Leitung von Studienrätin Doerthe Blömer und Liane Kirchhoff von der Theaterpädagogischen Werkstatt erarbeiteten acht 16- und 17-jährige Jugendliche der Theater-AG vom Gymnasium „In der Wüste“ eine 35-minütige Szenenfolge über gesellschaftliche Rollenbilder und Zwänge, die in einer Szene über das Thema „Zwangsheirat“ mündet, zu dem die Osnabrücker Beratungsstelle von „pro familia“ angeregt hatte. Herausgekommen ist ein anfangs neckisch-verspieltes Szenarium, in dem junge Mädchen wie Models in Brautkleidern posieren oder sich ein junger Mann seine Dates durch die jeweiligen Internetprofile in sein Zimmer beamt. Beklemmend dagegen die Szene, in der die junge Sevim wie eine Marionette an Fäden gehalten und schließlich in Tüll gehüllt mit versteinertem Gesicht ihrer arrangierten Hochzeit entgegenblickt. Basierend auf einem Fallbeispiel aus Anthony McCartens Buch „Funny girl“, lasen Jugendliche dazu aus dem Off die Sichtweisen der unfreiwilligen Braut, des Vaters und der besten Freundin und verdeutlichten die Spannungen eines Lebens zwischen zwei Welten.

Das Projekt wurde gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie vom Landesverband Theaterpädagogik Niedersachsen. Mit einer erweiterten Fassung bewirbt sich die Gruppe für das diesjährige Niedersächsische Schülertheater-Treffen.