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Wegen Verzögerung und Umleitung ADAC und Verkehrsgewerbe kritisieren A1-Sperrung

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Osnabrück. Der Verkehrsclub ADAC und das Verkehrsgewerbe kritisieren das Verkehrschaos rundum die Sperrung der Autobahn A1 zwischen Bramsche und dem Lotter Kreuz vom vergangenen Freitag bis Montagnachmittag. Weil die Vollsperrung länger dauerte, als zunächst angekündigt, forderte der ADAC Weser-Ems „mehr Professionalität und ein besseres Projektmanagement“.

ADAC-Sprecher Nils Linge hätte sich eine bessere Planung gewünscht, damit Pendler am Montagmorgen nicht unvorbereitet in das Verkehrschaos bei Osnabrück und auf dem 15 Kilometer langen Abschnitt der Umleitung zwischen Belm und Ostercappeln gelangen. Zudem seien die Straßen gar nicht dafür ausgelegt, so viel Verkehr aufzunehmen. „Deshalb muss die Dauer der Belastung so kurz wie möglich gehalten werden.“ Für künftige Baumaßnahmen wünschte er sich, dass vorgesehene Zeiträume der Sperrung sorgsamer geplant werden, um sie später dann auch einhalten zu können. Ursprünglich wollten die Straßenbauer die Sperrung am Montagmorgen um 5 Uhr aufheben, um den Berufsverkehr nicht zu belasten. Die Autobahn war aber erst um 15 Uhr wieder freigegeben worden, und es kam auf der A30 sowie auf der B51 zu kilometerlangen Staus.

( Weiterlesen: Zerschnittene Dütebrücke: A1 bei Lotte seit Montagnachmittag wieder frei)

Verkehrsgewerbe fordert Umleitungsmanagement

Für den Geschäftsführer der Bezirksgruppe Osnabrück-Emsland des Gesamtverbands Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN), Ulrich Hoefner, war aufgrund der Komplexität der Abrissarbeiten an der Dütebrücke „von vornherein klar, dass es da Probleme gibt. Daher war die Verzögerung für mich nicht überraschend“. Er legte bei seiner Kritik einen anderen Fokus: „Es gab zu wenige Umleitungsstrecken.“ So wunderte er sich, warum der Verkehr ab dem Lotter Kreuz über die B51 über Belm nach Ostercappeln und von dort über die B218 nach Bramsche umgeleitet wurde. Er wies darauf hin, dass auch Umleitungsstrecken von der A1-Abfahrt Osnabrück-Hafen über Tecklenburg oder von der A1-Abfahrt Osnabrück-Nord über Wallenhorst möglich gewesen wären. Hoefner forderte ein regionales Umleitungsmanagement: „Die Kommunen müssen sich im Vorfeld mehr Gedanken machen und das untereinander über Gemeinde-, Stadt- und Landesgrenzen hinweg sowie mit den Verkehrsplanern und der Polizei besser abstimmen.“ Seiner Auffassung nach hätte auf der Ausweichstrecke über Belm nach Ostercappeln zumindest die Ampelschaltung angepasst werden müssen, damit Autofahrern für den Zeitraum der Sperrung entsprechend mehr Vorrang eingeräumt wird.

( Weiterlesen: Abrissarbeiten an der Dütebrücke der A1 haben begonnen)

„Der genaue Zeitraum der Sperrung war nicht exakt planbar“

Sandra Beermann von der Regionalniederlassung Münsterland des Landesbetriebs Straßenbau NRW wies die Kritik zurück: „Der genaue Zeitraum der Sperrung war nicht exakt planbar.“ Der 280 Meter lange Trennschnitt an der Brücke sei am Sonntag planmäßig abgeschlossen worden. Das Problem sei entstanden, als der Überbau danach angepresst werden musste, damit das gesamte Gewicht der Brückenplatte samt Verkehr von dem Traggerüst übernommen werden kann. Dafür seien insgesamt 500 einzelne Pressen im Einsatz gewesen. „Diese Arbeiten erwiesen sich trotz aller sorgfältigen Vorberechnungen komplizierter und erheblich zeitaufwändiger als vorab geplant werden konnte“, betonte Beermann. Zur Kritik an der Ausweichstrecke sagte sie: „Da die Maßnahme im Grenzbereich zu Niedersachsen liegt, werden alle Umleitungsstrecken mit den zuständigen Behörden in Niedersachsen und NRW festgelegt.“ Laut Beermann wurden die Umleitungen in mehreren Terminen festgelegt, um den Stau so gering wie möglich zu halten.

„Andere Umleitungsstrecken nicht leistungsfähig genug“

Der beim Landesbetrieb Straßenbau NRW in der Regionalniederlassung Münsterland für den Brückenbau zuständige Heinrich Kahlmeier fügte hinzu: „Bereits bei kürzeren Vollsperrungen nur für eine Fahrtrichtung der A1 hatte sich im vergangenen Jahr gezeigt, dass das direkt angrenzende Straßennetz, etwa zwischen der A 30 und der Anschlussstelle Osnabrück-Hafen nur bedingt leistungsfähig genug ist, den Verkehr der A1 aufzunehmen.“ Bei der jetzt durchgeführten Vollsperrung der gesamten A1 für fast 3 Tage war es laut Kahlmeier somit geboten, eine leistungsfähige Umleitungsstrecke für beide Fahrtrichtungen sicherzustellen. Letztendlich habe die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr diese weiträumige Umfahrung über die A30, A33 sowie über die Bundesstraßen B218 und B51 ausgearbeitet, die dann auch so von beiden Bundesländern genehmigt worden sei.

Kaum Probleme bei Speditionen in der Region Osnabrück

Bei den Speditionen in der Region hat es wegen der Sperrung offenbar kaum Probleme gegeben. Die Lastwagen der meisten Spediteure aus der Region haben laut Hoefner wohl die Nacht von Sonntag auf Montag genutzt: „Die Vollsperrung wird daher vermutlich eher den Fernverkehr beeinträchtigt haben.“ Melanie Mönch von der Osnabrücker Spedition Koch International berichtete: „Unsere Stückgut-Transporte sind am Montag mit einer geringen Verzögerung von zehn bis 15 Minuten zwischen 17 und 18.30 Uhr eingetroffen. Hier waren daher kaum Auswirkungen spürbar.“

Nächste Sperrung Ende Mai oder Anfang Juni am Lotter Kreuz

Die nächste größere Sperrung wird das Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück betreffen. „Im Bereich des Lotter Kreuzes wird es voraussichtlich Ende Mai oder Anfang Juni zu einer weiteren Sperrung der A1 kommen. Dort werden dann die ersten Fertigteile für die neue Brücke der A30 über die A1 aufgelegt“, blickte Sandra Beermann auf Anfrage unserer Redaktion voraus. Das Gesamtprojekt zum Ersatzneubau der Brücke im Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück kostet rund 40 Millionen Euro. Der über zwei Jahre geplante Erneuerungsprozess, der im Juni 2017 begonnen hat, unterteilt sich in mehrere Bauabschnitte und Phasen. Bis zu diesem Sommer soll der Neubau des ersten südlichen Teils der Brücke fertig sein, über den sonst die Fahrspuren der A30 Richtung Hannover verlaufen. Danach beginnen die Arbeiten auf der nördlichen Seite im darauffolgenden September oder Oktober erneut.

( Weiterlesen: Ersatzneubau der Brücke am Lotter Kreuz)


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