Online-Befragung Migranten sollen Osnabrück mitgestalten

Sie hoffen, dass möglichst viele Osnabrücker an der Umfrage teilnehmen (von links): Seda Rass-Turgut, Integrationsbeauftragte, OB Wolfgang Griesert (CDU) und Claas Beckord, Teamleiter Strategische Stadtentwicklung und Statistik. Foto: Jörn MartensSie hoffen, dass möglichst viele Osnabrücker an der Umfrage teilnehmen (von links): Seda Rass-Turgut, Integrationsbeauftragte, OB Wolfgang Griesert (CDU) und Claas Beckord, Teamleiter Strategische Stadtentwicklung und Statistik. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Fast 50000 Osnabrücker haben ihre Wurzeln im Ausland. Die Stadt will mehr über sie und ihre Erwartungen an Osnabrück erfahren und führt deshalb eine Online-Umfrage durch. 4000 Haushalte werden dafür ab dem 22. Januar angeschrieben.

Es reicht, dass ein Elternteil im Ausland geboren ist und schon hat man laut Definition der Stadt einen Migrationshintergrund. Die mehr als 50000 Menschen, auf die das in Osnabrück zutrifft, haben ihre Wurzeln in 140 Ländern. Doch wie sie ticken und was sie erwarten, ist der Stadt überwiegend unbekannt. Einzelne Stadtteile wie Schinkel haben einen Migranten- und Ausländeranteil von rund 50 Prozent. Das Problem: „Wir erreichen die Menschen nicht repräsentativ entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil“, sagt Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU).

100000 Euro vom Bund

Das Projekt „Gestalte Deine Stadt“ soll das ändern. 100000 Euro bekommt Osnabrück vom Bund, um die Menschen mit Migrationshintergrund mehr einzubinden und dazu zu bringen, mehr Verantwortung für Osnabrück zu übernehmen. Im ersten Schritt will die Verwaltung mehr über sie erfahren. „Wir wollen das gefühlte Wissen, das wir haben, auf eine breitere Basis stellen“, sagt Osnabrücks Integrationsbeauftragte Seda Rass-Turgut. Es gebe so viele Vorurteile wie jenes, dass sich einzelne Gruppen nicht integrieren würden. Dabei sei Integration über Indikatoren wie Zugang zu Arbeit, Wohnen und Vereinen objektiv messbar.

20-minütige Umfrage

An die 20 Minuten dauert die Umfrage, die die Mitarbeiter aus den Bereichen Strategische Stadtentwicklung und Integration konzipiert haben – und zwar in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Polnisch, Russisch, Türkisch und Arabisch. Nicht nur die 4000 Haushalte, die eine Postkarte bekommen, dürfen daran teilnehmen, sondern jeder, der Interesse daran hat, auch wenn kein Migrationshintergrund vorliegt, erläutern Rass-Turgut und Claas Beckord, Teamleiter Strategische Stadtentwicklung und Statistik. „Wir hoffen auf eine gewisse virale Verbreitung“, so Beckord.

Zunächst werden die Rahmendaten erfragt, unter anderem die Herkunft der Eltern, eigene Herkunft, Kenntnisse der deutschen Sprache und der des Herkunftslandes. Wer dann angegeben hat, seit wann er in Osnabrück lebt, wird weitergeleitet zu Fragen, die sich um politische Teilhabe, ehrenamtliches Engagement und Integration sowie Diskriminierungserfahrungen drehen. Daraufhin können die Teilnehmer angeben, wie es ihnen in Osnabrück gefällt, wie sie etwa den Zustand der Grünanlagen beurteilen, wo ihr Lieblingsort und der aus ihrer Sicht hässlichste Ort liegt. Recht umfangreich sind auch die Fragekomplexe zur Wohnsituation und Mobilität.

Erste Ergebnisse im März

Vier Wochen soll die Umfrage scharf geschaltet sein, im März würden die ersten Auswertungen vorliegen, sagen Beckord und Rass-Turgut. Mit der breiten Daten-Grundlage wollen die Mitarbeiter der Stadt dann Beteiligungsformate entwickeln, so Rass-Turgut. In Stuttgart beispielsweise seien gemeinsame Koch-Treffen in den einzelnen Stadtteilen organisiert worden.

Bevor es Beschwerden gibt, dass die Stadt sich nur um die Migranten und nicht um die anderen kümmere, betont die Integrationsbeauftragte: „Es geht hier nicht um einer Bevorzugung einzelner Bevölkerungsteile, sondern darum, alle Menschen mitzunehmen – auch im Sinne der Friedensstadt.“


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