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Professuren laufen aus Endgültig: Uni Osnabrück schließt die Kunstgeschichte

Von Arne Köhler

Die Proteste am Rande der Senatssitzung am 15. November 2017 waren vergeblich: Das Fach Kunstgeschichte an der Uni Osnabrück wird geschlossen. Das beschloss am 18. Januar 2018 das Uni-Präsidium. Foto: Archiv/Michael GründelDie Proteste am Rande der Senatssitzung am 15. November 2017 waren vergeblich: Das Fach Kunstgeschichte an der Uni Osnabrück wird geschlossen. Das beschloss am 18. Januar 2018 das Uni-Präsidium. Foto: Archiv/Michael Gründel

Osnabrück. Die Schließung des Instituts für Kunstgeschichte an der Universität Osnabrück ist beschlossene Sache. Wie die Uni mitteilte, habe das Präsidium am Donnerstag eine entsprechende Entscheidung getroffen.

„Das Präsidium der Universität Osnabrück hat in seiner Sitzung am Donnerstag, 18. Januar, beschlossen, zur ,Realisierung stellenplanerischer Gestaltungsspielräume‘ die drei Professuren des Fachs Kunstgeschichte 2023/2024 nach dem Ausscheiden der Stelleninhaberinnen und des Stelleninhabers nicht wieder zu besetzen“, heißt es in einer am Donnerstag verbreiteten Presseerklärung wörtlich.

„Die Gestaltungsspielräume sind nötig, um die Profilbildung und Wettbewerbsfähigkeit der Universität zu verbessern“, wird Universitätspräsident Professor Wolfgang Lücke in der Mitteilung zitiert.

Einhergehend mit der Streichung der Professorenstellen habe das Präsidium die Schließung des Zwei-Fächer-Bachelor-Teilstudiengangs „Kunstgeschichte“ zum Wintersemester 2019/20 beschlossen. Die letztmalige Aufnahme erfolge zum Wintersemester 2018/19. Eine Betreuung der Studenten des Fachbereichs werde bis zum Sommersemester 2024 gewährleistet. Weiterhin werde der Masterstudiengang „Kunstgeschichte. Architektur und Kunst im kulturgeschichtlichen Kontext“ zum Sommersemester 2022 auslaufen. Die letztmalige Aufnahme erfolge zum Wintersemester 2021/22. Betreut würden die Masterstudenten noch bis zum Sommersemester 2024.

Die geplante Schließung des Instituts für Kunstgeschichte hatte an der Universität und in der Osnabrücker Kulturszene zu erheblichen Protesten geführt.

Zuletzt hatte der Senat der Universität über die Pläne beraten. Bei der Abstimmung in der ebenfalls von Protesten begleiteten Sitzung war es zu einem Patt gekommen. Die Entscheidung musste somit alleine vom Präsidium getroffen werden, was nunmehr geschehen ist.

Wie die Universität in ihrer aktuellen Mitteilung betont, soll die „kunsthistorische Expertise trotz der strukturellen Veränderung für die Region erhalten werden“. Es gelte nun, entsprechende Szenarien zu entwickeln. Es böten sich dafür zum Beispiel die Fächer Kunst und Kunstpädagogik an.

Helen Koriath, Professorin der Kunstgeschichte, stellt sich auf einen schwierigen Prozess ein. Die Kunstgeschichte bildet zusammen mit den Instituten und Fächern für Geographie, Geschichte, Kunst/Kunstpädagogik, Textiles Gestalten und Sozialwissenschaften den Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften. „Wir sind ein Fachbereich mit vielen unterschiedlichen Interessen“, sagte Helen Koriath unserer Redaktion, „da hat jedes Fach große Ambitionen.“

Die Zeit drängt: Bis Mitte des Jahres sollen nach dem Willen des Präsidiums die Fachbereiche Zukunftskonzepte vorlegen. Die Kunsthistorikerin fühlt sich in diesem Prozess „zwiegespalten“. Einerseits wolle sie keinen Streit mit den Kollegen aus den anderen Fächern, andererseits aber möglichst viel von der Kunstgeschichte in die Zukunft retten. „Wir haben eine gute Lehre gemacht, niemand hat die Qualität infrage gestellt“, betonte Helen Koriath.

Hoffnung, das Institut doch retten zu können, hatte die Professorin nicht, als sie am Donnerstag zur Präsidiumssitzung ging. Die Entscheidung habe sich schon nach der Senatssitzung deutlich abgezeichnet. Helen Koriath wird, wenn alles nach Plan läuft, als letzte Professorin 2024 das Kunsthistorische Institut abschließen.