Kind gelähmt und pflegebedürftig Vater aus Melle schüttelte sein Baby: Prozess in Osnabrück startet

Von dpa

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Das Landgericht Osnabrück. Foto: dpaDas Landgericht Osnabrück. Foto: dpa

Osnabrück. Es kommt gar nicht so selten vor, dass Eltern von ihren Babys überfordert sind und sie schütteln, wenn sie viel schreien. Die Kinder können sterben oder schwerste Behinderungen erleiden – wie ein Fall aus Melle zeigt, der ab diesem Dienstag vor dem Landgericht verhandelt wird.

Ein Vater aus Melle soll sein kleines Kind so stark geschüttelt haben, dass das erst wenige Monate alte Baby einen schweren Hirnschaden erlitt. Deswegen muss sich der 26-Jährige aus Melle von Dienstag an vor dem Landgericht Osnabrück verantworten.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft schüttelte der Mann seine vier Monate alte Tochter im März 2014 absichtlich und ohne Grund stark, als er alleine mit dem Kind in seiner Wohnung war.

Als die Mutter zurückkam, war das Kind unterkühlt und nicht ansprechbar. Die Frau alarmierte den Notarzt. Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass die Körpertemperatur des Kindes bei 33 Grad Celsius lag. Bis Juni 2014 war das Baby in stationärer Behandlung. Ärzte stellten eine schwere Hirnschädigung fest.

Das Mädchen ist seitdem gelähmt und in höchstem Maße pflegebedürftig. Für den Prozess sind bis Ende Januar drei weitere Verhandlungstage geplant. Im Prozessauftakt am Dienstag stritt der Angeklagte die Vorwürfe ab. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 22. Januar angesetzt. Dann werden vier Ärzte als Zeugen vernommen, die mit der Behandlung des Kindes befasst waren. (Weiterlesen: Todesgefahr: Eltern dürfen schreiendes Baby nie schütteln)

Schütteltrauma: Behinderungen und Tod kann folgen

Nach aktuellen, vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) veröffentlichten Zahlen werden schätzungsweise zwischen 100 und 200 Säuglinge und Kleinkinder mit Schütteltrauma jährlich in deutsche Kliniken gebracht. Zwischen 10 und 30 Prozent der geschüttelten Kinder sterben, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums in Hannover.

„Viel zu wenige Menschen wissen, was Schütteln eigentlich verursacht“ – es könne von der Behinderung bis zum Tod des Kindes führen, sagte die Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, Cordula Lasner-Tietze. Auch Ärzte müssten geschult werden, um gezielter auf Symptome zu achten, die auf ein Schütteln hindeuten. „Die wenigsten Eltern sagen von sich aus, dass sie das Kind geschüttelt haben.“ (Weiterlesen: Was passiert beim plötzlichen Kindstod?)

70 Prozent der Täter Männer

Die große Mehrheit der Fälle werde von Männern verursacht, rund 30 Prozent von Frauen, sagte Lasner-Tietze. In der Regel seien die Eltern oder Betreuer der Kinder überfordert - so hielten sie das Schreien von Babys nicht aus oder würden nicht wissen, wie man die Kinder beruhigt.

Besonders Stiefväter im Alter um die 25 Jahren hätten oft keine Erfahrung mit kleinen Kindern und könnten schnell überfordert sein. Deswegen seien sie manchmal nicht die geeignete Betreuungsperson, vor allem für Kinder, die sehr viel schreien. „Denn Schreikinder überfordern selbst die geduldigsten Väter und Mütter“, sagte Lasner-Tietze. Hier müssten die Eltern sich professionelle Hilfe holen.


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